Review
von Alex Kiensch
Mit der Geschichte um kannibalische Hinterwäldler, die eine Gruppe junger Leute aufrieben, landete "Wrong Turn" einen durchaus nennenswerten Erfolg, auch wenn er gewiss nicht zum Klassiker gereicht. Da nach 2004 eine neue Welle immer härterer Splatterfilme losschlug, war es demnach wohl nur eine Frage der Zeit, bis die erste Fortsetzung auch dieses Streifens gedreht würde.
Überraschenderweise zeichnet sich die Story dieses zweiten Teils dabei durchaus durch einige originelle Aspekte aus: Tief in den Wäldern West Virginias dreht ein Filmteam eine Reality-Survival-Show fürs Fernsehen. Doch was als reißerische TV-Produktion gedacht ist, wird bald zum echten Kampf ums Überleben, als ein Crew-Mitglied nach dem anderen von einer Horde Kannibalen abgeschlachtet wird.
Was die Fortsetzung von ihrem Vorgänger unterscheidet, ist vor allem eines: Die Gewalt hat beträchtlich zugenommen. Standen die Splatter-Szenen im ersten Teil noch hinter dem Kampf der Figuren ums Überleben an, dreht sich hier alles um die exzessiven Gewaltsequenzen. Schon die Einleitung besticht dabei durch eine zwar recht schlecht getrickste, aber immerhin finster originelle Mordszene. Das allein würde "Wrong Turn 2 - Dead End" jedoch nur zu einem unter dutzenden modernen Splatterstreifen machen. Was hier zumindest in der ersten Filmhälfte für einige Unterhaltung sorgt, ist der Aufhänger der Story: Die ansatzweise selbstreflexive Darstellung der Filmcrew und ihres einzig und allein auf Gewinn ausgerichteten Verständnisses von Unterhaltung bietet eine ganze Reihe von Möglichkeiten, den Film mit ironischen Seitenhieben zu versetzen. Und auch die eine oder andere originelle Nebenfigur - allen voran der kriegsgeile Leiter der Survival-Show, der sich schließlich in bester Rambo-Manier in den Kampf mit den Kannibalen stürzt - sorgen für ein wenig Abwechslung im sonst so gut bekannten Splatter-Genre.
Zu schade, dass diese wirklich guten Ansätze dann nicht durchgehalten werden. Von Ironie blitzt nur am Anfang mal ein wenig auf, wenn die Menschenjagd eröffnet ist, wird der Film zum todernsten - und dadurch recht langweiligen - Gut-gegen-Böse-Spiel. Auch nehmen die Dialoge mit fortlaufender Handlung immer mehr an Inhalt und Niveau ab. Und auch die Figuren kommen nicht dazu, ihr Potenzial zu entfalten, weil sie in den meisten Fällen schlicht und ergreifend zu schnell umgebracht werden. Insgesamt kann man dem zweiten Teil der "Wrong Turn"-Reihe bescheinigen, dass er ein Werk der verpassten Gelegenheiten ist. Kaum eines der am Anfang verheißungsvoll aufgebauten Details in Handlung und Figurencharakterisierung wird allzu lange durchgehalten (dabei ist zum Beispiel schon die Survival-Show eine wunderbare Erklärung dafür, warum niemand ein Handy dabei haben darf: Sie mussten vorher abgegeben werden).
So endet der Film schließlich in einer leidlich spannenden, allerdings nicht sonderlich originellen Ekel- und Gewaltorgie, die Splatter-Fans durchaus was zu bieten hat. Zwar kommt hier weder echter Grusel noch Spannung auf, aber dank der teilweise originellen Ausgangslage und der souveränen Inszenierung vermag "Wrong Turn 2 - Dead End" durchaus zu unterhalten, vorzugsweise diejenigen, die noch nicht allzu viele Horrorfilme gesehen haben. Legt man die Messlatte also nicht allzu hoch, kann sich das Einschalten durchaus lohnen.