Review
von Leimbacher-Mario
Backwood Royale
Der erste „Wrong Turn“ war mit dafür verantwortlich zu zeigen, dass Backwoodterror auch im neuen Jahrtausend noch köstlich funktionieren sollte und relativ leicht Gewinn abwerfen kann. Er hat eine der gnädigsten 16er-Freigaben in der deutschen Geschichte erwischt, wurde noch mit namhaften Darstellern fürs Kino gedreht, wirkte null billig oder augenzwinkernd, humorvoll, videothekig oder gar trashig. Er war schlicht und ergreifend ein guter, straighter, knackiger (Monster-)Slasher in den Wäldern West Virginias auf den Spuren von „Deliverance“ und „Texas Chainsaw Massacre“. Aber dass daraus eine der langlebigsten und auch noch (gerade hierzulande!) beliebtesten Horrorfilmreihen werden würde, war meiner Meinung nach nicht abzusehen. Ich dachte, nach dieser obligatorischen, härteren und fetzigeren (aber auch sichtbar kostengünstigeren!) Fortsetzung wäre Sackgasse und Endstation. Falsch gedacht! Bis zum Teil 6 sollten sich noch hungrige Kannibalen und inzestuöse Mutanten durch die Hinterwälder (später leider auch sichtbar Osteuropas) murksen. Mit deutlich und drastisch abfallender Qualität, müssen sicher selbst Fans zugeben. Doch „Wrong Turn 2“ kann noch was, ist satt vorzeigbar und hat womöglich sogar mehr zum Phänomen und Hype des Franchise beigetragen, als das (unerreichte!) Original.
In „Wrong Turn 2: Dead End“ wird im Gebiet der kultigen Kannibalen eine Reality-TV-Show gedreht - was den Speiseplan von Three Fingers und Co. mit lauter dummer C-Promis und nerviger Wannabes füllt... Der zweite Teil ist bei vielen Leuten und Gorehuntern sogar beliebter als der hochwertigere Vorgänger. Bei mir zwar nicht, seine unterhaltsamen und ansprechenden Qualitäten erkenne ich aber neidlos an. Henry Rollins als West Virginia-Rambo ist z.B. ein Highlight der gesamten Reihe. Zudem sehen die „Kannis“ hier noch ordentlich aus und schon im Intro wird spektakulär klargemacht, dass es nun deftig splattert und die meisten Effekte sahen auch noch brauchbar aus, waren nicht alle aus dem Computer. Auch der Sexgehalt wurde hochgedreht (von nun an fester Bestandteil der Reihe!) und das gesamte Konzept macht Laune. Gerade hintenraus zählte „Dead End“ sogar tatsächlich zu einem der brutalsten Dinger seiner Zeit. Da saftet's durch jeden Verband! Sein glatter B-Movie-Look, einige nervige Figuren und Hänger in der ersten Hälfte (nach der spektakulären Halbierung zu Beginn) lassen Abzüge in der B-Note zu. Doch ansonsten ist das einwandfrei und eine sehr splattrige Spassbombe. Alles andere als ein Redneckrohrkrepierer! Und wohl womöglich wirklich der indirekte Startschuss... u.a. auch für Bootlegger und Börsenhändler in good 'ol Deutschland auf Grund den Schwierigkeiten mit dem „Jugendschutz“. Dazu aber in den Reviews zu den weiteren Sequels mehr von mir.
Fazit: Birkenwald Brother?! Der eigentliche Ursprung und Grundstein der Reihe?! Für viele ja, für mich nur teilweise. So oder so: „Wrong Turn 2“ hat eine nette Idee, macht zeitweise richtig Laune, ist gerade hintenraus unfassbar saftig und bringt tolle Matschereien mit Three Fingers und Co. ins Wohnzimmer. Aber irgendwie schüttelt er für mich seine billige, trashige, gewollt coole Art und totale Oberflächlichkeit nie genug ab um wirklich klasse zu sein. Aber von den Tiefpunkten der kultigen Reihe ist er noch viel weiter entfernt... Den darf man noch ohne schlechtes Gewissen gut finden!