Normalerweise läuft das ja so im Horrorgenre: ordentlicher Film, der es ins Kino schafft. Dann eine bis vier Fortsetzungen, die man zunehmend kostengünstig für den Heim-DVD-Markt zusammenstoppelt, die aber qualitativ zumeist zunehmende Zumutungen sind.
Im Falle von "Wrong Turn" ist das "ausnahmsweise" mal ein bißchen andersrum, denn angesichts der todernsten, aber wenig unterhaltsamen Rekapitulation von Backwoods-Klischees beim Original war eigentlich schon nicht mehr so viel falsch zu machen, wenn man die Standards ein wenig mit Humor anreichert, mit Splatter zusätzlich ergänzt oder das Eine oder Andere zu den degenerierten Hillbillymutanten zu sagen hat.
"Wrong Turn 2" ist kaum das, was man einen guten Film nennen würde, aber so beschissen er beginnt, so ordentlich entwickelt er sich dann in der Folge. Zunächst scheint das pure Klischee zu regieren und zwar so flach, billig und grell, das man schon fast einen Waschzwang entwickeln möchte.
Getreu der Mode von Survival-Reality-Shows für "angesagte" Fernsehsender drechselt eine Crew einen Sechskampf in einer vornehmlich apokalyptischen Landschaft zusammen. Dafür hat man Henry Rollins als "Drill Instructor" engagiert und den stumpfsinnigsten Sixpack, den die Mottenkiste hergab: die notgedrungen mitspielende Produzentin (den "Star" zerreißt es wortwörtlich schon in der Titelsequenz), die vegan lebende Bitch, die läufige Kamerahure, die lesbische Soldatin, einen nervtötend sabbelnden Schönling und einen quotenfarbigen Sportler. Zusammen mit zwei Technikern war es das dann auch schon in Sachen möglicher Bodycount, der "deep down in the woods" auflaufen kann, wo sich eine Arbeiterfamilie nach der Schließung der lokalen Papierfabrik mittels Chemie im Wasser in klingonenähnlichen Sabbermutanten mit Inzesthobby verwandelt hat. Wie man schon spürt, laufen hier Motive aus "TCM" und "The Prophecy" (1978) flott überkreuz, was aber die Gelegenheit bietet, endlich mal zu erklären, warum die degenerierten Metzger so schwer totzukriegen sind.
In der Folge bietet sich zwar das übliche, real werdende Überlebensspielchen, aber freundlicherweise mit immer weniger extremen Ärgernissen und einer bedienerfreundlichen Verschiebung der Verhältnisse, wenn es um die vermutlich Überlebenden geht. Angereichert mit reichlich deftigem Gematsche und gut abgeschmeckter Verstümmelung beidseitig, genügt der Film sich und den Ansprüchen wesentlich mehr als das stupide Original, dazu wirkt der Ausflug ins Mutantenland noch dazu wie eine erweiterte Funversion der berühmten "Hügel, die ja bekanntlich Augen haben". Inzest ist ne schöne Sache, also dürfen unsere klumpigen Familienmitglieder hier alles: onanieren, im Wald rammeln, zwischendurch mal schnell ein Baby werfen, während sie sich gniggernd und heulend über die Klischeecharaktere hermachen. Deren Überlebenskampf ist solide und hart gestaltet und wenn sich Erica "Blair Witch" Leehrsen schließlich an der Familientafel zum Essen wiederfindet ("TCM" again) und die Mutanten ihr Menschenfleischmahl mit überlieferten Tischsitten und gegrunztem Gebet beginnen, dann hat das schon so etwas wie Background im Backwood. Wie überhaupt die dargestellten Familienverhältnisse unterhaltsam sind und die Parallelen zwischen gefake-tem und echtem Survivalüberlebenskampf ebenfalls noch ein Augenzwinkern abringen.
Die Dialoge sind zwar auch weiter aus der Mottenkiste und nicht selten schön blöd, aber die Anhäufung geklauter Motive ohne absoluten Ernsthaftigkeitsanspruch machen diesen Waldlauf ein klein bißchen besser und wer will, darf dann noch ein paar Filmzitate zählen, wenn die Sache mit den unvermeidlichen Brüsten endlich abgehakt ist.
Fakt also: weißgott kein überraschender Film, aber auch keine endlos gestreckte Billigproduktion, sondern solide, harte Ware mit flott angeordneten Genreversatzstücken und netten Tricks. Insofern wenig halbwegs schmerzfrei zu genießen. (4/10)