Review

"Time waits for no one."

Makoto Konno ist ein ungeschicktes, 17-jähriges Mädchen, das noch nicht so recht weiß, was es mit ihrem Leben anfangen soll. Ihre Freizeit verbringt sie lieber damit mit ihren Freunden Chiaki Mamiya und Kosuke Tsuda Baseball zu spielen anstatt zu lernen oder sich mit mädchenhaften Dingen zu beschäftigen.
Eines Tages findet sie im Chemielabor ein seltsames, walnussförmiges Objekt. Ohne etwas damit anfangen zu können steckt sie es kurzerhand ein. Am selben Tag versagen die Bremsen an Makotos Fahrrad und sie rast auf einen herannahenden Zug zu. Als sie nach dem Unfall wieder zu sich kommt ist sie allerdings nicht wie erwartet tot, sondern wacht in der Vergangenheit wieder auf. Fortan nutzt sie diese Fähigkeit um ihre Noten zu verbessern oder peinlichen Situationen aus dem Weg zu gehen, ohne zu beachten, welche Konsequenzen sich daraus ergeben.

Studio Madhouse ("Perfect Blue") greift in "Das Mädchen, das durch die Zeit sprang" ein filmisch beliebtes Thema auf. Zeitreisen wurden bislang auf vielfältige Art behandelt. So ist es kein Wunder, dass sich in dem Animationsfilm diverse Referenzen zur "Zurück in die Zukunft"-Reihe oder dem am ähnlichsten "Und täglich grüßt das Murmeltier" finden.
Die von dem Schriftsteller Yasutaka Tsutui erdachte Handlung wurde in den diversen Filmen namens "Toki o kakeru shojo" auf verschiedene Weise erzählt. Diese neueste Verfilmung ist jedoch eher als Sequel zu verstehen. Das Mädchen Kazuko, das in Tsutsui's Kurzgeschichte die Hauptrolle übernahm, ist hier als Makoto's Tante mit von der Partie und schließt so die Lücke zu den anderen Filmen.

Da das Original nunmehr vierzig Jahre auf dem Buckel hat, ist es nur logisch, dass Madhouse um eine moderne Umsetzung der Thematik bemüht war. So wurde aus dem zurückhaltenden japanischen Schulmädchen aus Yasutaka Tsutsui's Geschichte eine chaotische, etwas eigensinnige Schülerin hinter deren Zukunft noch ein großes Fragezeichen steht. Die Charaktere sind durchgehend charmant, wobei von der Dreiecksbeziehung Makoto im Vordergrund steht.
Unverhohlen setzt "Das Mädchen, das durch die Zeit sprang" zunächst auf hervorragende Situationskomik und Ironie, speziell auf seine Protagonistin angeglichen. Während die Erzählweise bis zum letzten Drittel leichtfertig und unbeschwert ist, wandelt sie sich zum Finale in eine anspruchsvolle.

"Das Mädchen, das durch die Zeit sprang" wird eher gemächlich und ruhig wahrgenommen. Seine temporeichen Szenen erhält der Animationsfilm nicht aus einer hektischen Inszenierung, sondern aus unerwarteten Ereignissen, die aus der Zeitmanipulation entstehen. Diese sind nicht nur zahlreich sondern auch einfallsreich, sodass das ernstere und emotionale Finale völligst unvorhersehbar überrascht. Trotz romantischen Elementen und missender Charaktertiefe funktioniert der Film ohne Kitsch und Klischees.

In erster Linie erzählt "Das Mädchen, das durch die Zeit sprang" eine Geschichte über das erwachsen werden, die Wünsche und Bedürfnisse einer Außenseiterin, eine sanfte Romanze sowie über die Erkenntnis Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Die Zeitsprünge werden dabei weder aus wissenschaftlicher noch aus logischer Sicht betrachtet und lassen Fragen offen. Genauso wie einzelne Nebenhandlungen, die nicht zu Ende geführt werden.

Die unaufdringliche musikalische Untermalung, mittels gefühlvoller Klaviermelodien, untermalt die Bilder passend.
Die detailliert ausgearbeiteten Hintergründe, glaubwürdiger Lichteinfall und flüssige Animationen wissen zu gefallen. Die Zeichnungen der Charaktere dagegen lassen ein paar Details missen, ihr realistischer Stil überzeugt allerdings.

Obwohl "Das Mädchen, das durch die Zeit sprang" zunächst gemächlich und holprig erzählt wird und zum Schluss Fragen offen lässt, unterhält es enorm und überrascht beinahe ständig. Die Möglichkeiten der Zeitmanipulation und ihrer Konsequenzen werden stark ausgereizt und wandeln sich von heiterer Komik zu anspruchsvoller Moral. Bild und Ton unterlegen das Geschehen dabei passend. So schnell sind die sympathischen Figuren nicht vergessen, auch wenn sie eher einer schlichten Charakterzeichnung unterliegen. Knappe ...

9 / 10

Details
Ähnliche Filme