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Was kann schon bei einem Film raus kommen dessen Vorlage ein kurzes Kinderbuch ist? Natürlich nur ein flacher Kinderfilm. Genau das sollte „Nachts im Museum“ aber nicht werden. Ein Film für die ganze Familie sollte es sein, auch wenn die Story wohl am ehesten die Fantasie von Kindern anregen dürfte. Doch der ultimative Familienfilm versagt fast auf ganzer Linie und stellt eine der größten Enttäuschungen des Kino-Jahres dar.

Das bei einem Budget von 100 Millionen Dollar optisch alles stimmt kann man voraus setzen und in der Tat erlebt man Effekte auf einem hohen Niveau. Das das nicht reichen kann (man bedenke die schmale Rahmenhandlung) ist klar und ich ging davon aus das der Film seine Schwächen mit brachialer Komik und jede Menge denkwürdiger Szenen ausbügeln würde, doch weit gefehlt.

Kameramann Guillermo Navarro, der schon für Regie-Größen wie Quentin Tarantino („Jackie Brown“), Robert Rodriguez („From Dusk Till Dawn“, „Desperado“) und Guillermo Del Toro („Hellboy“, “Cronos“) arbeitete, leistete hier hervorragende Arbeit und fängt das schwierig zu filmende Gebäude eindrucksvoll ein. Diese Bilder sind es, unterlegt mit der Musik von Routinier Alan Silvestri, die teilweise Atmosphäre erzeugen können und in Verbindung mit dem F/X-Spektakel besonders das jüngere Publikum ansprechen dürfte.

Doch nicht mal unterhalten kann der Film durchweg, das liegt vor allem an der Tatsache, dass viel vom Pulver früh verschossen wird und dann drastisch das Tempo gedrosselt wird. Da die Geschichte sich vorhersehbar entwickelt und nicht eine nennenswerte Überraschung bereithält, schleichen sich zwischen die lauten Slapstick-Einlagen unübersehbare Längen ein und vermiesen den Film-Genuss gewaltig.

Der Vergleich zu „Jumanji“ drängt sich geradezu auf, wobei Johnstons Werk, welches mittlerweile über zehn Jahre auf dem Buckel hat, in jeder Beziehung besser abschneidet und mit wesentlich originelleren Überraschungen aufwarten konnte. Leider fehlt „Nachts im Museum“ die sprühende, fantasievolle Energie eines „Jumanji“ und einfach das gewisse Etwas. Die Charaktere sind schemenhaft und die seichten Familien-Konflikte hat man schon etliche Male gesehen.

Das gleiche gilt für die zahlreichen verschiedenen Neben-Charaktere, von denen keiner wirklich erinnerungswürdig ist. Selbst Owen Wilson als Miniatur-Cowboy oder Robin Williams als Theodore Roosevelt sind weit weg von ihrer jeweiligen Bestform und können sich in ihren Rollen nicht wirklich austoben. Stillers Mutter Anna Marea taucht ebenfalls kurz auf und vermittelt den Nachtwächter-Job.

Auch Hauptdarsteller Ben Stiller wirkt stark unterfordert, obwohl er sicherlich eine Idealbesetzung ist für den sympathischen Versager Larry, der das Chaos im Museum und sein eigenes Leben natürlich wieder in den Griff bekommt. Die Handlung richtet sich stur nach Schema F, was nicht verwundert. Sieht man sich die vorigen Arbeiten der Autoren Ben Garant und Thomas Lennon an, stellt man fest das bis auf belanglose Komödien wie „New York Taxi“ oder „Herbie Fully Loaded“ nicht viel zu finden ist. Genau die richtigen Leute also für einen weiteren Big Budget Film ohne jeglichen Tiefgang.

Der Tragik der verzauberten Wesen des Museums wird keinerlei Beachtung geschenkt, stattdessen beschränkt man sich hier auf eine oberflächliche Darstellung. Trotz ihres Schicksals auf ewig gefangen zu sein und bei Kontakt mit Sonnenlicht sofort eingeäschert zu werden wird nichts näher beleuchtet und alles nur angerissen. So wirken die unterschiedlichen Klein-Schauplätze unnötig und die Emotionalität des Films schlichtweg konstruiert.

Crossover-Spezialist Stephen Sommers („Van Helsing“) hätte dem an sich originellem Stoff sicher etwas mehr abgewonnen als der auf Mainstream spezialisierte Shawn Levy. Meiner Meinung nach hätte sich aber schon der gute Tim Burton an eine Adaption machen sollen um aus einer so schwachen Story einen guten Film zu machen.

Fazit: Statt an die ganze Familie richtet sich „Nachts im Museum“ glasklar an ein Zielpublikum unter zwölf, alle anderen dürften mit den lauen Witzen und dem übertriebenem Effekt-Getöse nicht viel anzufangen wissen. Meiner Meinung nach eine glatte Enttäuschung und schlichtweg verschenktes Potenzial.

3,5 / 10

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