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Ist es nicht das Markenzeichen eines jeden wirklich großen Künstlers, dass seine Werke zu Lebzeiten missverstanden werden und erst nach dessen Tod zu wahrem Weltruhm gelangen? Transportiert man diese Aussage auf das Lebens- und Schaffenswerk des Regisseurs Edward D. Wood jr., so kann nur ein Urteil hergeleitet werden: Ed Wood war einer der größten Künstler, die Hollywood je hervorbrachte. Da ist es nur angebracht, dass Tim Burton diesem leidenschaftlichen Filmemacher eine filmische Hommage schuf.

Edward D. Wood jr. (Johnny Depp) hat seine Lebensaufgabe gefunden: Er will einem breiten Publikum mit seinen Filmen Freude bringen. Dass er dabei vollkommen aus den Augen verliert, dass er hoffnungslos untalentiert ist, stört weder seine Lebensgefährtin Dolores Fuller (Sarah Jessica Parker) noch seinen neuen Freund Bela Lugosi (Martin Landau). Gemeinsam mit dem gealterten und von der Hollywood-Maschinerie bereits abgeschriebenen „Dracula“-Darsteller will er seinen Traum verwirklichen und zugleich Lugosi einen würdigen Abschluss seines Lebenswerkes ermöglichen…

Tim Burton zeichnet die „Karriere“ des wohl schlechtesten Regisseurs aller Zeiten so fesselnd und unterhaltsam wie es Woods Filme eigentlich nie waren. „Ed Wood“ ist eine Charakterstudie über einen Menschen, der in jeglicher Hinsicht missverstanden wurde. In filmischer wie in menschlicher Hinsicht. Der junge Mann mit dem Faible für Frauenkleidung und speziell Angora-Pullover, war mit einer solch großen Begeisterungsfähigkeit für sein eigenes Schaffen beseelt, dass man schon fast von kindlicher Freude reden kann, wenn er eine weitere Szene im Kasten hatte. Nach dem Prinzip „Cut! Perfect!“ (bzw. „Der erste Take ist immer der beste!“) erschuf Wood filmische Trash-Perlen wie „Plan 9 from outer space“ und erlangte somit posthum den Ruhm, den er sich zu Lebzeiten immer wünschte. Genau dieses kindliche Gemüt bringt Johnny Depp in einer seiner besten Rolleninterpretationen so überzeugend auf die Leinwand, dass man mitunter schon davon ausgeht, den wahren Ed Wood auf der Leinwand zu sehen. Dass Tim Burton bei der Verfilmung von Woods Leben den Farbfilm in der Schublade ließ und ausschließlich in Schwarz-Weiß filmte, verstärkt den Eindruck einer realen Dokumentation zudem eminent. Und wenn wir dann noch Martin Landau als Bela Lugosi sehen, ja erleben, dann wird aus diesem Film eine rundum runde Sache. Gerade die Rolleninterpretation Landaus ist dabei besonders hervorzuheben, lässt er den Altstar des Horror-Films doch förmlich wiederauferstehen. Und für genau diese herausragende Leistung erhielt Landau 1995 den Oscar als bester Nebendarsteller. Diesen Oscar kann man nicht nur als Ehrung für Landau sehen, sondern auch als verspätete Auszeichnung Lugosis für dessen Lebenswerk. Ja, „Ed Wood“ zeichnet nicht nur das Leben des Herrn Wood nach, sondern zeigt uns auch den letzten Lebensabschnitt eines großen Darstellers des frühen Horrorfilms. Dass Burton dabei nie den Respekt vor Wood verliert und sich auch nie zu sehr in Albernheiten verliert, ehrt nicht nur Ed Wood, sondern auch Tim Burton als Filmemacher.

Für die erstklassige biographische Verfilmung „Ed Wood“ kann es lediglich ein Urteil geben: Volle Punktzahl! Denn Tim Burton hat hier gemeinsam mit einem genialen Ensemble bewiesen, dass er nur in einer Hinsicht in einem Atemzug mit dem schlechtesten Regisseur aller Zeiten genannt werden kann: Burton ist genauso ein Filmverrückter wie der leider viel zu früh verstorbene Edward D. Wood jr.

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