Filme von Zeitreisen sind über hundert Jahre Filmgeschichte hindurch vor allem eines: unlogisch. Von Ausnahmen wie der Zurück in die Zukunft-Trilogie, den ersten beiden Terminator-Filmen und Twelve Monkeys einmal abgesehen, sind Kinoreisen durch die vierte Dimension im allgemeinen vollgestopft mit unschlüssigen Parallelwelten und Paradoxa. Und Tony Scotts (True Romance) neuster Streich Deja Vu bildet da keine Ausnahme. Wer das diesem Film aber zu sehr ankreidet, macht einen Fehler. Denn realistisch will er auch nicht sein. Er will einfach eine spannende Geschichte um eine mögliche Liebe sowie einen Terroranschlag erzählen. Unterhaltung steht hier im Vordergrund. Und wer sich darauf einlässt, bekommt den vielleicht besten Tony Scott-Streifen des bisherigen Jahrzehnts geboten. Zugegeben, was die Action angeht, so kann er mit Mann unter Feuer nicht gleichziehen, während Spy Game und Domino mehr oder weniger cineastische Schlaftabletten waren, bei denen nichtmal die Handlung so richtig überzeugen wollte. Und das tut Deja Vu abseits der Zeitreiselogik auf jeden Fall.
Der FBI-Agent Pryzwarra (Val Kilmer) lädt ATF-Agent Doug Carlin (Denzel Washington) zur Zusammenarbeit ein, um einen Terroristen dingfest zu machen. Das FBI besitzt eine Technologie, um in die Vergangenheit zu schauen, und er hat die Erfahrung, um diese Daten auszuwerten. Dummerweise ist die Bombe schon explodiert und Hunderte von Fährenpassagieren sind gestorben. In der Umgebung der Explosion wird dann die Leiche einer schönen Frau namens Claire Kuchever (Paula Patton) gefunden. Es gibt Beweise dafür, dass sie vor der Explosion getötet wurde. Nachdem das FBI ihm ermöglicht, Claire vor ihrem Tod zu beobachten, findet Carlin heraus, was für eine Art Mensch sie war und verliebt sich schließlich in sie. Er gelangt zu der Überzeugung, dass der einzige Weg, den Fall zu lösen und ihre Unschuld zu beweisen, darin besteht, in die Vergangenheit zu reisen. Aber Pryczwarras Techniker Denny (Adam Goldberg) merkt an: "Man kann nicht in der Zeit zurückreisen. Das ist physikalisch unmöglich." Zumindest behauptet er das...
Zu Höchstformen läuft Denzel Washington (Training Day) hier nicht auf, was er auch nicht braucht. Er spielt routiniert den Mann vom Fach, der in ein aberwitziges Szenario katapultiert wird. Glaubhaft verkörpert er seinen Part allemal. Auch Val Kilmer (Spartan), der sich momentan wieder lukrativere Rollen aussuchen kann, macht hier einen ordentlichen Job und beweißt, dass FBI-Agenten nicht unbedingt wie irgendwelche Sunnyboys aus'm Fitnessstudio aussehen müssen. James Caviezel (Highwaymen) markiert hier nach High Crimes abermals den Fiesling, was er trotz geringer Screentime gut macht. Als Charakter, der Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist, liefert auch Paula Patton (Hitch), ein noch unverbrauchtes Gesicht, eine zufriedenstellende Leistung ab. In den Nebenrollen agieren zudem Adam Goldberg (Zodiac) und Bruce Greenwood (I, Robot), die sich an die solide Leistung des Maincast problemlos dran hängen.
Was uns Tony Scott hier auftischt, ist in erster Linie ein Action-Thriller mit SciFi-Touch, wobei hier mehr der Thriller als die Action im Mittelpunkt steht. Was aber an Action vorhanden ist, wird hier zwar FSK 12-gerecht, aber von Tony Scott gewohnt gekonnt in Szene gesetzt. So darf der kleine Pyromane im Cineasten sich gleich am Anfang einer eindrucksvoll inszenierten Explosion erfreuen, wo gleich mehrer Passagiere über den Jordan gehen. Ansonsten kann man noch eine indirekte Verfolgungsjagd bewundern, die aber mehr danach ausschaut, als würde Denzel sich um eine Stelle als Crashtest-Dummie bewerben. Steht er dem Schurken dann gegebenüber, liefern sich beide ein kurzes Feuergefecht mit anschließendem Feuerzauber. Im Finale wird besagtem Schurken dann in einem Last Boy Scout-Selbstzitat kurzen Prozeß gemacht. Und das Ganze stehts garniert mit der richtigen Optik.
Und hier hält sich Scott glücklicherweise im Gegensatz zum Bilderrausch Domino zurück, wenngleich sein Stil unverkennbar bleibt. Die Handlung mag nun das Rad nicht neu erfinden, aber Scott ist noch erfahren genug, sie einigermaßen spannend über die Bühne zu ziehen, womit kaum Langeweile aufkommt. Und das ist dann auch einer der großen Pluspunkte des Films, zumal Denzel mehr Zeit in der Gegenwart als in der Vergangenheit verbringt. Somit verkommt Deja Vu nicht zum reinen Timetravel-Hokuspokus, bei dem man nach einiger Zeit nicht mehr weiß, wo Heute und Damals ist. In die Zeit gereist, wenn auch hier nicht wirklich logisch, wird nämlich nur einmal. Und das vom Hurricane Kartina gebeutelte New Orleans gibt dafür auch eine prima Kulisse ab und wird im Abspann nochmal extra erwähnt, wenn auch nicht unbedingt nötig. Obwohl es sich hier um eine Bruckheimer-Produktion handelt, wird sich mit Patriotismus und Pathos dankenswerterweise zurück gehalten.
Zu den Meisterwerken Tony Scotts wird Deja Vu zwar nie werden, dafür bekommt man hier aber unterhaltsame Thriller-Ware angeboten. Luzifermäßig wie in True Romance und Last Boy Scout geht es hier immer noch nicht ab, doch mir hat es gefallen!