Kein Film über das W.O.A, sondern über Wacken.
Die Regisseurin Sung-Hyung Cho (o. s. ä.) interviewt Einwohner des Schleswig-Holsteinischen Dorfes Wacken, was Veranstaltungsort des Wacken Open Air (W.O.A.) Festivals ist, des laut Eigenwerbung größten reinen Metalfestivals.
Mehr ist zur Handlung eigentlich nicht zu sagen.
Selbst untertitelt als „Heimatfilm“, ist es vornehmlich auch einer.
Während nämlich die skurrilen und die Alltagsgeschichten einiger exponierter Einwohner vor und während des Festivals gezeigt werden, bleiben für das reine Festival nur knapp 10 Minuten am Ende des Films übrig.
Gerade deswegen ist aber der gebürtigen Südkoreanerin eine amüsante und aufschlussreiche Dorf- und Charakterstudie gelungen.
Ihre Herkunft hilft ihr dabei, die Zungen der Interviewpartner zu lockern, weil sie ja selbst zum Beispiel den Unterschied bei den einzelnen Entwicklungsstufen eines Rindes nicht zu kennen scheint.
Selbst wenn der Angesprochene bereits nichts mehr zu sagen scheint, behält sie scheinbar penetrant die Kamera auf ihn gerichtet.
Dadurch erreicht sie die besten Aussagen im Film.
Man mag gar nicht vorher glauben, was die älteren Männer für Schelme sind.
Wer die Landwirtschaft halbwegs kennt, wird auch über die eine oder andere Anekdote mehr als nur schmunzeln.
Trotzdem zeigt der Film die Einwohner nicht nur als liebenswerte oder kauzige Ausgeburten der Gastfreundschaft.
Fremdenfeindlichkeit, Neid, Selbstüberschätzung, Dummheit, Bigotterie und Ähnliches erinnern daran, dass Wacken eben eher ein kleines Dorf im Hinterwald ist als ein Zentrum kosmopolitischer Lockerheit.
Weil die Festivalgäste hauptsächlich als Krawall liebende Störenfriede dargestellt werden, hinterlässt der Film einen leichten Beigeschmack des Tendenziösen.
Wenn man Dokumentationen über Leute mag, gerne dabei zusieht, wie immer mehr Nuancen des Charakters zum Vorschein kommen, bis das Gesamtbild entsteht, wenn man schon immer etwas über die Landwirtschaft aus erster Hand wissen wollte, ist „Full Metal Village“ der richtige Film.
Wer Ausgewogenheit mag, muss Abstriche machen.
Nichtsdestotrotz finde ich die Gesprächstechnik der Regisseurin gut.