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Wacken - ein kleines Dorf in Schleswig-Holstein. Ein kleiner Ort mit vielen älteren Menschen, die es gerne ruhig und gemütlich mögen und wo die Landwirtschaft noch eine ebenso große Rolle spielt wie vor über hundert Jahren. Doch dieses beschauliche Idyll wird einmal im Jahr für ein paar Tage jäh unterbrochen: Genau dann, wenn mit dem „Wacken Open Air" und dessen sinistren Besuchern in dunkler Kleidung eines der größten Heavy Metal-Festivals der Welt stattfindet - mit schätzungsweise 40 000 Besuchern an wenigen Tagen.

Ja, die aus Südkorea stammende Regisseurin Sung-Hyung Cho untertitelte ihre lakonische-trockenhumorige Dokumentation über den Zusammenprall zweier (scheinbar) unvereinbarer Welten mit „Ein Heimatfilm" und macht damit klar, wo hier ihre Präferenzen liegen, wo sie den Schwerpunkt gesetzt hat. Denn entgegen des verheißungsvollen Titels „Full Metal Village" porträtiert sie mehr als Dreiviertel des Films die Einheimischen mit all ihren Eigenarten und ihren Einstellungen zu dem Ausnahmezustand, der Jahr für Jahr über sie hereinbricht. Ein Konzertmitschnitt sieht wahrlich anders aus. Dass die Doku dabei zuweilen zu unreflektiert daherkommt (die Metal-Fans sind nur eine konforme Masse, ohne dass einige Personen herausgehoben würden) und hoch subjektiv ist (die Meinungen bleiben unkritisiert stehen), verzeiht man gern, wenn man bedenkt, dass „Full Metal Village" vor allem eines sein will: Ein sympathisches Feel-Good-Movie, dass die Grenzen zu einer reinen Dokumentation durch seinen situationskomischen Humor und die skurrilen Personen aufweicht. Nebenbei erhält man noch Einblick in die Gepflogenheiten des bäuerlichen Lebens und Wissenswertes über Milchkontrolle und Fleischpreise. Somit gibt es neben dem Absurditäten-Kabinett auch noch etwas (wirklichen) Anspruch.

Fazit: Heiteres Porträt von gesitteten Dorfbewohnern meets anarchisches Metal-Konzert. Auch wenn einige Schwermetaller bei „Full Metal Village" aufgrund der Fokusverlagerung von der Musik weg hin zum Dorfalltag die Nase rümpfen dürften: Sung-Hyung Cho ist ein süffisantes Kaleidoskop von Befindlichkeiten gelungen.   

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