Bei Uwe Bolls Filmen ist tatsächlich eine Steigerung zu erkennen: „House of the Dead“ krempelte einem noch die Fußnägel hoch, „Alone in the Dark“ war wenigstens nur langweilig, „Bloodrayne“ ganz OK und „Dungeon Siege“ relativ unterhaltsam.
Handlungsort ist eine Fantasywelt, auf welcher der gute König Konreid (Burt Reynolds) herrscht, der fiese Magier Gallian (Ray Liotta) gegen ihn intrigiert und Horden von Ersatz-Orks namens Krugs durch die Wildnis streifen. Mithilfe des Königsneffen Fallow (Matthew Lillard) bereitet Gallian den großen Schlag vor und hat bereits die wilden Horden unter seine Fuchtel gezwungen. Alles ein wenig bei „Herr der Ringe“ geklaut, was aber auch an der mir unbekannten PC-Spielvorlage liegen könnte, wenngleich nicht so dreist wie z.B. „Eragon“ es tat.
Der Held des Ganzen heißt wie seine Tätigkeit: Farmer (Jason Statham). Seine Frau Solana (Claire Forlani) und sein Sohn sind gerade unterwegs zur Verwandtschaft als die Horden des Bösen das Land überfallen. Farmer schnetzelt die Übelwichte auf der eigenen Farm dahin, kommt aber zu spät: Solana wurde entführt und Sohnemann sowie Schwiegereltern umgebracht. Damit wäre also der gute alte Anlass geschaffen den politisch sonst wenig aktiven Helden doch noch zu involvieren.
Während sich die Armeen des Königs auf den Kampf gegen die Bösewichte vorbereiten, versucht Farmer auf eigene Faust seine Frau mithilfe einiger Freunde zu retten. Noch weiß er nicht, dass sein Schicksal und das des Königreiches verbunden sind...
„Dungeon Siege“ stellt Bolls bisher wohl teuerster Projekt dar und tatsächlich beweist der Mann, dass er auf der reinen Regieebene besser ist als sein Ruf. So kann „Dungeon Siege“ mit teilweise wirklich aufwändiger und dynamischer Kameraarbeit punkten, obwohl die eine oder andere Kamerafahrt quasi direkt aus dem großen Vorbild „Herr der Ringe“ geklaut ist. An dessen Qualität kommt „Dungeon Siege“ natürlich nicht heran, auch auf handwerklicher Ebene nicht. So sind z.B. die FX qualitativ sehr durchwachsen: Die Teleportationen der Zauberer durch Wände sehen wirklich toll aus, während manche Burgaufnahme immer Hintergrund auch nicht besser als ein PC-Spiel erscheint.
Mit weitaus mehr Aufwand und daher auch überzeugender kommt das Produktionsdesign daher. Im punkto Ausstattung und Kostüme kann sich „Dungeon Siege“ jedenfalls sehen lassen ohne zu den ganz Großen des Genres zu gehören, aber das hatte auch niemand im Vorfeld erwartet. Gelegentlich gibt sich „Dungeon Siege“ aber überambitioniert; nicht jeder Film, der zwei Stunden geht, ist automatisch ein Epos. So wäre „Dungeon Siege“ als ehrlicher Fantasy-Action-Spaß mit kürzerer Lauflänge sicherlich noch besser geworden, denn als Epos-Versuch nervt er mit einigen überlangen Pathos-Momenten (vor allem einer nervraubenden Sterbeszene zu Beginn des letzten Drittels), die keine großen Gefühle transportieren, sondern eher langweilen.
Denn großartige Charakterzeichnungen kann sich „Dungeon Siege“ nicht leisten, dafür ist angesichts des großen Figurenrepertoires keine Zeit. Jedoch funktionieren die Standardfiguren sehr gut, vom einsamen Helden über den weisen Magier bis hin zu dessen rebellischer Tochter, da man nie versucht diesen Fakt künstlich zu verschleiern. Stattdessen wirkt „Dungeon Siege“ einfach wie ein Werk für Fantasyfans, die gar keine großen Neuerungen erwarten, sondern einfach altbekanntes flockig serviert bekommen wollen.
Daher macht „Dungeon Siege“ auch dann am meisten Laune, wenn er sich als simpler Spaßfilm versteht und das ist vor allem in den Actionszenen so. Mit Ching Siu Tung ist auch ein fähiger Choreograph an Bord, der sowohl Massenschlachten als auch Kämpfe in kleinerem Rahmen zu choreographieren weiß. Allenfalls das finale Duell Farmer vs. Gallian ist etwas missglückt, ansonsten machen die Kampfszene was her und sind auch meist recht ausladend – dafür fallen im actionarmen Mittelteil die kläglichen Versuche eines Epos dann schwerer auf. Dazu würde aber der Metal von Blind Guardian und Hammerfall gar nicht passen, der recht dynamisch den Abspann untermalt.
Jason Statham spielt mal wieder den Helden mit der Leck-mich-am-Arsch-Haltung, nicht so cool wie in „Crank“, aber doch mit Pfiff. Ray Liotta als Bösewicht ist OK, Burt Reynolds solide, während Claire Forlani und Leelee Sobieski in starken Frauenrollen auftrumpfen. Eher unnötig ins Drehbuch geschrieben wirkt die Rolle von Kristanna Loken, während Ron Perlman seine übliche Nebenrolle routiniert absolviert. John Rhys-Davies liefert ebenfalls eine solide Standardleistung ab, sodass der einzige etwas fremd wirkende Darsteller Matthew Lillard bleibt: Er wiederholt seine überdrehte „Scream“-Performance, die mal mehr, mal weniger zum Ton des Films passt.
Schade, dass „Dungeon Siege“ versucht mehr zu sein, als er ist: Eine gekappte Laufzeit und keine Versuche große Gefühle auf die Leinwand zu bringen, hätten dem Film sichtlich gut getan. Denn so hat die ordentlich gefilmte und gut choreographierte Actionsause immer wieder unschöne Hänger, die „Dungeon Siege“ leider bloß 5,5 Punkte meinerseits einbringen.