Sollte man, wie der Autor selbst, vor Sichtung von „Deja Vu“ bis zum kollektiven Erbrechen mit dem irreführenden Trailer zum Film gepestet worden sein, der dem Zuschauer vorgaukelt, hier an einer Art „Täglich grüßt das Murmeltier“ für Terrorbekämpfung teilhaben: der komplette Film ist ganz anders als erwartet, aber das ist auch schon die ganz große positive Neuigkeit – der Rest ist zwiespältig ausgefallen.
Ausgangspunkt der Handlung ist ein Sprengstoffanschlag auf eine vollbesetzte Fähre in New Orleans bei dem über 500 Menschen ums Leben kommen. Und als der ermittelnde Fahnder vom ATF-Büro über eine weibliche Leiche stolpert, die vor dem Anschlag ins Wasser geworfen wurde, ist der Fall bald klar.
Bis eine Sondereinheit des FBI ihn mit den Feinheiten der Zeitreise bekannt macht.
Jerry Bruckheimer-Produktionen sind generell seicht und scheren sich gewöhnlich einen Dreck um Machbarkeit und Realitätsnähe. Der Held rettet die Welt und richtet dabei möglichst viel Schaden an – das wird dann druckvoll und temporeich in Szene gesetzt und fertig ist die Laube.
Daß man sich gern das Deckmäntelchen des Patriotismus umhängt, ist bei aller Offensichtlichkeit fast geschenkt, hier hat man sich als Rahmen das von Hurricane „Katrina“ gebeutelte New Orleans als Kulisse für ein paar Appelle des Durchhaltewillens ausgeguckt und etwas 11.September drüber gestreut.
Reine Filmkonsumenten wird’s kaum stören, engagierte Kritiker werden nölen, das sei aufgesetzt, recht haben sie beide.
Viel öfter liest man dagegen von Zeitparadoxen und Abstrusitäten im Umgang mit der Story, die sich aber hinterher als regelrecht zahm entpuppen, wenn man bedenkt, welches Chaos die „Zurück in die Zukunft“-Reihe da angerichtet hat.
Schön übersichtlich werden da noch einmal die in anderen Filmen bereits breitgetretenen Theorien zu Zeitreise und Gefahren erläutert, damit auch jeder verstehen kann, worum es geht – kompliziert genug ist der Rest schon, bei dem das FBI jeden Menschen viereinhalb Tage in der Vergangenheit in Realzeit beobachten kann, um nachträglich Erkenntnisse über die Täter zu finden.
Willkommen beim Deus-Ex-Machina-Effekt, es fehlt bloß noch der Satz „Gottseidank haben wir da diese Maschine entdeckt…“ und wir haben das Behelfsdrehbuch schon zusammen.
Also eigentlich frisch gebügelter Quark mit reichlich logischen Tretminen, die Vorstellung jedoch, dass Denzel Washington mit einem Laserpointer vier Tage durch die Zeit zurück seine Holde anblinkt, beseitigt die letzte Gutwilligkeit total.
Es bedarf also totaler Hingabe bezüglich eines Drehbuchs, das die Amis wohl „wacky“ nennen würden, ein absurder Quark, aber schön sorgfältig und zügig erzählt.
Washington hat dabei nicht viel zu tun. Wie schon in vielen Filmen stapft er durch den Film, lässt die weißen Vorgesetzten anderer Institutionen mit einer fröhlichen „Who-ho-ho“-Attitüde blöd aussehen und ist meistens er selbst. Aber genau das macht ihn so sympathisch und unangreifbar, diese non-agierende Darstellung ist sozusagen Keflar-beschichtet und unzerstörbar.
Dennoch hilft es wenig, wenn etwa das Phänomen „Deja Vu“ im ganzen Film gar nicht angesprochen wird; Washington in einer völlig überzogenen Sequenz ungefähr 100 Leute fast zu Tode fährt, weil er ja unbedingt gleichzeitig in voller Fahrt lenken und sich das Geschehen in der Vergangenheit anschauen muß (anstatt auf Anweisungen zu hören) oder uns lang und schmutzig erklärt wird, das es unmöglich ist etwas durch die Zeit zu schicken und ein Blatt Papier später den halben Staat elektrisch still legt – in höchster Not und aus persönlichen Motiven aber am Ende ein ganzer Mensch temporär versetzt wird, ohne das wir stromtechnisch in die Steinzeit versetzt werden – und der das auch noch überlebt.
Wem das alles also egal ist, der muß dann nur noch akzeptieren, dass der ermittelnde Beamte in höchster Zeitnot bezüglich des Attentäters später ein ausgedehntes Päuschen bei seinem Schmuseschatz macht, das man dabei selbst nervös auf die Uhr blickt. So etwas kann nur Washington, was hätte wohl Bruce Willis getan?
Also hirnerweichende Konfektionsware von einem Tony Scott, der seine epileptischen Bildideen diesmal halbwegs im Zaum hält und dabei zurecht hofft, es gäbe genügend Popcornnascher, die sich diesen gebügelten Quark diskussionsarm reinpfeifen, weil das Restangebot noch niveauärmer scheint.
Also: anschauen, um Gottes Willen nicht weiter drüber nachdenken und danach entspannt wieder vergessen (geht von selbst) – andernfalls drohen Mangelerscheinungen bzw. erscheinen Mängel!
Wegen der routinierten Goutierbarkeit ist das alles natürlich nicht unbedingt schlecht zu nennen, aber ein bisschen pfiffiger und aufregender hätte es schon noch ausfallen müssen, um dauerhaft akzeptabel zu erscheinen.
Ein Film, der schwächer wirkt, je länger er her ist. (5,5/10)