Irgendwo aus der Twilight Zone von Romy Schneiders Karriere, zwischen dem Sissi-Popularitäts-Martyrium und ihrer schauspielerischen „Befreiung“ durch Alain Delon entstammt auch dieser Majestäts-Zwitter namens „Katja“, der sowohl bemüht ist, die Ewige-Liebe-Fraktion zu befriedigen wie auch eine klassische, historisch verbürgte Liebesgeschichte mit schauspielerisch dramatischer Leistung zu unterfüttern.
Das klappt nur bedingt in dieser französischen Produktion (die allerdings wie eine deutsche dreinschaut), die es ums Verrecken nicht schafft, irgendwo zwischen den bunten und überladenen Prunkkostümen noch ein authentisches Russland unterzubringen.
Das fängt schon bei der Wahl des Hauptdarstellers an, denn während die Schneider eine aufmüpfige Prinzessin praktisch aus der Kniekehle spielen kann, wirkt Curt Jürgens als Zar Alexander ungefähr so russisch wie Captain Blaubär einem Amazonas-Indio ähnelt.
Ansonsten herrscht die reine Pracht des Durch-die-Gemächer-Eilens, aber immerhin bringt man historisch verbürgte Dinge wie die Aufhebung der Leibeigenschaft und der Versuch, eine Verfassung zu verabschieden unter.
Problematische ist da schon die putschistische Gegenseite, denn wenn die Protagonisten nicht gerade Liebesschwüre austauschen oder d ie Minister dem progressiven Zaren aus Eigennutz die Unterstützung aufkündigen (natürlich nur im Geheimen), werden hier andauernd irgendwelche Attentate mit Bomben verübt (historisch verbürgt).
Ausgedacht hat sich diese radikale „Freiheitsfront“ ein putziges, bunt zusammen gewürfeltes Grüppchen aus Bürgern, Intellektuellen und enorm opferbereiten Sprengsatzträgern, die zwar enormen Radikalkäse der Sorte „Hauptsache, wir können erst mal alles kaputt machen – alles weitere sehen wir dann!“ verzapfen, aber von der ultrarechten bzw. linken Wirklichkeit heutzutage gar nicht mal so weit entfernt sind.
Wenn sich dann allerdings der Zarewitsch ständig zum flotten Pendelverkehr zu und auf Fräulein Schneider bringen lässt und dabei stets die Stadt durchquert, darf das wohl niemanden wundern – genauso wenig, wie wenn man (zumindest im Film) auch nach einem halben Dutzend Schieß- und Sprengattentaten immer noch in einem offenen Wagen durch die Stadt kutschiert.
Wen der Ausgang interessiert, der greife zur Wikipedia, ansonsten hat der Film maximal gegenüber den Sissi-Filmen so etwas wie Substanz zu bieten und das heißt wenig, denn die hatten nur mal überhaupt keine.
Es gibt aber deutlich schlimmere Filme aus den 50ern mit der Romy, die alsbald dann endlich ihr Talent und bessere Rollen für sich entdeckte. (5/10)