Auf einer Skala von 1 – 10 der unangenehmsten Menschen würde Melvin Udall sicher die 11 erreichen. Als Misanthrop tut er, was er kann, um seinen Mitmenschen das Leben schwer zu machen, besonders sein schwuler Nachbarn Simon bekommt tagtäglich die volle Ladung Melvin in Form von blöden Sprüchen zu hören. Nur eine kann Melvin Paroli bieten, die Kellnerin Carol. Als diese Melvin eines Tages nicht mehr bedienen kann, weil sie sich um ihren kranken Sohn kümmern muss, verändert sich Melvin spürbar. Nicht nur bezahlt er einen Arzt für das Kind, nach und nach lässt auch etwas von seiner Abneigung gegenüber anderen Menschen nach.
Jack Nicholson hat sich inzwischen ja auch auf dem Gebiet der Komödie gut eingelebt. Bei besser gehts nicht gibt er eine Paraderolle als eine Mischung aus Mr. Scrooge (alt, verbittert, unausstehlich) und Mr. Monk (neurotisch, Berührungsängste) ab. Er arbeitet und lebt in seiner Wohnung und verläßt diese lediglich, um in seinem Stammlokal etwas zu Essen. Ansonsten geht er seinem schwulen Nachbarspärchen, seiner Kellnerin und auch sonst der ganzen Welt tierisch auf den Geist. Man kann jedenfalls recht schnell erahnen, das die Story nur um die geistige Wandlung dieses Mannes gehen kann.
Wie diese dann zustande kommt, hab ich aber komplett nicht verstanden. Seine Lieblingskellnerin, die er vorher behandelt hat wie die Reste einer zertretenen Kakerlake, hält ihm eine Standpauke und von da an kann er mit Hunden, ist viel netter zu seinen Nachbarn und er sucht sogar die Liebe zu der Kellnerin. Also für jemanden der sein ganzes Leben ein egozentrisches Ekel war, geht das für meine Begriffe etwas zu einfach.
In Sachen Humor geht es eher dezent zu, der bissigste und beste Gag wird gleich zu Beginn erledigt, als Melvin den Nachbarshund auf die unerfreuliche Reise in den Müllschacht schickt (natürlich überlebt der dieses). Sonst geht es eher subtiler zu, wenn sich beispielsweise die drei sympathischen Charaktere näher kommen und später sogar zusammen nach Baltimore fahren. Melvin läßt immer noch ein paar fiese Sprüche los, ist zudem recht unbeholfen in seinen Liebesbemühungen, wobei jeder ahnt wie der Film am Ende nur ausgehen kann.
Manchmal neigt Besser gehts nicht zur Zuckrigkeit, kratzt manchmal die Grenze zum reinen Drama, lebt aber hervorragend von seinen tollen Figuren. Der Humor hätte gern noch ein wenig schwärzer ausfallen dürfen, aber Jack Nicholson der das Vollblut Ekel voll ausleben darf, ist allein das EIntrittsgeld wert. Er ist klar der Star der Show, wobei Greg Kinnear und Helen Hunt auch sehr gute Leistungen abliefern. Ein Nicholson Fest für Fans, wobei ich aber gern noch öfter gelacht hätte.
6/10