In regelmäßigen Abständen steht eine zerrüttete Familie im Vordergrund amerikanischer Groß – und Kleinproduktionen. In den meisten Fällen nähert man sich dabei entweder auf komödiantische Weise oder schlägt die Dramen-Richtung ein, wenn eine gelungene Mischung vorliegt, kommt so etwas wie „American Beauty“ heraus.
Stehen hingegen Horror-Elemente im Vordergrund, denkt man sogleich an die Degenerierten aus dem Kettensägenmassaker, die mindestens ein Dutzend Leichen im Schuppen hatten und auch bei den Hamiltons wird rasch klar, dass hier erhöhte Gewaltbereitschaft vorherrscht.
Allzu verstörend ist dieses Werk allerdings nicht ausgefallen, denn abgesehen von mangelnden Gewaltdarstellungen, lädt hier aber auch rein gar nichts zum Mitfiebern ein.
Früh sind die Eltern verstorben und es erfolgt bereits der sechste Umzug in zwei Jahren, die Brüder Francis, David und Wendell, sowie Gothic-Schwester Darlene halten es nie lange an einem Ort aus. Just befinden sich zwei Entführte in ihrer Gewalt, denen eine Verfütterung an ein ominöses Wesen hinter einem Verschlag droht, doch der pubertierende Francis stellt das Vorgehen seiner Brüder so langsam in Frage…
Mit den überwiegend vorherrschenden Dramen-Anteilen wird dem Horrorfan kein Gefallen getan. Die Erzählweise aus Sicht von Francis, der seine Familie mit Digicam dokumentiert und aus dem Off Gedanken verlauten lässt, erlaubt kaum einen tieferen Einblick in seine Psyche, von der seiner Geschwister ganz zu schweigen.
Dabei besteht zu Beginn noch reges Interesse am Geschehen, als Wendell mit zwei hübschen Frauen unterwegs ist, diese niederschlägt, auf dass sie sich kurz darauf angekettet im Schuppen der Kranken wieder finden.
Doch ganz entgegen aller Erwartungen bleiben Folterszenen und explizites Blutvergießen völlig aus, - eine blutverschmierte Leiche in einer Wanne bietet bereits das „Deftigste“.
Die eher unkonventionelle Form, einem Familienrätsel auf die Spur zu kommen, ist zweifelsohne ein löblicher Gedanke, doch bei alledem vergaßen die Macher völlig, dem Treiben auch nur ansatzweise ein wenig Drive zu verleihen. Darüber hinaus mangelt es an Atmosphäre, von guten darstellerischen Leistungen ist man größtenteils weit entfernt und am Ende kann selbst der erahnbare Plot Twist nichts mehr ausbügeln.
So wird der Sozialarbeiter zum Abendessen eingeladen und man erwartet eine Konfrontation auf irgendeine Art, - doch der Typ geht einfach wieder, ohne auch nur etwas vom kranken Hintergrund der Hamiltons zu ahnen. Selbst die Freundin der Zwillinge scheint inzestuöse Veranlagungen einfach hinzunehmen und übernachtet, trotz mehr als dubioser Anwandlungen im Haus, was ihr auf Dauer natürlich nicht gut bekommen wird.
Nur selten schwenkt das Geschehen zu den Entführten, denen sich Francis vorsichtig nähert, ohne ihnen eine wirkliche Hilfe aus der Situation bieten zu können/zu wollen.
Eine Begründung für das sonderbare Verhalten der Familie wird indes nicht geliefert, mit verschwindend geringer Anteilnahme nimmt man das zähe Treiben schlicht in Kauf, woraufhin der Verlauf in totale Belanglosigkeit abrutscht.
Auf handwerklicher Ebene gibt es noch nicht einmal allzu viel zu bemängeln, manche Bildkompositionen und Überblendungen lassen gar inszenatorisches Geschick aufblitzen, doch dieses Potential verschwindet im Nichts, weil man sich von einer inhaltlichen Ereignislosigkeit zur nächsten schleppt.
So hätte die Angelegenheit um Familienerhalt und dem Geheimnis hinter dem Wesen im Verschlag kaum uninteressanter präsentiert werden können, einzig, schreiende Opfer als fickende Katzen auszugeben, kann für einen Moment erheitern, der Rest langweilt nur.
3 von 10