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Mary Gibson geht nach New York, um nach ihrer Schwester Jaqueline zu suchen, da diese verschwunden zu sein scheint. Auf ihrer Suche stößt Mary nicht nur auf manch hilfreiche Person, sondern auch auf einen Kult von Teufelsanbetern. Was auf dem Papier dramatischer klingt, als es der von Mark Robson inszenierte Film ausspielt. Okkulten Horror bietet „The Seventh Victim“ nicht, atmosphärisch ist diese Mischung aus Drama, Krimi und etwas Grusel dennoch bisweilen. 

In hübschem Schwarzweiß lässt es sich insbesondere im letzten Drittel schön mit Schatten in der nächtlichen Stadt spielen, optisch bietet das insgesamt solide abgefilmte Werk ein paar nette und darüber hinaus sogar auch mal richtig starke Bilder (Duschszene). Die Geschichte selbst ist mit ihren knapp siebzig Minuten nicht ausgewalzt und für das, was der Film letztlich erzählt, auch lang genug. Es geht hin und her auf der Suche nach der Schwester, deren Person trotz langer Abwesenheit über allem hängt. Über Mary, den Weggefährten und den Verbindungen zu der mysteriösen Gruppe.

Dabei schlingert „The Seventh Victim“ auch mal etwas mit seinen Figuren umher und wirkt nicht immer zielgerichtet. Dass sich Leute, die sich kaum kennen, ihre Liebe gestehen, dieses Element findet sich hier ebenso. Schwer nachvollziehbar, wie auch das Konzept der Teufelsanbeter, auf die Mary bei ihren Recherchen stößt. Das Ende kommt dann, obwohl es sich den Film über andeutet, etwas abrupt, bietet aber in seinen letzten zwei Minuten noch eine interessante Gegenüberstellung mit einer bis dahin im Hintergrund bleibenden Figur. Und spätestens hier denkt man sich, was da noch drin gewesen wäre. Denn „The Seventh Victim“ reißt vieles an, bietet gewisse Zutaten für einen spannenden Thriller oder eine Auseinandersetzung mit seinen Charakteren, beschränkt sich aber für mein Empfinden zu sehr auf die oberflächliche Suche. Denn der Film betreibt durch manche Nebenfiguren (Sekretärin, Leute auf der Vermisstenwache) schon Worldbuilding im Vorbeigehen und zeichnet ein grundlegendes düsteres Bild der Gesellschaft. Von der Jaqueline ein Abbild zu sein scheint.

Da hätte der Film gerne mehr in die Tiefe gehen dürfen. Gerade Jaquelines Innenleben, welches kurz thematisiert wird, wäre es wert gewesen, weiter erforscht zu werden. Das hätte dem Film neben mehr Tiefe auch einen weitaus dunkleren Grundton verpasst. Nicht, dass „The Seventh Victim“ zu fröhlich wäre, aber da wurde Potenzial liegengelassen. Innere Leere, Sinnsuche, Nihilismus, Selbstbestimmung über das eigene Lebensende. 
Hier spielt eventuell auch rein, dass der Film vor Erscheinen um mindestens vier Szenen erleichtert wurde, um seine Laufzeit tauglich für die Auswertung im Rahmen eines Double Feature zu machen. Eventuell war auch der damals herrschende Hays Code für Eingriffe verantwortlich. 

„And all my pleasures are like yesterday.“

„The Seventh Victim“ ist in seiner finalen Fassung unrund und lässt Potenzial liegen. Entfernte Szenen mögen dazu etwas beigetragen haben, insgesamt steckt in diesem Film zwischen Sinnsuche und Teufelsgruppe mehr, als man zugelassen hat. Etwas wirre Personalkonstellationen und ein Hin und Her auf der Suche nach einer Person überlagern die bis zum finsteren Ende durchaus vorhandene Atmosphäre und manch existenzielle Frage, die nur kurz angerissen wird. Dennoch ein interessantes Werk.

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