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Ein richtig schön praller Dynamationfilm mit reichlich Harryhausen-Monstern im Sinne des Autors Jules Verne sollte es werden und so reiht sich "Die geheimnisvolle Insel" in ihrer 1960er Version nahtlos in die Filme wie "Reise zum Mittelpunkt der Erde", "Robur" und den Wells-Film "Die Zeitmaschine", allerdings ohne einen absolut nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

Das liegt sicherlich an einer ewig langen Exposition der im amerikanischen Bürgerkrieg angesiedelten Geschichte rund um ein paar Yankee-Flüchtlinge, die per Fesselballon auf einer einsamen Insel stranden. Eine halbe Stunde muß man schon aufbringen, ehe wir endlich am Ort der Handlung sind. Dort geht die Robinsonade jedoch in die Vollen, komplett mit Hausbau, weiteren Gestrandeten (diesmal weiblichen) und leichten und charmanten Schwierigkeiten beim Zusammenleben.

Die Story wirkt manchmal etwas forciert konstruiert, als hätte man sie um die Monstren von Harryhausen herumgruppiert. Tatsächlich sind die Stop-Motion-Tiere die Höhepunkte der Handlung, von denen wir nacheinander eine Riesenkrabbe, ein monströses Junghühnchen, gigantische Bienen und zum Schluß noch einen tentakeligen Unterwassertintenfisch präsentiert kriegen. Wenn gerade mal kein Tierchen bei der Hand ist, springt die Handlung von Schauwert zu Schauwert, präsentiert eine Piratenhöhle, später einen Piratenangriff, um erst im Schlußdrittel die Figur des Käptn Nemo einzuführen, ohne diesen Auftritt wirklich atmosphärisch vorbereitet zu haben. Dabei hätte ein Mehreinsatz des charismatischen Herbert Lom bei den sonst recht austauschbaren Schauspielern nur gut getan.

Zum überhektischen Schluß mit Vulkanausbruch und Schiffsreperatur serviert das Buch noch eine versunkene Unterwasserkultur, die uns die altgriechische Baukunst auch unter den Pazifik verlegt. Trotz all der Schauwerte kommt ein ungehinderter Fluß leider nicht zustande. Zu holprig und episodenhaft entwickelt sich der rote Faden und anspruchsvolle Erwachsene trauern sicherlich den vergebenen Möglichkeiten hinterher, aus der Story nicht mehr gemacht zu haben.

Dafür ist das Ganze knackebunt in Szene gesetzt, mit leichten Schwächen bei den Trickaufnahmen ohne Stop-Motion (z.B. bei den Unterwasserszenen) und Rückprojektionen (beim Ballonflug). Trotzdem kann man mit dem unbeschwerten Abenteuerspaß ein paar schöne Stunden verbringen, denn der naive Charme der 60er-Produkte kann kein moderner Multi-Millionen-TV-Mehrteiler wiederholen.
Für Junggebliebene ein schönes Sonntagsvergnügen. (6,5/10)

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