Gestern war ich auf der Premiere von Slasher. Ein deutscher, nuja, Slasherfilm, der schon auf dem Weekend of Fear lief und jetzt in Bochum gezeigt wurde, weil er da auch gedreht wurde. Das Ding startet am 9. August "überall im Kino", insofern möchte ich eine deutliche Warnung an alle aussprechen, die vielleicht in Versuchung kommen könnten, sich das anzusehen. Der Film ist eine Mogelpackung. Dass er auf HD-Video gedreht ist: gut und schön. Alles andere: Nicht schön und erst recht nicht gut. Nachdem uns Leute wie Schnaas, Bethmann und Rose seit über einer Dekade mit ihren in Hartboxen verpackten Unfugsfilmchen belästigen, will man uns nun tatsächlich erstmals einen Amateurspläddah-Streifen als Kinofilm verkaufen.
Und amateurhaft ist er. Slasher scheitert schon auf technischer Ebene total, vollständig, umfassend. Es ist geradezu symptomatisch, wie die Macher es schaffen, selbst bei bei strahlendem Sonnenschein gedrehten Außenszenen die Ausleuchtung vollkommen zu vermasseln. Das ist beileibe keine Erbsenzählerei – vielfach erkennt man schlicht nichts mehr, weil alles in totaler Schwärze absuppt. Mag sein, dass das auf DVD noch erträglich aussieht, im Kino ist es eine Zumutung. Mag auch sein, dass der Ton auf Heimkino-Soundsystemen besser klingt, das allerdings steht zu bezweifeln. Wir dachten erst, die Anlage sei kaputt, aber offenbar muss das so. Da wechselt willkürlich die Lautstärke zwischen ohrenbetäubend laut und fast völliger Stille, die Soundkulisse ist streckenweise so dünn, dass manche Szenen beinahe stumm sind und minutenlang unterhalten sich Leute ohne dass man auch nur einen Satz versteht. Die Musik setzt völlig unvermittelt ein und aus, als hätte ein Familienpapa Omas Geburtstagsvideo nachträglich vertont (Der Vollständigkeit halber: Die Vorführung in Bochum hatte mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen. Erst war kein Ton da, woraufhin der Film neu gestartet wurde, dann war's zu laut, nach Beschwerden aus dem Publikum dann zu leise. Nach spätestens einer Viertelstunde lief alles, wie es sollte, aber der Ton war immer noch mies ausgesteuert, die Dialoge immer noch unverständlich. Das kann man nicht dem Vorführer ankreiden, sondern einzig und allein den Filmemachern).
So, aber vielleicht ist ja wenigstens die Handlung toll? Gut? Zumindest solide? Macht sich da ernsthaft noch jemand Hoffnung? Drei Tussis fahren mit ihren Kerlen zum Zelten an einen See ("Wir wollen zum alten Camp!"). Sie bauen ihr Zelt auf, baden, haben Sex oder auch nicht und werden dann von einem fetten Typen mit Maske und Kettensäge zerlegt. Öh... ja. Das ist alles. Am Ende kommen noch zwei vollkommen hanebüchene Plot-Twists (die wirklich auch beim x-ten Rekapitulieren keinerlei Sinn ergeben – nicht mal Mitglieder der Filmcrew konnten mir anschließend erklären, was das sollte) und dann ist das Werk zum Glück auch schon wieder vorbei. Zwischendurch erläutert einer der Typen den Anderen am Lagerfeuer, was ein Slasher ist. Meta-Ebene, uiuiui. Ansonsten kopiert der Film ganze Szenen Einstellung für Einstellung aus der Friday-Serie und dem ersten Texas Chainsaw Massacre, ohne auch nur einmal ansatzweise deren Klasse (TCM) oder wenigstens Routine (Friday) zu erreichen.
