Oh je, oh je. An Filmen wie diesem sieht man, warum Franco unter „Fach“-kreisen einen schlechten Ruf hat. Es ist kaum vorstellbar, dass man diesen Film in den 70ern ernsthaft ins Kino gebracht hat. Die Dialoge des gesamten Werkes würden ohne Probleme auf einen Bierdeckel passen und noch dazu ist das gesagte völlig inhaltsleer. Vier Dinge bleiben nach Betrachten von „Der Ruf der blonden Göttin“ im Gedächtnis:
1. Die sich ständig wiederholende, unglaublich nervende Bongo-Musik
2. Francos Extremzooms auf Augenpartien und Brustnippel
3. die unsagbar dämliche Story
4. Der einzige Lichtblick : Nanda van Bergen (Hier als Vicky Adams)
Kurz zur Story: Die frischverheiratete Ehefrau Marie besucht ihren Gatten auf Haiti. Trifft dort auf seine merkwürdige Schwester Olga, die mit dem Ehemann scheinbar ein inzestuöses Verhältnis unterhält und gerät in den Bann des Voodoo, unter dessen Einfluss sie Menschen ermordet, die ihrem Mann in die Quere kommen. Zum Schluss gibt es noch ein wahnsinnig überraschendes Ende.
Da man eigentlich nicht mehr über den Film sagen kann, werden wir uns das Werk nun in Stichworten ansehen:
3.20 Min Einführungssequenz : Es wird nur getrommelt und getanzt. Über 3(!!) Minuten
10 Min : Sinnlose Laberei
4 Min : Sexszene (Mann mit Ehefrau / Schwester im Nebenzimmer mit Flasche)
19. Filmminute : Jetzt wird es lustig: Die Ehefrau wacht plötzlich auf, sie hat nur ein durchsichtigen Morgenmantel an und Schuhe!! Nun läuft sie 3 Minuten planlos und nackt im Haus und ums Haus herum.
22. Minute : Wir sehen eine laaaange Tanzszene, alle nackt, viele Bongos. Noch dazu dürfen wir hier den ersten Spezialeffekt des Films begutachten : Ein Einheimischer schlägt einem Huhn den Kopf ab. Man sieht ganz deutlich, dass er ca. 10 cm. über das Huhn schlägt! Grandios!! Das ganze dauert sage und schreibe 5 Minuten ohne das auch nur ein Wort gesprochen würde.
27. Minute : Es wird gebadet
29. Min : Sinnloses Gequatsche
31. Min : Die Gattin findet die erste Voodoo-Puppe- Geniale Szene übrigens. Man sieht 90 Sekunden lang nur Zooms auf die Augenpartien zweier Damen völlig ohne Dialog!
33. Min : Wir sind in einer Bar, es wird getanzt
35. Min : Vooddo-Beschwörung findet statt, wir hören mal wieder Bongomusik, nur diesmal ganze 8 Minuten lang.
43. Min : Etwas Sex und ein Mord (Achtung : Die Marie in Trance wars!)
46. Min : Traumszene : Mann hat Sex mit eigener Schwester
48. Min : Dialog-Highlight : Die Dame des Hauses kommt zum Frühstück und sagt ihrem Mann, sie hätte schlecht geträumt. In ihrem Traum hätte sie einen Mann gesehen „das Gesicht sah aus, wie der Mann, den ich umgebracht habe“. Das sagt sie so einfach. Als wäre der Mord an sich nicht merkwürdig oder erschreckend, sondern das Opfer! Hammer, muss man gesehen haben!
49. Min : Laberei
51. Min : Marie findet eine weitere Voodoo-Puppe (neuer Mordbefehl?) und hat Lesbensex mit Olga. Sogar relativ eindeutig mit Zunge etc. 6 lange Minuten
57. Min : Gäste kommen zum Essen
60. Min : Wieder ein Traum; Marie liegt nackt auf dem Boden und hat wieder nur ihre Schuhe an.
61. Min : Es wird mal wieder getrommelt und getanzt- Diesmal aber nur 4 Minuten
65. Min : Etwas Sex und ein weiterer Mord (diesmal sogar ein doppelter! Dafür aber auch im Off).
69. Min : Dialog
73. Min : Huch, noch eine Puppe! Mordversuch an Olga!
76. Min : Wir bekommen die Auflösung präsentiert : Olga ist gar nicht die Schwester und der Mann hat Marie nur benutzt, weil sie eine labile Seele ist und leicht mit Voodoo gefügig gemacht werden konnte. Dialog-Highlight: „Dein Mann ist nicht der, für den Du ihn hälst, er arbeitet für IRGENDEINEN Geheimdienst (!!)“.
79. Min : Es wird noch mal gebadet und Olga verabschiedet sich aus dem Film und aus dem Leben.
80. Min. : Der Ehemann bekommt seine gerechte Strafe und …? Ja, genau. Wir hören wieder diese Bongo-Musik und sehen einige Nackedeis hingebungsvoll tanzen.
84 Min : Das wars.
Am Ende weiß man nicht, was man davon halten soll. Ist es ein Krimi, ein Horror-Thriller oder nur ein Softporno? Wenn man die Zeiten addiert, in denen nur getanzt wird, dann kommt man auf ca. 26 Minuten. Der Sex-, Bade- und Nachtrumlaufteil addiert sich zu 24 Minuten. Das heißt also 50 Minuten des Films gibt es quasi keine Dialoge. Die reine Handlung beläuft sich auf geschätzte 12 Minuten, der Rest ist mit Belanglosigkeiten voll gestopft.
An diesem Beispiel zeigt sich deutlich, dass Francos Vielfilmerei ziemlich negative Einflüsse auf einige seiner Filme gehabt hat.
Allerdings verfügt „Der Ruf der blonden Göttin“ über einige extrem lustige Momente. Diese Momente und der „Videoclip-Stil“ des Films sorgen dafür, dass man ihn in einer Herrenrunde mit viel Bier durchaus im Hintergrund laufen lassen kann.
Als reiner Spielfilm absolut nicht zu gebrauchen.
2/10
5/10 für Franco-Freunde