Legenden unter sich
Von Größenwahn, Expansionsdrang, Bruderschaft, Gottkomplexen und „fremden Ländern, fremden Sitten“ - kein Geringerer als John Huston lässt Michael Caine und Sean Connery (!!) als britische (Ex-)Soldaten durch Indien (obwohl in Marokko gedreht) ziehen und die einheimische Bevölkerung ausbilden, hinter sich bringen, vor allem vorgaukeln, sie seien noch mehr, als sie eigentlich sind…
Eine Krone trägt auf
Mit Epen, Männerkino und Kinomomenten sowie -Monumenten kannte sich kaum einer besser aus als John Huston. Und wenn ein derartiger Meister seiner Zunft und Zeit zwei damals schon Schauspiellegenden in ein Wüstenabenteuer für die Ewigkeit schickt, sollte das doch ein sicherer Klassiker sein, den jedes Kind kennt, oder? „Der Mann, der König sein wollte“ beweist das Gegenteil, zumindest in seinem Bekanntheitsgrad. Noch immer kennen den viel zu wenige. In Sachen Qualität und Größe füllt er seine Schuhe aber ohne Frage prall. Über Götzen und Gold, über Generäle und Götter, über Freunde und Verführung, über Schicksal, Glauben und Verderben. Caine und Connery haben eine grandiose Chemie. Charisma, Talent und Charme eh. Die Landschaften Marokkos strahlen in einer Kinograndeur, wie man sie selten gesehen hat. Die meisten Konflikte sind innere, die Charakterentwicklungen und moralischen, ethischen wie menschlichen Fragen dringen tief. Das Drehbuch, die Dialoge sind scharf und perfekt ausbalanciert. Die Töne sind imposant, die Komparsen strömen in Tausenden, im Grunde auch im selben Fluss wie Coppolas „Apocalypse Now“. Vor allem Connerys Abdriften in Wahn, Gier und Macht können sich sehen lassen. Wenn man sich nur lang genug selbst anlügt, glaubt man irgendwann vielleicht den gefährlichsten Irrsinn. Als grausame Metapher auf den Kolonialismus funktioniert's obendrauf. Und dann komprimiert Huston das Teil sogar noch auf nichtmal viel mehr als zwei Stunden. Wobei man nie das Gefühl hat, hier fehlt etwas oder hier wurde extrem viel gekürzt. „The Man Who Would Be King“ ist vielleicht kein „Lawrance von Arabien“ - aber er kann, nein muss dennoch jedem empfohlen werden, der auf diese Art von Breitwandspektakel steht!
Fazit: tolles Marokko, erstaunlicher Kolonialismus, abenteuerliche Reise, legendäre Typen und ein Regisseur, der in seiner Paradedisziplin genau weiß, was er tut. All das macht „The Man Who Would Be King“ zu einem monumentalen Geheimtipp!
P.S.: Mit einem der gruselig-schönsten letzten Shots der Filmgeschichte!