Man muss es ja mal sagen: Trotz Oscargewinn und Medienhype ist die Anzahl wirklich sehenswerter Filme mit Halle Berry äußerst klein und auch „Perfect Stranger“ gehört nicht dazu.
Rowena Price (Halle Berry) ist Journalistin und Expertin darin Dreck hervorzuwühlen. Mit Hilfe des Computerfreaks Miles (Giovanni Ribisi) und des nötigen Equipments kann sie stichhaltige Beweise für ihre Storys sammeln und unter anderem einen erzkonservativen Senator als schwul entlarven – bis der Chef der Story kippt und Rowena wütend kündigt. Wir haken auf dem Reißbrett ab: Fähigkeiten der Helden erklärt, freie Zeit für die nächste Ermittlung begründet und gleichzeitig noch Sympathien für die toughe Frau in der bösen Männerdomäne geschaffen.
Von einer alten Bekannten wird Rowena dann auch direkt auf die nächste Story gebracht: Die Frau behauptet ein Verhältnis mit Harrison Hill (Bruce Willis), dem Chef der erfolgreichsten Werbeagentur der Stadt, gehabt zu haben. Mit einer Story über dessen Untreue im ehelichen Bereich könnte Rowena wieder groß herauskommen, doch sie bleibt vorsichtig. Kurz darauf wird die Bekannte jedoch tot aus dem Fluss gezogen und damit wäre dann auch klar, dass mehr an der Geschichte dran sein muss.
Mit Hilfe von Miles verschafft sich Rowena eine Stelle bei Hills Unternehmen, um den Geschäftsmann auszukundschaften und gleichzeitig Beweise zu sammeln, dass er der Mörder ist. Doch der smarte Ehebrecher ist gut abgesichert...
Im Zuge von „Basic Instinct“ hatte Hollywood Anfang der 90er diverse, meist wenig gelungene Erotikthriller ans Licht gezerrt und auch „Perfect Stranger“ würde ansatzweise zu dieser Welle passen, wenngleich das Berry-Vehikel auch in dieser Hinsicht ziemlich lahm bleibt. Obsessionen amouröser und sexueller Natur treiben zwar auch hier diverse Beteiligte, aber außer etwas Holzhammererotik schlägt sich das im Film kaum wieder, zumal die meisten Verführungsszenen auch noch reichlich hölzern gespielt sind.
Auch vom Plot her kann „Perfect Stranger“ jedoch kaum reizen, da Regisseur James Foley keinen durchgehenden Spannungsbogen aufbaut. Rowena ermittelt mal hier, mal da, chattet anonym mit Hill oder versucht an seine Daten zu kommen, das war es. Gelegentlich werden Hindernisse eingebaut, welche die Sache mal etwas interessanter machen (z.B. die unerwartete Firewall), doch insgesamt plätschert „Perfect Stranger“ meist vor sich hin. Das ist schade um einzelne Spannungspassagen und die wenig kreative, aber immerhin recht schicke Inszenierung, die zu den wenigen Pluspunkten des Films gehört. Verdächtige präsentiert Foleys Werk in geringer Zahl, viele Nebenfiguren wie den Ex-Freund Rowenas, der auch eine Affäre mit der Ermordeten hat, zeigt „Perfect Stranger“ so wenig, dass sie als Verdächtige kaum in Frage kommen.
So kommen dann schlussendlich nur wenige Figuren in Frage, der erste scheinbare Schuldige ist es natürlich nicht, also muss noch ein komplizierter Schlusstwist her, weil es die letzten Jahre ja so Mode war. Im Gegensatz zu Werken wie „Wild Things“ oder „Saw“ erweist sich besagter Kniff bei „Perfect Stranger“ dann als reichlich bekloppt und total überkompliziert, auch wenn man damit nicht wirklich gerechnet hat (dies allerdings vielleicht, weil es kaum Sinn macht). Zudem verhalten sind viele Figuren gegen Ende des Films nur unlogisch. *SPOILER* Gerade Miles, der als Superhirn erst hinter das Geheimnis kommt, sich dann aber so unvorsichtig und dumm verhält, dass er natürlich dahingemetzelt wird. Von der behämmerten Idee eine akustische Spur zu seinem achso geheimen Keller zu legen gar nicht zu reden. *SPOILER ENDE*
Um die Sache dann noch zu krönen, spielt Halle Berry hier teilweise echt erbärmlich schlecht, obwohl sie es eigentlich besser kann. Szenen wie z.B. der Wutausbruch ihrem Chef gegenüber wirken aber so gekünstelt und unecht, dass ihr die Figur meist gar nicht abnimmt. Bruce Willis hat überraschend wenig Screentime, schafft es aber, dass man ihm den nicht mehr ganz so jungen Verführer zu jeder Zeit abnimmt. Giovanni Ribisi overactet hier an einigen Stellen, hat aber als unglücklich in Rowena verknallter Freund eine durchaus starke Rolle und überzeugt dann, wenn er nicht so überzogen spielt.
Als Versuch einen raffinierten Thriller zu drehen, ist „Perfect Stranger“ definitiv gescheitert. Ein paar spannende Momente hat der Film ja, Bruce Willis überzeugt, Giovanni Ribisi meistens, doch ansonsten ist James Foleys Film unspannend, unlogisch und am Ende einfach hoffnungslos zusammenkonstruiert. Allerdings kommt die Auflösung zu einem Zeitpunkt, wo sie eh keinen mehr interessiert, man hofft nur noch, dass der Film bald vorbei ist.