Basierend auf der Biografie von Edward Davies Wood jr., der später als schlechtester Regisseur aller Zeiten in die Geschichte eingehen, daher aber auch zum Kult avancieren sollte. Johnny Depp spielt den Regie-Individualisten, der eine Vorliebe für Frauenkleider hat und orientiert an seinem großen Vorbild Orson Welles Anschluss im Filmgeschäft sucht. Zusammen mit dem ehemaligen Dracula-Star Bela Lugosi, gespielt von Martin Landau, produziert er für immer neue Geldgeber eine Reihe mieser Filme, die sowohl beim Publikum, als auch bei den Kritikern hoffnungslos durchfallen.
"Ed Wood" ist in jeglicher Hinsicht ein einzigartiger Ausnahmefilm, der jenseits aller Stereotypen durchaus überzeugt und in keinem Vergleich zu Tim Burtons überzogen skurrilen und bizarren Vorgängerfilmen wie "Batman", "Beetlejuice", "Edward mit den Scherenhänden" und "Batmans Rückkehr" steht.
So präsentiert Burton das Leben des Filmemachers, der das Publikum unterhalten und sich selbst mit seinen Filmen verwirklichen wollte, dabei jedoch immer wieder aufs Neue an seinem Unvermögen scheiterte, durchaus mit einem ironischen Blick und einigen wirklich amüsanten Gags, nimmt aber keine allzu distanzierte Haltung zum Trash-Regisseur ein, sodass dessen interessantes Schicksal durchaus zu fesseln vermag. Er stellt den Frauenkleider-Fetisch des Regisseurs dar, genauso, wie dessen übrige Ecken und Kanten, lässt es auch hier nicht aus, ein paar Lacher auf Kosten seiner Hauptfigur zu platzieren, lässt ihr aber ihre Würde und zieht sie nur bedingt ins Lächerliche, sodass "Ed Wood" als Biopic durchaus überzeugt und nicht nur den interessieren dürfte, der der Cineastik im allgemeinen geneigt ist.
Die Motivation Woods, sein Privatleben, sein "künstlerisches Schaffen", all dies arbeitet Burton gelungen auf, verliert jedoch den Unterhaltungswert zu keinem Zeitpunkt aus den Augen, so ist "Ed Wood" über die volle Laufzeit dramaturgisch schlüssig konzipiert und darüber hinaus sehr amüsant. Dabei verbreiten besonders die Dreharbeiten Woods, der selbst Szenen, in den Kulissen umfallen oder Darsteller vollkommen unbeholfen agieren, nicht neu drehen lies, eine gewisse Heiterkeit, genauso, wie die grandiosen Darsteller, wobei Burton über die volle Laufzeit eine perfekte Mischung aus Komödie und Biopic abliefert.
Auch inszenatorisch ist "Ed Wood" ein außergewöhnlicher Film. Die Inszenierung in schwarz-weiß, die extrem hell geschminkten Darsteller, das dezente Overacting der Beteiligten und auch die stimmig gewählte Musik verbreiten dabei durchaus das Flair eines 50er-Jahre-Trashfilms und machen den hochstilisierten Film zu etwas wirklich Besonderem. Im Gegensatz zu seinen überstilisierten und arg bizarren Werken befindet sich Tim Burton hier also im positivsten Sinn weit jenseits aller Stereotypen Hollywoods.
Dabei verdient auch der grandiose Cast Anerkennung. Johnny Depp, der hier nach "Edward mit den Scherenhänden" zum zweiten Mal unter der Regie von Burton agiert, findet sich in seinem kuriosen Charakter gewohnt gut zu Recht, bringt den Filmemacher authentisch auf die Leinwand, erzeugt mit seinem leichten Overacting dabei in bester "Fluch der Karibik"-Manier einige Lacher, ohne aus der Rolle zu fallen. Neben Martin Landau, der für seine Darstellung von Bela Lugosi vollkommen zu Recht den Oscar bekam, wirkt aber selbst Depp eher unauffällig. Mit einer extrem hohen Leinwandpräsenz fesselt Landau mit seiner unglaublich charismatischen Art zu jedem Zeitpunkt, meistert die todernsten Momente seiner Figur genauso, wie dessen Stimmungsschwankungen und liefert dabei auch noch einige Lacher, ohne den Dracula-Darsteller in irgendeiner Form ins Lächerliche zu ziehen. Und auch die restlichen Darsteller, zu denen einige bekannte Namen wie Bill Murray, Jeffrey Jones, Sarah Jessica Parker und Patricia Arquette zählen, überzeugen dabei auf ganzer Linie.
Fazit:
"Ed Wood" überzeugt als Biopic voll und ganz, so wird Burtons Werk seinem schrulligen Charakter gerecht, ohne diesen ins Lächerliche zu ziehen und unterhält dabei mit einer gewissen dramaturgischen Stringenz und einigen amüsanten Momenten hervorragend. Mit der nostalgischen, einzigartigen Inszenierung, die durchaus das Flair eines Trashfilms aus den 50ern aufkommen lässt und den hervorragenden Darstellerleistungen, von denen besonders die von Martin Landau hervorzuheben ist, entsteht so ein echtes filmisches Unikat, das wirklich jedem ans Herz gelegt sei, auch den Zuschauern, die sich in keiner Weise für Cineastik interessieren.
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