Nachdem sich Uwe Boll bisher hauptsächlich an der Verfilmung von Video Games mit Horror Charakter mehr oder weniger (eher weniger) erfolgreich versucht hat, betritt er mit seiner bisher teuersten Produktion auf Basis des Videospiels "Dungeon Siege" den Boden des Fantasy Films.
Wie bereits in meinem Bloodrayne Review angedeutet, gehöre ich zu einer absoluten Minorität dieses Planeten, indem ich an Bolls Filme unvoreingenommen herangehe. Und nach Gurken anderer Regisseure (Eragon, Dungeons and Dragons) bin ich sogar voller Hoffnung auf einen zumindest anständigen Film.
In diesem Zusammenhang sei mir aber noch ein kleiner Exkurs erlaubt, der sich an all die "Experten" richtet, die auf imdb.com den Film schon vor Drehbeginn die schlechteste Wertung gaben. Diese Leute disqualifizieren sich nicht nur als Filmkenner oder Kritiker im Vorfeld selbst, sie begehen ein richtiges Verbrechen. Dieser Negativhype beraubt den Film schon vor offiziellem Start jeglicher Chancen ein Blockbuster zu werden. Und liebe Leute hier schädigt ihr nicht nur Produzenten und Filmcrew sondern auch euch selbst.
Egal, zurück zum Film. Fielen die Bollschen Werke schon oft durch einen erstaunlich prominenten Cast auf, fallen einem hier beinahe die Augen aus dem Kopf. Jason Statham, Ron Perlman, Claire Forlani, Ray Liotta, Burt Reynolds, John Rhy-Davis, Leelee Sobieski u.v.m. konnte Boll für seine Fantasy Verfilmung gewinnen und stellt damit einen der prominentesten Film-Casts der letzten Zeit.
Aber oft genug war das noch keine Garantie für einen gelungene Umsetzung. Inhaltlich steht Jason Statham als Bauer mit dem orginellen Namen Farmer (soll noch einer sagen Boll besäße keinen Humor) im Mittelpunkt. Er lebt mit Frau Solana und Kind im Königreich Ehb unter der Herrschaft von König Konreid. Das man es bekanntermaßen als guter König nicht leicht hat, muss auch Konreid erfahren als die Krugs (sehen aus wie degenerierte Verwandte der Orks) und unter Führung ihres Herrn und Zauberers Gallian das Land überfallen und mit Terror überziehen. Bei einem der Überfälle werden Farmers Sohn getötet und seine Frau entführt. Der kann sich mit dieser Entwicklung nicht so richtig anfreunden und startet seine persönliche Vendetta mit der Hoffnung seine Frau noch retten zu können. Rollenspieltypisch macht er das natürlich nicht allein, sondern holt sich Verstärkung durch seinen alten Freund Norrick, seinen Schwager Bastian und den Magier Merrick. Zusammen versucht man Gallian und dem verräterischen Herzog Fallow Einhalt zu gebieten.
Kritik: In der Zeit nach der Herr der Ringe Trilogie hat es mit Sicherheit jeder Fantasy Film schwer zu überzeugen, da man automatisch den Vergleich zieht. Nichtsdestotrotz ist Boll zumindest ein solider Genrevertreter gelungen, der deutlich über Langweiler wie Eragon hinausragt. Trotzdem offenbart der Film an einigen Stellen deutliche Schwächen.
Mit einem Budget von über 60 Millionen Dollar erwartet man einen auf technischer Seite überzeugenden Film. Umso enttäuschender ist es dann wenn die Effekte den Schwachpunkt des Films überhaupt darstellen. Schlechte Animationen (fliegende Klingen), unerträgliche BlueScreen Aufnahmen (Flussübergang) und Kostüme die stark an TV-Serien oder 60-er Jahre erinnern (Krugs) stellen den Film phasenweise fast in die Trash Ecke.
Scheinbar ist der Großteil des Budgets für den Star Cast draufgegangen, was halt bei der technischen Umsetzung fehlte. Boll hat dies scheinbar erkannt und arbeitet nur spärlich mit Effekten. Stattdessen setzt er mehr auf die Wirkung seiner Schauspieler und gibt ihnen eine Menge Dialogzeilen. Leider nimmt genau das dem Film viel Tempo und macht ihn streckenweise unfreiwillig komisch (auf dem Sterbebett dauerphilosophierender König Konreid).
Trotzdem reicht das Charisma des Leading Cast um den Film zum großen Teil zu tragen. Statham und Perlman überzeugen genauso wie Lillard als Schurke, der ähnlich überdreht wie bei Scream hier den Bösen gibt.
Fazit: Ein solider Fantasy Film mit einigen Schwächen, aber weitaus ansehenswerter als andere Genre Vertreter der letzten Jahre. Für Boll als Regisseur kam so ein Big Budget Werk trotzdem einige Zeit zu früh. Einen Lernprozess kann man ihm nicht absprechen, aber irgendwie wirkt er hier einfach überfordert.
PS: Der Film ging gerade mal 2 Stunden wird auf der imdb aber mit 2 Stunden 30 Minuten gelistet. Die interessante Frage ist dabei natürlich warum in Deutschland 30 Minuten!! entfernt wurden.