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20 Jahre lang war das Bild des zweiterfolgreichsten Superhelden Amerikas (nach Superman) in der Film- und Fernsehlandschaft stark von der albernen TV-Serie aus den 60er Jahren (die aber dank ihres kindlich/naiven Charmes heute Kultstatus genießt)
geprägt. Ende der 80er schließlich sollte es zu einem ernsthaften Versuch kommen, den von Bob Kane erfundenen, düsteren Comic-Helden auf die Leinwand zu bringen. Dabei hatte das Produzenten-Gespann Jon Peters / Peter Guber ein glückliches Händchen bei der Besetzung wichtiger Positionen. Zunächst einmal das Tim Burton die Regie anvertraut wurde, mit seinem Hang zum Morbiden war er genau der richtige Mann um die gothisch / düstere Stadt Gotham City in Szene zu setzen. Und dann gelang es ihnen für die Rolle von Batmans Erzfeind Joker Jack Nicholson zu gewinnen, bei dem auch niemand den geringsten Zweifel daran hegte, dass er dafür die Idealbesetzung sei. Und mit der Besetzung des Helden Batman selbst kam man dann mit einer echten Überraschung. Michael Keaton, bis dahin eher der Mann für softere oder (wie in „Beetlejuice“) für komische Rollen, sollte den dunklen Wächter der Nacht spielen. Dies sorgte für Proteste bei langjährigen Batman-Fans, die dann aber von Bob Kane persönlich beschwichtigt wurden. Eine solch unerwartete Darsteller-Wahl hat nicht selten positive Folgen (ähnliches geschah ja auch über 10 Jahre später bei der Wahl Tobey Maguires für die Titelrolle in „Spider Man“) und so war es dann auch. Keaton erwies sich tatsächlich als Ideal-Besetzung, konnte er doch sogar im Batman-Kostüm mit der dazugehörigen Maske noch Emotionen vermitteln. Ihm gelingt es im Film (fast) eine angemessene Präsenz gegenüber seinem Gegenspieler Joker zu entwickeln, doch letztlich strahlt Nicholson doch ein bisschen mehr, was aber auch an seiner Rolle an sich liegt. Die ist nun mal bunter und ausgeflippter.
Der Film selbst hat von dem skurillen Humor der alten Serie so gut wie gar nichts übernommen. Burtons „Batman“ besinnt sich mehr auf die düsteren Aspekte der Comic-Reihe und ist besonders von „Batman – The Dark Knight“ beeinflusst, ein Comic-Heft das 1986 erschien (und auch von dem 1988er Heft „The Killing Joke“ in Deutschland „Bitte lächeln/Lächeln bitte“, wo die Vergangenheit des Jokers beleuchtet wird). Auf die Gestaltung der Stadt Gotham City wurde hierbei folglich besonderen Wert gelegt und der Produktionsdesigner Anton Furst (inzwischen leider verstorben) wurde hierfür auch mit dem Oscar prämiert. Es ist eine düstere, apokalyptisch anmutende Version der Stadt New York. Der Name Gotham in Gotham City erinnert ja auch nicht von ungefähr an „Gothik“ und die Stadt wirkt im Film auch wie eine Mischung aus Fritz Langs Metropolis und dem viktorianischem London aus unseren Gruselvorstellungen.
Hier spielt sich nun die, gar nicht mal schlecht geschriebene, Geschichte unseres Helden Batman und seines Widersachers Joker ab. Dabei lässt man sich genügend Zeit für die „Entstehung“/Entwicklung des Bösewichts und beleuchtet die Hintergründe von Batman bzw. Bruce Waynes (für die Paar dies nicht wissen, der Multimillionär, der hinter Batmans Maske steckt) erst nach und nach im Verlauf des Films. Dabei erscheint der Held hier, gemäß seiner Erscheinung, alles andere als makellos. Wie im Comic so ist er auch hier ein Besessener, für den der nächtliche Kampf gegen das Verbrechen mehr eine Therapie und keine bloße Selbstaufopferung ist.
Den Zweck der Enthüllungen von Bruce Waynes Charakter erfüllt hier die, von Kim Basinger gespielte, Journalistin Vicky Vale, deren romantische Verstrickungen mit dem Helden für die wenigen lahmen, uninteressanteren Momente in „Batman“ sorgen.
Schade ist nur, dass für die Geschichte des Jokers nicht mehr Zeit blieb. In dem oben bereits erwähnten „The Killing Joke“ wurde er als ehemals glückloser Komiker dargestellt, der einen ähnlichen Schicksalsschlag wie einst Batman erleidet (er verliert seine schwangere Frau) und bei einem erzwungenem Einbruch in eine Chemiefabrik auf Batman stößt. Dies hat dort ähnliche Folgen wie im Film und er wird zum Joker. Dies hatte dem Bösewicht eine tragische Note verliehen, doch im Film ist er schlicht ein abgrundtiefer Bösewicht. Seine psychische Labilität vor seiner Entstellung wird zwar erwähnt, aber nicht erläutert. Interessant ist aber, dass man aus dem Joker auch, abweichend von den Comics, den Mörder von Batmans Eltern gemacht hat, so dass dieser quasi Batman schuf. Dieser wiederum ließ ihn in das Chemiebecken stürzen und schuf somit den Joker. So sagt Batman zum Schluss auch zum Joker: „Ich bin dein Produkt und du bist mein Produkt“. So wurde der Bösewicht in diesem Film zum Spiegelbild des Helden gemacht.
Diese Verbindung bringt aber eine wichtige Abweichung von den Comics, die von deren Fans nach wie vor kritisiert wird, nämlich, dass Batman im Film tötet. Dies war dramaturgisch eigentlich fast eine Notwendigkeit, da sich das Kinopublikum in sich abgeschlossene Geschichten wünschte (oder zumindest war es in den 80ern haupt-sächlich solche gewöhnt).
Doch insgesamt bietet Tim Burton in seiner Umsetzung eine interessante Konstellation der schillernden Comic-Figuren vor einer fasznierenden, düsteren Kulisse. Dabei darf es an Action natürlich nicht fehlen, doch wird diese zunächst noch eher sparsam eingesetzt. Erst in der zweiten Hälfte geht es dann richtig los, kommt zunächst das Batmobil und dann, in einem großartigen Finale, das Batwing (Düsenjet in Form einer Fledermaus) zum Einsatz. In dem, geradezu grotesk hohem, Glockenturm der Kathedrale, kommt es dann zum endgültigen Schlagabtausch zwischen Batman und dem Joker bzw. seinen Schlägern. Dieser Kampf wurde, passend zum Dekor, von Burton wie ein Ballett inszeniert und von Danny Elfman mit entsprechender Musik unterlegt. Dieser komponierte für „Batman“ übrigens eine seiner besten Scores.
Somit ragt Tim Burtons „Batman“ weit über dem Durchschnitt der Comic – Verfilmungen heraus, galt jahrelang als die beste überhaupt. Allenfalls „Spider Man“ kann ihn toppen. Auch beim wiederholten Sehen, sehr unterhaltsam.

9/10

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