Zur Jahrhundertwende werden am gleichen Tag zwei Kinder geboren. Zum einen Alfredo, der Enkel eines Großgrundbesitzers und zum anderen Olmo, der Enkel eines einfachen Bauern. Zum dortigen Zeitpunkt finden wir noch ein Italien vor, in dem noch beinahe mittelalterliche Verhältnisse herrschen, was Gesellschaft und Wirtschaftpolitik betreffen. Eine Art Feudalismus macht den Bauern schwer zu schaffen und die gierigen Großgrundbesitzer bereichern sich, indem sie die Bauern ausbeuten. Doch in einem Fall läuft es etwas anders: Olmos und Alfredos Opas pflegen ein freundschaftliches Verhältnis und somit werden auch sie selbst dicke Freunde für viele Jahre.
Zwischen 1910 und 1920 gibt es dann eine sozialistische Revolution, ganz nach dem Vorbild der russischen Revolution, die simultan stattfindet. Wenn die Bauern nicht mehr Rechte bekommen und selbst über ihren Grund und Boden verfügen können, so streiken sie. Es tut sich nun ein witziges Bild auf: Die Großgrundbesitzer müssen selbst den Boden beackern, um ihre Existenz zu wahren.
Doch das Glück hält nicht lange und Anfang der 20er Jahre kommen Musolinis Faschisten an die Macht und die Bauern werden in diesem autoritären System unterjocht. Auch die Freundschaft von Olmo und Alfredo geht auseinander, da Olmo ein Revolutionär ist und fliehen muss und Alfredo ein Großgrundbesitzer, dem das faschistische System gerade Recht ist. Den grausamen Attila stellt er als einen seiner "Aufseher" ein. Er tötet wahllos diejenigen, die auch nur einmal die Stimme gegen den Faschismus erheben. Atlila ist die Personifikation dieses politischen Systems. Nach dem II. Weltkrieg haben die Faschisten ausgedient und Atila und seine nicht minder widerwärtige Frau werden wie Schweine durchs Dorf gejagt und schließlich brutal gelyncht. Alfredo hingegen wird nach der Rückkehr Olmos, der ihm immer noch nicht verziehen hat, kräftig an den Pranger gestellt und er darf dabei zusehen, wie sein Lebenswerk zugrunde gerichtet wird.
"1900" ist ein Zeitdokument, wie es informativer nicht sein könnte. Endlich wird mal ein historisches Thema in einem Film behandelt, über das man nicht allzu viel ließt. Die Symbolfiguren sind Olmo und Alfredo. Genauso wie sich die politische Situation in Italien ändert, so entwickelt sich auch stetig ihre Freundschaft auseinander.
Vielleicht braucht der Film diese Überlänge, damit der Zuschauer diese Entwicklung auch wirklich nachvollziehen kann. Die schauspielerischen Leistungen von Gerard Depardieu, Robert de Niro und vor allem von Donald Sutherland sind durchweg glaubwürdig. Die Idee, dass man die Nebenrollen mit Amateuren, also mit richtigen Bauern besetzt, ist zwar sehr interessant, doch sie hat so ihre Tücken. Der Film wirkt dadurch vielleicht etwas zu authentisch, wo doch ein Film immer eine Scheinwelt darstellen sollte und niemals den Spiegel der Wirklichkeit.
Das war aber auch der einzige negative Kritikpunkt, ansonsten halte ich "1900" für einen Epos, der eigentlich seinen festen Platz in der Filmgeschichte verdient hätte - hat er aber nicht. Heute ist der Film meist nur in Insiderkreisen bekannt. Sergio Leones "Es war einmal in Amerika" hat ihm dabei wohl die Show gestohlen, wobei das verständlich ist. "Es war einmal..." ist auch mehr auf Unterhaltungsbasis aufgebaut und spricht daher ein breiteres Publikum an, doch man merkt schon, dass dieser sich kräftig von seinem Vorgänger "1900" inspirieren ließ