Review

kurz angerissen*

Wenn Christopher Lee und Peter Cushing gemeinsam Zug fahren, liegt doch bestimmt irgendwo etwas Altes in einer Kiste herum, das unter höchster Gefahr für Leib und Leben von A nach B transportiert werden soll. Und in der Tat funkelt da ein diabolisches Auge aus einem Guckloch, bereit, einen Ausbruch in Angriff zu nehmen und die komplette Zuggesellschaft in Angst und Schrecken zu versetzen. Dass dabei ausnahmsweise mal keine Fangzähne zum Einsatz kommen, ist nur eine der unzähligen Erfrischungen, die dieses durchschaubare, aber schwer unterhaltsame B-Movie zu bieten hat.

Das beginnt schon mit den Klischee-Gestalten aller möglichen Nationen aus dem asiatischen Raum, die am Bahnsteig herumlungern. Chinesen mit Kegelhut und gefalteten Händen unter weiten Ärmeln sieht man normalerweise in Lucky-Luke-Comics, hier verrichten sie in Live-Action ihr neugieriges Werk. Hinzu gesellen sich Kosaken und lustige Bosniaks, die alles, was die Chinesen mit mythologischem Zauberstaub versehen, mit russischem Pragmatismus weglachen. Klar, dass sich ein Telly Savalas in der Rolle des Anführers einer solchen Truppe vollkommen wohl fühlt. Nicht zu vergessen, ein allwissender Rasputin-Verschnitt (Alberto de Mendoza), der respektvoll-ehrfürchtig mit Lees ominösen Koffern umgeht und sich nicht ganz unerwartet im weiteren Verlauf opportunistisch zeigt - ein Überlebenskünstler alter Schule eben, der Mann mit dem zotteligen Kinnbart.

Es dauert nicht lange, da beginnt auch schon der fröhliche Einsatz schriller Make-Up-Effekte. Die Tricks sind simpel und verraten ihre Machart, haben aber zweifellos ihren Charme. Verzerrte Gesichter mit weißen Augen deuten auf das Wirken einer ominösen Kreatur hin, die Sezierung eines Gehirns, dessen Falten allesamt geglättet wurden, vermittelt ein herrlich naives Wissenschaftsbild. Die Kreatur selbst ist zunächst ein halb aufgetauter Ötzi, der zunächst in Form von Close Ups eines vermoderten Gesichts und behaarter Armprothesen in Erscheinung tritt, wobei das Skript diesbezüglich noch eine faustdicke Überraschung zu bieten hat, mit einer Wendung, die das Einfangen des Entflohenen wesentlich erschwert - und den Spaßfaktor erhöht.

Auch wegen der fahrenden Kulisse mitsamt schwerer, wertiger Ausstattung wird "Horror Express" dadurch zu einer launigen Variation des bekannten "Whodunit", sofern man willens ist, einen gehörigen Schlag Story-Trash zu schlucken, ohne seine Glaubwürdigkeit zu hinterfragen. Wem konventionelle Detektivfilme und Krimis aus jener Zeit zu altbacken sind, der könnte hier mal einen Blick riskieren.

*weitere Informationen: siehe Profil

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