Review


Wrong Turn 2: Dead End
(20th Century Fox, UK-Fassung)

"Holt mich hier raus, ich bin kein Star", dachte ich mir während der ersten Hälfte dieses Sequels des bekannten Backwood-Slashers.

Wer sich denn diese Story ausgedacht hat, muss entweder zu viel RTL gesehen haben oder ganz einfach nicht mehr ganz bei Trost sein. Klar, Filme des Genres bestechen selten mit oscarverdächtigen Storylines, aber es gibt doch zigtausend Gründe, aus denen man ein paar dauergeile, grenzdebile Adoleszenten in abgelegene Waldstücke schicken kann. Aber nein, dies geschieht hier im Rahmen einer Reality-Soap, an der ein paar Freiwillige teilnehmen, um am Ende als möglicher Gewinner 100.000 Dollar einzusacken. Doch als Gewinner darf man nicht den möglichen fiktiven Tod sterben, indem man fiktiv radioaktiv verseucht wird (!?!?!), der an vielen Orten des Waldes lauert. Ihr glaubt es nicht ? Dann seht selbst. Schon ziemlich doof, diese Story.

Ebenso doof sind sämtliche Darsteller. Ich verstehe nicht, wie den Verantwortlichen derart wenig daran liegen kann, sympathische Protagonisten zu kreieren. Das Genre lebt ja quasi teilweise davon, dass man eben mit den Hauptdarstellern mitfiebert und ihnen den Tod nicht unbedingt an den Hals wünscht. Doch durch komplett überzogenes, unprofessionelles Verhalten wird das hier nicht nur komplett versäumt, nein, man ist auf eine Art und Weise sogar noch froh, wenn es mal wieder jemanden erwischt hat. So muss man schon nicht weiterhin die dahingespielte Grütze miterleben. Oder soll das ach so lockere Gelabere in Hälfte 1 (Themen: Sex, Lesben, ...) nur den krassen Kontrast zur zweiten Hälfte darstellen, wenn es endlich mal ein wenig ernster wird ? Wenn man das hier überhaupt sagen kann ...

Lange Rede, kurzer Sinn. Die ersten 40 Minuten hab ich mich desöfteren dabei ertappt, wie ich mir überlegt habe, ob ich überhaupt noch weiterschauen soll. Und ich bin ja wirklich kein kleinlicher Filmgucker. Aber gut, die Eingangssequenz, in der eine Blondine, die es in weniger als 5 Minuten Screentime ohne Probleme schafft, einem komplett auf den Senkel zu gehen, gezweiteilt und anschließend von den Rednecks abtransportiert wird, hat mir immer noch insoweit Hoffnung gemacht, dass aus dem ganzen vielleicht sogar noch so etwas wie ein Horrorfilmchen entsteht.

Und siehe da, was ich selber kaum mehr für möglich gehalten habe, ist dann sogar noch eingetreten. Nicht dass Hälfte 2 bahnbrechend wäre und irgendwie versöhnlich gestimmt hätte, doch spätestens als er die im Eingang gemeuchelte Blondine unwissend verzehrt, merkt auch der Obernervzwerg Jonesy, dass es mit dem Spaß aus ist und der Film wird halbwegs ernst.

Die Atmosphäre knistert zwar bei weitem nicht, doch wenigstens konzentriert sich der Film ab diesem Zeitpunkt aufs Kämpfen/Fliehen/Jagen und es kommt etwas Abwechslung und Spannung auf. Ja, man ist dann nicht mehr so gelangweilt.

Was die Bösewichter angeht, wird gar nicht lange ein Hehl daraus gemacht, auf wessen Konto denn die ganzen Leichen gehen. Sprich, es wird von Anfang an draufgehalten, es gibt also kein Mysterium um die Killer. Daher haben diese eine auch recht beachtliche Screentime, was bis dahingeht, dass man die Rednecks sogar beim Liebesakt (kann man das so nennen?) und beim gemeinsamen Abendbrot (haha!) bestaunen kann. Dass Beides nicht wirklich appetitlich und ästhetisch ist, versteht sich von selbst.

Dafür sind die Splattereffekte gar nicht mal so unappetitlich, wenn man es aus der Sicht des Gorefans sehen möchte. In der völlig ungeschnittenen UK-Fassung kommt durchaus der ein oder andere nette Effekt vor. Zwar nichts weltbewegend Neues, aber mit Gedärmen und abgetrennten Gliedmaßen wird nicht gespart und v.a. die letzten 20 Minuten haben es teilweise wirklich in sich, was man bis dahin und vom Film allgemein nicht erwartet hätte. Und nicht nur die Rednecks müssen sehr blutig vom Boden dieser Erde wandern, sondern auch unsere unsympathischen Hauptcharaktere dürfen einen teilweise recht drastischen und blutgetränkten Tod sterben. Immerhin !

Alles in allem ein Sequel, das in Hälfte 1 kaum blöder, schlechter und langweiliger sein kann, aber mit der Zeit zumindest ein wenig die Kurve bekommt, mit ganz netten Splattereinlagen aufwartet und v.a. am Ende überraschend radikal und kaltblütig anmutet. Was den Film schon ein bisschen vor dem Totalausfall rettet.

5/10

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