Review

Au weia!
Fußballergeschichten ins Kino zu bringen, ist ja an sich schon eine schwere Geburt. Derartige Erfolgsstories sind meistens typischer Kolportagestoff, den man schon mit Verve und Frische oder mit der verfremdeten Abgeklärtheit des uns Europäern eher fremden US-Pathos präsentieren muß.

Hier haben wir die Fortsetzung zu „Goal“, dem mittleren Part einer geplanten Trilogie rund um den Aufstieg eines jungen Fußballers zu höchsten Ballsportehren.
Was hätte das für eine knackige Siegerstory werden können, natürlich mit allen bekannten Sportfilmzutaten und der üblichen Vorhersagbarkeit.
Was sich hier für die Fortsetzung jedoch zusammen produziert wurde, spottet eher jeder Beschreibung.

Aus dem Reißbrettstoff für den Baukasten, ist ein vollends überfrachteter, billiger Drei-Groschen-Stoff geworden, der so viele Klischees platt und humorarm von sich schleudert, das man aus dem Ducken gar nicht mehr raus kommt. Eine hohle Klischeeansammlung abgeschmacktester Bauart mit Dialogen des Grauens.

Offenbar ist es das erklärte Ziel, die fiktiven Fußballer Munez plus Kollegen Gavin Harris in eine der unsrigen nahe Realität einzubetten und somit die Stars des europäischen Fußballs wie Zidane, Beckham, Lehmann und als Zaungäste und Mitspieler präsentieren zu können. Realistische Schauwerte sollen das sein, Blickfänger, doch gleichzeitig macht es die Plattheit des Gezeigten durch die verschleierte Fiktivität nur um so auffälliger.

Dabei sind Munez und Harris passable Fußballer, die auch hier immer ordentlich zaubern und die Anwesenheit der Stars sorgt für unterhaltsame Fußballszenen, aber was haben sich die drei Autoren bloß beim Rest gedacht.
Da erschlagen sich die eingeführten Handlungsstränge gegenseitig, so vorhersehbar sie auch sein mögen. Jedes erdenkliche Klischee wird präsentiert, als ginge es um die neueste Mode und der Film platzt fast aus allen Nähten.

Anstatt sich auf Munez und seine Freundin Roz zu konzentrieren, interessiert sich das Skript unerklärlicherweise immer wieder mehr für den Spielpartner Gavin Harris, zeigt seine Sprachschwächen, Unfähigkeit im Umgang mit Geld und deutet sogar Drogensucht an, um das Ganze als eitle Angst vor Falten ausklingen zu lassen.
Nebenbei widerfährt dem armen Santiago alles auf einmal, wofür Oliver Kahn Jahre brauchte, Joker, Tore und Triumphe, rote Karte, Verletzung, die böse Presse, eine schicke spanische Moderatorin, die ihn verführen will, Unpünktlichkeit, Streit mit der Freundin, Kummer und zu allem Überfluß gibt’s dann auch noch die andere Seite des Ruhms in Form des Auftauchens seiner verschollenen Mutter und seines jüngeren Bruders, der als diebischer Straßenjunge nicht damit zurecht kommt, das der Star nicht sofort was von ihm wissen soll.

Die meisten Inhalte sind überflüssig wie ein Kropf und werden (wohl in Hinsicht auf die ausstehende Fortsetzung) nicht mal richtig zuende erzählt.
Warum Santiago den ganzen Film braucht, um einfach mal bei seiner Mutter „Hallo!“ zu sagen, ist ebenso unerklärbar wie die vielleicht beknackteste Episode, in der es sein Bruder (ein entsetzliches Blag) irgendwie schafft, auf einem wohl bewachten Parkplatz Santiagos neuen Lamborghini zu klauen, damit durch die Stadt zu heizen und einen Pavillon wegzufräsen. Der Fußballer im Taxi hinterher, bringt den Jungen in die Ambulanz, um dann später von der Polizei verhört zu werden und einen blutgeilen Journalisten zu verprügeln.
Die ganze Sequenz ist ohne Logik und hat im weiteren Verlauf auch eigentlich keine echten Folgen, außer vielleicht Ärger im Zuschauerraum.

Natürlich steht am Ende ein großer Sieg, aber daran zweifelt bei diesem Film sowieso niemand mehr – was aber immer noch reichlich Fragen offenläßt, wie z.B. Jaume Collet-Serra, der mit „House of Wax“ einen sehr guten Horrorfilm gedreht hat, an diesen Europudding-Schrott kommen konnte. Und auch die Anwesenheit von Rutger Hauer als (niederländischer) Real-Trainer stimmt einen eher traurig.
Tatsächlich wird mit diesen Filmen dann auch mehr Geld verbrannt als gemacht, denn Fußballfans, die ins Kino pilgern, gibt es nicht allzu reichlich.

Letztere Zuschauer werden den Film sicherlich (nicht allzu zahlreich allerdings) begrüßen, der Rest wird tunlichst von einer Fortsetzung Abstand nehmen, dessen Vorläufer schon fast keiner gesehen hat.
Mag Danny Cannon auch einen passablen Trilogie-Start hingelegt haben, aber dieses stargespickte Kunstprodukt wirkt leider lediglich wie ein Best-Of-Zusammenschnitt einer mehrteiligen TV-Serie.
„Goal 3“ wird sich dann mit Sicherheit mit Weltmeisterschaftsehren beschäftigen, ein Regisseur steht noch nicht fest, was angesichts dieses recht abgeschmackten Haufen Sülzes auch schwer sein wird. Bis dahin kann man dieses Werk aber immerhin zum Beckham-Anschmachten sehr empfehlen. (2/10)

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