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"Gebt den Kindern das Kommando" sang Herbert Grönemeyer vor langer Zeit mal in einem seiner Hits, welches Regisseur J.S. Cardone zwar sicher nie gehört hat, aber irgendwo, sei es durch Gedankenübertragung, doch der selben Meinung ist wie unser Herby. Denn in seinem kleinen Horrorfilm "Wicked Little Things", der hierzulande unter seinem ursprünglichen Titel "Zombies" erschienen ist, gibt er gleich einer ganzen Schaar von untoten Kiddies ein Kommando, wenn auch vielleicht nicht das, was der Sänger in seinem Songtext meinte. Cardone gibt den Kids nämlich hier den Befehl zum Fressen und zwar zum Menschenfressen. Herausgekommen ist dabei ein recht blutiges und auch hübsch atmosphärisches Treiben, das aber leider alles in allem recht langatmig geworden ist.

"Wicked Little Things" erzählt die Geschichte von Karen Tuny, die, zusammen mit ihren beiden Töchtern, in ein Haus zieht, welches ihnen ihr verstorbener Mann vererbt hat. Was sie allerdings nicht weiß, in der Nähe des Hauses sind vor 100 Jahren, bei einem Berkwerksunglück, Kinder, welche zu harter Arbeit gezwungen worden, verschüttet worden. Und diese Kinder haben es jetzt auf Rache abgesehen und Karen muss mit ihren Kindern um ihr Leben fürchten. In Sachen Story, dass muss man den Machern lassen, gibt es dieses mal also nicht ganz so ausgenuddeltes Zeug, wie in den sonstigen Zombie-FIlmen von heute. Auch wenn es kindliche Zombies schon früher gegeben hat, so ist es alles in allem doch eher eine Seltenheit, dass gerade kindliche Fleischfresser zur Gefahr werden, bzw. die alleinigen Horrorgestalten eines Films sind. Das dabei natürlich dennoch nicht allzu viel Wert auf Logik gelegt wird überrascht nicht, aber immerhin ist für ein wenig Abwechslung im Genre-Einerlei gesorgt.

Ansonsten geht es aber soweit recht konventionell zu, was aber nicht unbedingt heißen soll, dass hier alles schlecht ist. Nein, denn in punkto Atmosphäre und Gore kann man den Machern durchaus Lob zollen. Vor allem die Atmosphäre hat es teilweise in sich. Die dunklen Wäldern, in denen die kleinen blutgierigen Gören hausen, sind doch erschreckend dunkel ausgefallen und können überzeugen. Die Ausstattung, vor allem auch das kleine Häuschen mitten im Wald, hat durchaus das Zeug dazu, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Dazu gibt es Nebelschwaden noch und nöcher, die durch eine exzellent geführte Ausleuchtung wirklich für Schrecken sorgen können. Und wenn dann der bedrohliche Soundtrack erklingt, könnten Genre-Anfänger schon mal ihr Höschen nässen. Von technischer Seite her ist für Atmosphäre jedenfalls gesorgt.

Und auch in Sachen Gore haben die Macher so einiges drauf. Auch wenn alles etwas, der Atmosphäre wegen, abgedunkelt wurde, so ist das was man zusehen bekommt doch recht ordentlich. Die Kiddies nehmen jedenfalls kein Blatt vor den Mund und töten ihre Opfer mit Spaten, Baseballschlägern oder was ihnen sonst so zwischen die kleinen Finger kommt. Dabei wird ordentlich roter Lebenssaft zu Tage gefördert und ein paar ordentliche Fressszenen wurden auch nicht vergessen. Zwar ist der Film dabei trotzdem keine ausufernde Schlachtplatte, denn die Macher beteuern, auch im Making-Of, dass es ihnen hauptsächlich um atmosphärische Spannung ging, doch ein Zombiefilm ganz ohne Blut und Fressereien ist nun mal kein Zombiefilm.

Schade nur, dass einem der Streifen, trotz einer Laufzeit von normalen 90 Minuten, irgendwie zu lang vorkommt. Denn auch wenn die Atmosphäre soweit stimmt, so braucht das Treiben wieder einmal viel zu lange, um wirklich in die Pötte zu kommen. Z. Bsp. versucht auch Cardone bei seinem Zombiestreifen den Hauptcharakteren so etwas wie Tiefe zu verleihen, was zwar löblich ist, hier aber vollends daneben geht, da das Dreiergespann jedes Klischee auch nur im Ansatz erfüllt. Oder auch die viel zu zahme Herangehensweise an das Geschehen, das manchmal derart ruhig ausgefallen ist, das einem schon die Augenlider zuklappen. Zwar hat das Stille sicher den Vorteil ordentlich erschreckt zu werden, wenn der nächste Shockeffekt an der Reihe ist, doch Genreprofis riechen den nächsten Erschrecker meist schon meilenweit voraus. Schade!

Die Darsteller können dagegen wieder einiges rausreisen. Lori Heuring stellt ihre Mutterrolle mehr als passabel zur Geltung, genauso wie es die beiden jüngeren Damen schaffen, ihre Parts glaubhaft auf den Zuschauer herüber zu bringen. Des weiteren gibt es auch einige bekannte Gesichter wie Geoffrey Lewis oder Ben Cross zu erblicken, die ebenfalls überzeugen. Aber vor allem die Schaar der Zombiekinder macht Laune. Auch wenn sie hier nicht mehr als Statisten sind, so haben sie doch sichtlich Freude an dem blutigen Treiben. Gut so!

Fazit: Atmosphärisches und recht blutiges DtV-Filmchen, dass als kleiner Horrorsnack für zwischendurch hervorragend funktioniert. Die Story ist zwar nicht wirklich innovativ aber durchaus als Abwechslung zum üblichen Genre-Mischmasch zu betrachten, die Atmosphäre ist knackig und die Bluteffekte ordentlich spritzig, so dass man eigentlich rundum zufrieden sein könnte, wenn der ganze Spaß nur etwas eher in die Puschen gekommen wäre und auch einige Durchhänger hier und da vermieden worden wären. Wer aber mal wieder auf ein kleines Zombiefilmchen für zwischendurch Appetit hat und dabei keine allzu großen Sprünge erwartet, der dürfte hiermit ganz zufriedenstellend gesättigt werden.

Wertung: 6,5/10 Punkte

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