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Es ist sein größter Wurf bis dato. Er organisierte ein Budget von 60 Millionen Dollar und leistete sich dafür nicht nur ein beachtliches Ensemble an Schauspielern, sondern auch eine hollywoodreife Ausstattung, die seinen Filmen bisher verwehrt blieb.

Die Rede ist von Uwe Boll, seines Zeichens, der wohl verhassteste Regisseur unserer Zeit und "Dungeon Siege", seine bis dato ehrgeizigste Videospielverfilmung. Die Produktivität, mit der der Selfmade-Regisseur Unterhaltungsfilme ausspeit (das soll nicht negativ gemeint sein) ist schon beachtlich. Dass er sich nur um so Kleinigkeiten, wie das Regieführen beschränkt, sondern auch für Finanzierung und Distribution seiner Werke kümmert, sollte auch die stärksten Kritiker beeindrucken. Allein 2007 bringt es der deutsche Regisseur auf vier Filme. Von diesen Filmen ist "Schwerter des Königs" (so der deutsche Titel) sicherlich das wertigste Projekt.

Geht man objektiv an diesen Film heran, dann sieht man ein 2-stündiges Fantasyspektakel mit vielen bekannten Gesichtern, dass sich nicht vor 100-Millionen-Dollar-Produktionen verstecken muß. Es ist recht kurzweilig, keinesfalls zu anspruchsvoll und beherbergt eine Heldensage, die man zwar schon des öfteren gesehen hat, die für Freunde des Genres aber durchaus goutierbar ist. Geht man subjektiv an diesen Film heran, lässt man eine vorhandene Voreingenommenheit und Aversion gegen Boll das filmische Auge des Betrachters leiten, dann erhält man einen weiteren dummen Film, der seelenlos ist und... eben Boll. Worte wie "Bollwerk" werden dann in den Mund genommen und überaus böse gemeint.

Das Problem, das ich mit der letztgenannten, weit verbreiteten Perspektive auf das Boll'sche Schaffen habe, liegt darin begründet, dass der umtriebige Regisseur auch "Herr der Ringe" hätte drehen (anstatt Peter Jackson natürlich), doch auch dann wäre die Trilogie in der Luft für das zerfetzt worden, fur das Jackson so (zu Recht) gelobt wird. Im Umkehrschluß hat Boll eigentlich keine Chance.

Von daher bevorzuge ich die objektive Perspektive und wieder kann das Resultat nur lauten: Hut ab, Herr Boll. Wieder einmal hat es der Underdog geschafft, einen Film mit (verhältnismäßig) geringen Mitteln (im Vergleich zu Hollywoodstandards) zu erschaffen, der einzig und allein dazu dient, den Zuschauer zu unterhalten. Dies gelingt "Dungeon Siege" durchaus überzeugend.

Erzählt wird die klassische Geschichte von Gut und Böse. Von der PC-Vorlage übernimmt Boll die Präposition und entspinnt daraus eine effektive Fantasygeschichte. Diese bietet nicht den philosophischen Unterbau, den die "Herr der Ringe"-Trilogie von Tolkiens Mammut-Werk aufsaugen konnte, doch ist der Film beiweitem nicht inhaltsloser als Filme, wie "Braveheart" oder "300".

Die Story kann also unauffällig überzeugen (anders gesagt: sie stellt keinen störenden Faktor dar), was aber wieder einmal das eyecandy darstellt, sind die Darsteller, die Herr Boll versammelt hat: Ray Liotta, Burt Reynolds, Jason Statham oder John Rhys-Davies, um wirklich nur mal ein paar zu nennen. Sie alle wirken zwar nicht gerade überfordert, doch man merkt ihnen den Spaß an, den sie auf dem Set gehabt haben dürften. So entsteht eine gewisse Spielfreude, die sich auch auf der Leinwand glänzend macht. So muß man Multitalen Boll auch noch zugutehalten, dass er es offensichtlich versteht mit seinen Stars umzugehen. Insofern war die lustlose Leistung Ben Kingsleys in "Bloodrayne" zum Glück die Ausnahme.

Ein weiterer Pluspunkt sind die Special Effects und die schönen Locations, die sich wirlich sehen lassen können. Für die durchaus sehenswerten Schlachtszenen konnte mit Siu-Tung Ching ein Meister seines Fachs gewonnen werden, der schon die Choreographien zu "Hero" und "House of the Flying Daggers" erschaffen hat. Er macht einen guten Job, was die Actionszenen angeht.

Alles in allem hat Boll nichts wirklich falsch gemacht, der Film ist unterhaltsam und angenehm goutierbar. Dass mit allen Boll'schen Filmen so hart ins Gericht gegangen wird, ist alles andere als fair. Beinahe wünscht man sich sich, dass Boll (der sein Handwerk ganz sicher versteht) einen Film unter anderem Namen abdreht. Interessant wäre zu sehen, wie der Film dann bewertet wird. Filmische Flachwerke, wie der ähnlich gelagerte "Pathfinder" wurden nicht mit so viel Herzblut zerrissen, wie der vorliegende Film. Das ist weder fair noch gerecht und sollte nicht Maßstab eines ernsthaften Filmliebhabers sein.

Fazit:

7,5 / 10

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