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"Wrong Turn 2: Dead End" liefert den Beweis, dass DTV-Sequels nicht immer minderwertiger als das Original sein müssen. Aufgrund des geringeren Budgets muss man natürlich auf Darsteller einer anderen Liga zurückgreifen, doch diese schlagen sich hier wacker und überhaupt ist dieses vier Jahre später entstandene Sequel eine echte Überraschung. Die Idee mit der Reality-Show im Film ist zwar schon ein alter Hut, aber Regisseur Joe Lynch (Chillerama) gelingt es erstaunlich gut auch ein bisschen Medienkritik unterzubringen und das Ganze entsprechend herrlich überzogen auf die Leinwand zu bringen. Auch eine nette Idee ist die potentielle Heldin ziemlich schnell sterben zu lassen und überhaupt fällt es selbst dem Filmkenner schwer zu erraten, wer dieses Martyrium überlebt.
"The Ultimate Survival" heißt die neueste TV-Reality-Show von Produzentin Mara (Aleksa Palladino). Leider taucht eine Kandidatin nicht auf und so muss Mara selbst mit fünf anderen in die Wälder. Hier gilt es auf eigene Faust essen zu finden und gewisse Spiele zu überstehen. Doch keiner ahnt, dass sich in den Wäldern eine degenerierte Kannibalenfamilie befindet, welche das Filmteam schnell dezimiert.

Wie schon das Original, so kommt auch "Wrong Turn 2" schnell in die Pötte, ein paar Charaktere bleiben dabei aber auf der Strecke und dienen sowieso nur als Kanonenfutter. Auch die Figur des Skaters Jonesy (Steve Braun) nervt mit ihren pubertären Kalauern, doch es gibt auch Charaktere die überraschen, wie beispielsweise der ehemalige Veteran Dale (Henry Rollins), den man als Zuschauer zunächst völlig falsch einschätzt und der sich während des Films zum Helden mausert. Und die Einführung der Charaktere gelingt Lynch ohne nennenswerte Längen und schon während des ersten Filmdrittels werden sie den Kannibalen zum Fraß vorgeworfen. Three Finger (Jeff Scrutton) hatte ja im Original überlebt und außer ihm gibt es hier noch eine ganze Familie, bestehnd aus Vater, Mutter und zwei Kindern. Auch die Ursache, warum die Menschen in den Wäldern so missgebildet sind, wird hier deutlicher erläutert. Das Make-up ist den Machern hervorragend gelungen und auch bei den Goreeffekten wird nur selten auf Animationen zurückgegriffen. Und Gorefans wird es freuen, dass es im Sequel deutlich mehr zur Sache geht als im Vorgänger. Es gibt wesentlich mehr Opfer, welche die Kannibalen durch die Wälder jagen und diese werden sehr brutal und abwechslungsreich ins Jenseits geschickt. Pfeil und Bogen, selbstgebastelte Fallen, Messer, Äxte und ein riesiger Fleischwolf sorgen für das Ableben der Filmcrew.

Dabei lässt Lynch das Blut ordentlich suppen und auch die Kannibalen bekommen ihr Fett weg. Besonders gefällt mir Lynchs Inszenierung, die zwar manche Momente etwas spannender vorbereiten könnte, aber im Endeffekt sehr old schoolig daherkommt, das heißt ohne nervige Stilmittel die den Film verhunzen. Und es kommt zu zahlreichen Konfrontationen mit den Hinterwäldlern, die ihren Opfern kräftemäßig weit überlegen sind und ihr Jagdrevier natürlich gut kennen. Das hohe Tempo hält Lynch bis ins Finale durch, welches aufgrund des Familienessens etwas an "Blutgericht in Texas" erinnert. Aber hier geht es nochmal ordentlich zur Sache und man legt schon die Basis für den (schwachen) dritten Teil. Das Geschehen spielt sich wieder in den Wäldern von West Virginia ab, wo Jäger und Opfer jeglichen Handlungsfreiraum genießen. Jedoch ist es Rob Schmidt im Vorgänger gelungen eine deutlichere Bedrohung von den Wäldern ausgehen zu lassen, dafür punktet hier die verlassene Papierfabrik als gelungenes Set.
Bei den Darstellern gibt es kaum einen Grund zur Klage, Erica Leerhsen (Living Hell, Blair Witch 2), Henry Rollins (Feast, The Devil´s Tomb) und Texas Battle (The Task, Final Destination 3) machen ihre Sache als Hauptfiguren gut, während die restliche Riege dran glauben muss.

Wer "Wrong Turn" mochte kann hier bedenkenlos zugreifen, denn das DTV-Sequel ist fast ebenbürtig. Im Grunde genommen nach dem selben Schema funktionierend, nicht ganz so spannend, aber dafür zackig erzählt und ganz schön blutig, selbst noch in der deutschen Fassung.

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