Ohnehin ist es absolut verfehlt, Slasher in einem Satz mit überhaupt auch nur irgendeinem Horror-Klassiker zu nennen, denn der Film luhst ausgerechnet auch in Punkto Splattereien gnadenlos ab. Die ruppigeren Szenen bestehen fast ausschließlich aus mies ausgeleuchteten Nahaufnahmen oder spielen sich außerhalb des Bildbereichs ab. Meine Güte, nicht mal das Kunstblut sieht echt aus: Es ist wässrig wie Wasserfarbe und weiße Klamotten, die eben noch vor rotem Schmadder trieften, verfärben sich bei Kontakt mit Wasser rosa. Keine Ahnung, ob das vielleicht wirklich Wasserfarbe war, aber es ist einfach nur peinlich.
Damit ordnen sich die Effekte aber immerhin gut in den Rest der Chose ein. Nach gut einem Drittel der Laufzeit hatte wohl auch der hinterletzte der gut 150 Zuschauer kapiert, dass es mit diesem Debakel nicht mehr aufwärts gehen würde. Aus allen Richtungen wurden hämische Bemerkungen durch den Saal gerufen, die um ein Vielfaches unterhaltsamer waren als alles, was sich auf der Leinwand abgespielt hat. Ich war in meinem Leben um die 1000 Mal im Kino, aber ich habe noch nie erlebt, dass ein Film derartig ausgelacht wurde. Zu den absoluten Highlights gehört eine Szene, in der eine der Trullas auf eine Lichtung gerät, ein Haus erblickt und ungläubig fragt: "Was ist das denn?" (Äh... Ein Haus?), der Kettensägen-Killer, der seine Verfolgungsjagd unterbricht, um ein unschuldiges Gebüsch umzusäbeln (zwei Mal!) und das Finale, das sich über anderthalb Tage (!) hinzieht und nur daraus besteht, dass Killer und Final Girl im Wald Verstecken/Fangen spielen. Unter Trash-Gesichtspunkten ist Slasher damit eigentlich eine große, unfreiwillig unterhaltsame Freakshow, aber es gibt keinen, absolut keinen Grund, warum man sich das im Kino geben sollte. Falls jemand ihn trotz allem und aus welchen Motiven heraus auch immer sehen will: Verpassen wird man den Film sicher nicht, das DVD-Release ist bereits jetzt angekündigt (natürlich in 'ner Hartbox), und wer sich ernsthaft mit Horror beschäftigt, wird in der Regel auch wissen, bei welchen Händlern er das Ding bekommt.
Außerhalb der Amateurhorror-Szene dürfte das Interesse beim Publikum für so was wie Slasher eher gering sein. Dass der Film trotzdem einen Kinostart bekommt, ist mir genauso rätselhaft wie der Umstand, dass er im Vorfeld ausschließlich gute Kritiken auf diversen Webseiten bekommen hat. Dafür gibt es zwei mögliche Erklärungen, die beide wenig schmeichelhaft für die Autoren sind – die eine betrifft ihre journalistische Integrität, die andere ihren Geisteszustand. Tut mir leid, aber netter kann ich es nicht formulieren. Argumente wie "Für das kleine Budget isses ganz gut" ziehen da einfach nicht. Die Macher hatten unglaubliche 53 Drehtage Zeit, was Vernünftiges auf die Beine zu stellen (zum Vergleich: ein deutscher Kinofilm hat meist um die 30). Slasher hat, laut Crewmitgliedern, etwa 10.000€ gekostet, also so viel wie seinerzeit Thilo Gosejohanns Operation Dance Sensation. Der war auch lustig, aber da war's geplant, mal davon abgesehen, dass er in technischer Hinsicht um Lichtjahre kompetenter ist. Slasher quillt nur so über vor unfreiwilligem Humor, dämlichen Handlungsschlenkern, peinlichen Dialogen, schamlos zur Schau gestellter Unfähigkeit aller Beteiligten und absolut unfassbaren Kopfpatsch-Momenten. Als DVD auf dem Wühltisch irgendeiner Börse wäre er nur ein Mistfilm unter vielen gewesen. Im Kino muss er sich mit den Werken von Profis messen, und da ist er eine blamable Lachnummer.