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Monster im Orientexpress

Cushing und Lee in einem Zug gegen ein grausames, körperwechselndes Alien?! Das klingt nicht nur klasse, diese spanisch-britische Produktion ist auch ohne Credits der Hammer Studios eine wahre Perle seiner Zeit. Kein ganz Großer, aber unheimlich sympathisch. Eine gesunde Mischung aus Euro-Trash und klassischem Grusel. Speziell, kurzweilig und auf seine Art recht stylisch. Die Geschichte spielt zu Beginn des letzten Jahrhunderts und der leicht angegilbte Look verströmt dieses Feeling fabelhaft. "Horror Express" war einer der ersten Grusler, den ich damals als Kind im Fernsehen erwischte und daher hat er natürlich ein paar Bonuspunkte bei mir persönlich inne. Selbst wenn durch das ständige Kissen-vor-die-Augen-halten nur Fragmente in Erinnerung blieben, ist meine damalige Angst vor diesem haarigen Tarnwesen noch immer greifbar. Diese Hand, diese Augen, diese Macht. Oder so ähnlich. Ihr kennt das ja von damals. Don't call it rosarote Brille.

Heutzutage wirkt der zügige Grusler eher unterhaltsam als furchteinflössend. Doch das stört mich nicht im Geringsten. Ich habe ihn sehr lieb gewonnen, eigentlich nie aus den Augen oder dem Herzen verloren oder verbannt. Zum Glück. Er verbindet altmodische Attribute mit blutigen Effekten und zwei der größten Stars, die das Horrorgenre je hatte. Ich kann ihn mir immer wieder geben, er scheint weder zu altern noch langweiliger zu werden. Er ist sicher in meiner Top 5 von Horrorfilmen, die in einem Zug spielen. Eine eher mäßig frequentierte Subabteilung, zugegeben, aber immerhin. Als ob Lucio Fulci zu viel Agatha Christie gelesen hätte. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass auch Carpenter sich hier für sein Ding aus einer anderen Welt Inspirationen geholt hat. Draußen ist es kalt und eisig, drinnen wohlig und gemütlich. Und genau so fühlt sich auch dieser pulpige Euroschocker an. Fast wie nach Hause kommen. Oder eben wieder auf die Couch mit den weichen, schützenden Kissen.

Fazit: Hammer ohne Hammer. Es fährt ein Zug, nach Gruselwo... "Horror Express" ist ein Exot des europäischen Gothic Horrors. Trashig, mit erstaunlich ernster Miene, sehr lässig und gut weg zu gucken. Für mich ein Erfolg auf ganzer Linie. 

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