Review

In der zeitgenössischen Horrorfilmwelt kann man sich nahezu auf alles verlassen, vor allem, dass einem Überraschungserfolg mit Sicherheit fast immer eine Fortsetzung folgen wird.
So auch geschehen mit „Wrong Turn“, in dessen Sequel abermals deformierte Inzuchtkannibalen Jagd auf junge Leute machen.

Diesmal hat es eine Gruppe Teilnehmer einer Pseudo-Survival-Show in die hintersten Waldecken West Virginias verschlagen, doch bevor das Team überhaupt richtig im Spiel ist, schlägt die Inzucht-Meute zu.

Regisseur Joe Lynch legt hier ein recht ordentliches Debüt ab, dem es zwar völlig an neuen Ideen mangelt, jedoch nicht an einem ordentlichen Splattergehalt und temporeichen Szenen.
Bereits mit dem ersten Abschlachten von Kimberly Caldwell, die sich hier selbst spielt, wird deutlich, welche Richtung der Streifen einschlagen wird: Oberflächliche Klischeetypen, die ein überaus deftiges Ableben erfahren werden, in diesem Fall erstmal Gesichtsteile raus beißen, um danach von oben nach unten zweigeteilt zu werden.

Mit der Besetzung der potentiellen Opfer tut man dem Genrefreund jedoch keinen Gefallen, denn niemand erscheint wirklich sympathisch.
Für die vermisste Kandidatin springt die Produzentin ein, dazu gibt eine Nymphomanin, einen Ex-Footballer mit Schulterproblemen (der geht noch), einen sexsüchtigen Witzbold (der geht gar nicht), eine Soldatin mit Irak-Krieg Erfahrung, eine Veganerin, zudem den jungen Regisseur der Show und einen Colonel, der durch das Spiel leitet und sich im Verlauf als kleiner Rambo entpuppen wird.
Glücklicherweise muss man nicht allzu lange auf den Einsatz der Degenerierten warten, denn schließlich muss immer mal eine Randfigur in den Wald pullern…

Die Rednecks sind allerdings so stark überzeichnet und vermonstert aus der Gattung „Was? Du bietest mir zum Dessert Katzenscheiße mit Himbeeren an, obwohl du weißt, dass ich keine Himbeeren mag?“
Also allenfalls drei Zähne in der schiefen Fresse, lange Haare mit Haarwuchslücken auf dem Eierschädel und dazu ein ständiges Grummeln oder schrilles Gekicher, - nichts für die Schwiegermutti.
Aber was soll man erwarten: Erstmal Amerika, dann Giftmüll im Wald und Inzucht über Generationen, da sind nach unten eben keine Grenzen gesetzt.

Entsprechend hausen die Unzivilisierten auch in ihrem Modder, der nahezu 1:1 ans Kettensägenmassaker erinnert, mit Gedärm, Leichen in Schränken, nochmal Gedärm und undefinierbaren Scheußlichkeiten, die man manchmal kaum erkennen kann, weil die Kamera oft wild umherfuchtelt.

Muss sie aber auch, denn in manchen Szenen ist das Tempo angenehm hoch. Es gibt verschiedene Zweikämpfe mit Toten auf beiden Seiten, wobei das Kräfteverhältnis gar nicht mal so eindeutig ist. Da explodiert schon mal ein Redneck, kommt die Axt in den Schädel, wird man mit Stacheldraht an einen Stuhl gefesselt und trifft ein Pfeil zwei Köpfe gleichzeitig.
Was den Gorgehalt betrifft, dürften sich Blutverliebte kaum beklagen.

Über den Rest allerdings schon, denn das Treiben verläuft gänzlich ohne Überraschungen, selbst den Cliffhanger kann man bereits zur Hälfte der Laufzeit vorausahnen.
Ebenso, wer das blutige Jagen überleben könnte, denn wenn sich zwei über ihre schicksalhafte Vergangenheit austauschen, tun dies im Normalfall nur die potentiellen Survivor.

Allerdings verläuft die Sache nach einiger Zeit oberflächlicher Figurenvorstellung recht abwechslungsreich, man wechselt häufig von Team zu Team und selbst, als die Unholde noch nicht in Erscheinung treten, ist einigermaßen Fluss drin.
Die obligatorische „Kissen frei legen“- Szene fehlt ebenso wenig, wie der oft da gewesene Gag, Menschenfleisch für frisches Barbecue zu halten.
Eingefleischte Fans werden sich also in nahezu jeder Szene heimisch fühlen.

Nur darstellerisch kann man im Vergleich zum Original keinen Bonus für ein bekanntes Eye-Candy ergattern wie seinerzeit mit Eliza Dushku.
Die Damen sehen zwar, - das ist man gewohnt - durch die Bank nett aus, fallen aber, ebenso wie der Darsteller-Herren nicht mit talentiertem Spiel auf, allenfalls Henry Rollins als Colonel und Einzelkämpfer ist etwas besser als der Rest.

Insgesamt also nichts Neues in Redneck-Land.
Es wird blutig gemordet, sich hin und wieder gekloppt und man flüchtet durch den Wald.
Leider liegen einem dabei die Figuren kaum am Herzen und die Hinterwäldler entpuppen sich im Verlauf als recht nervig.
Aber die Geschichte geht recht fix von der Hand und wenn man sich ohne jeglichen geistigen Anspruch zwischen Jagd und Gedärm zurücklehnen möchte, funktioniert „Wrong Turn 2“ ganz ordentlich.
6,5 von 10

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