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Liebe Amerikaner – ich weiß ja, dass man euch immer für intellektuell etwas grobschlächtig hält und das gar nicht mal immer stimmt, aber was euer Spezi David Arquette, seines Zeichens gestandener Schauspieler hier zusammengebraut hat, vermutlich in dem Irrglauben, es handele sich um eine Satire, ist ein Schuß in den Ofen.

Im Filmgeschäft ist nun mal manches leicht und manches schwer.
Einen Slasher zu drehen ist leicht, einen guten Slasher dagegen recht schwer, weil die Formel schon so abgenutzt ist.
Das gilt auch für einen Backwoodslasher.
Politsatire ist ganz was Schweres und Trash…ja, Trash ist das Allerschwerste, denn Trash wird aus Not und Unvermögen geboren und kann nicht bewusst produziert werden – es gelingt, indem es nicht gelingt.
Arquette gelingt sein Film passenderweise auch nicht, aber er gebärt keinen Trash, sondern einfach nur einen unausgegorenen Film.

Wo anfangen?
Am besten, indem man einfach konstatiert, dass das in erster Linie ein Slasherfilm ist. Der Prolog legts schon nahe, wenn sich ein vom Schicksal gebeutelter Holzfäller in den seligen 60ern von einigen Naturschützern so gepiesackt fühlt, dass ihm die Handgelenke vernickelt werden, worauf sein ca. zehnjähriger Sohne mal eben zur Kettensäge greift.
Vierzig Jahre später oder so kann man also mit der Rückkehr des kleinen Sackgesichts rechnen und im Redwoodwald wimmelt alles, nur nicht Rotkäppchen.

Ein Love-and-Peace-Musikfestival ist nämlich angesagt in einer finanziell angeschlagenen Kleinstadt und deswegen reist unser halbes Dutzend Deppen im Studentenalter auch in die Einöde. Die Jungmägdelein und Burschen haben sich nämlich als Hippies verkleidet, doch ihr Ansinnen ist wesentlich profaner: möglichst viele Drogen in möglichst kurzer Zeit.
Alles nur Fassade also – und weil hier alles nur Fassade ist, soll dies wohl der satirische Ansatz sein.

Der Bürgermeister ist auf die Kohle aus, der Organisator ist sogar ein noch zynischerer Geldschneider, die jungen Leute wollen nur Drogen und danach vögeln (oder umgekehrt), die Natur ist allen scheißegal und deswegen schleichen neben nackten Kiffern auch murmelnde Eremiten und saublöde Rednecks durchs Gehölz.
Und…natürlich der Killer himself, der aus nicht näher dargelegten Gründen ein Freund von Ronald Reagan ist und dessen Maske über dem Gesicht trägt. Reagan war nun natürlich reaktionär und eine Marionette seiner Hintermänner und schon ein bisschen senil, aber warum man ausgerechnet auf dem toten Cowboy rumhacken muß, obwohl der mit den Hippies nicht mal am Rande soviel zu tun hatte, bleibt offen.
Vielleicht war auch einfach nur seine Maske verfügbar oder man hatte ihn noch nicht – wer weiß?

Es wird also in der Folge entweder gefickt, eingeworfen oder gemeuchelt, während Thomas Jane in der Redneck-Sheriff-Rolle bemüht ist, etwas ironische Distanz ins Geschehen zu bringen (was ihm auch fast gelingt).
Der Killer hat tief in die Werkzeugkiste gegriffen und damit lässt sich prima killen, wenn auch allzu abartige Details außen vor bleiben. Leider zappeln zwischendurch immer wieder die Nebendarsteller durchs Bild und wollen lustig wirken, nur sind sie dafür längst nicht grell genug.
Welch Geistes Kind die Satire hier sein soll, zeigt letztendlich das Schicksal des Veranstalters, der sich tatsächlich im Kotstauraum eines Dixieklos versteckt…das Ergebnis war schon bei „Eis am Stiel, Teil 5“ kein Knaller mehr….

Noch schlimmer als die witzigen Einlagen sind allerdings die Sequenzen, in denen die Drogentrips visualisiert wurden. Da war ja Peter Fonda anno 1967 besser drauf, hier wurde ein wenig mit Lichteffekten und Scheinwerfern hinter den Darstellern gespielt und anschließend wälzt sich alles halbnackt ums Lagerfeuer.

Dieses überwältigende Gefühl von „gewollt und nicht gekonnt“ überspannt den ganzen Film, der sicher nicht überwältigend schmerzhaft ist, aber irgendwann den Zuschauer entnervt und langweilt. Hey, seht her – wir sind ja so politisch unkorrekt, schreit dann am Ende (das natürlich die Wiederauferstehung des toten Killers feiert) der Blurb von politischen Karikaturen und am Ende gabs dann doch noch ein Statement von Arquette, das einfach als Funfilm zu sehen.

Lieber Mr.Arquette, wenn wir einen Funsplatter sehen wollen, dann gibt es da talentiertere Leute, die zumindest wissen, wo das Maß der Dinge angesiedelt ist.
Dieses überproduzierte Gebilde hier findet sicher einige Fans – aber deswegen noch lange keine Klasse. Auf jedem Gebiet. (3/10)

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