Die seit einem Reitunfall erblindete, junge Sarah ist zu Gast auf dem abgeschiedenen Landsitz ihrer Verwandten... und als sie von einem Treffen mit ihrem Freund Steve in das geräumige Anwesen zurückkehrt und sich bettfertig macht, realisiert sie nicht, dass sowohl ihr Onkel George als auch dessen Ehefrau Betty und deren Tochter Sandy während ihrer Abwesenheit von einem Unbekannten ermordet wurden. Es dauert bis zum nächsten Morgen, bevor sie die Leichen entdeckt und in Panik gerät, denn der Killer hat am Vortag offenbar ein silbernes Armband verloren, auf dem sein Name eingraviert ist und ist nun natürlich wieder auf dem Weg zum Tatort, um es sich zurückzuholen... Terror mit 'ner Blinden ist mal wieder angesagt, in "Stiefel, die den Tod bedeuten" allerdings nicht in annähernd so ausgefeilter und virtuoser Form wie noch ein paar Jahre zuvor in Terrence Youngs "Warte, bis es dunkel ist", der wohl auf ewig das Glanzstück dieser Sparte bleiben wird. Dort war es Audrey Hepburn, die sich als vermeintlich hilfloses Opfer den Attacken einiger Fieslinge ausgesetzt gesehen hat, hier ist es Mia Farrow, die bereits in "Rosemaries Baby" schwer gebeutelt wurde und es in diesem rauen 70s-Vertreter eines Psycho-Thrillers nun mit einem anonymisierten Mörder zu tun bekommt, der offenbar zufällig und grundlos mordet und auf die Art den echt angstmachenden Alltags-Horror von Peter Bogdanovichs "Bewegliche Ziele" in Proto-Schlitzerfilm-Bahnen lenkt und einen wichtigen weiteren Schritt in Richtung Michael Myers, Jason Voorhees & Co tut... oder so zumindest in der Theorie, denn in der Praxis waren die Regeln und Funktionsweisen des Slasherfilm-Sujets 1971 echt noch nicht in Stein gemeißelt und so dürfte dem heutigen Betrachter das Ganze in der vorliegenden Form ein wenig neben der Spur erscheinen. Hollywood-Veteran Richard Fleischer, dier hier ausnahmsweise mal in England gedreht hat, inszeniert die Angelegenheit größtenteils fachmännisch und auf angemessene Nervenstrapaze hin, aber verhindert dadurch nicht, dass sein Film 55 Jahre später doch ein wenig angestaubt wirkt und - nach unzähligen weitaus krasseren Streifen dieser Sorte - mittlerweile einen Großteil seiner ursprünglichen Wirkung eingebüßt hat: So geschehen die Morde nur im Off und statt seine Identität mit einer Maske zu verbergen, sieht man als Zuschauer von dem Täter halt immer nur die Stiefel, was den etwas merkwürdigen und ein wenig bescheuert klingenden deutschen Titel nach kurzer Zeit schon wieder recht passend erscheinen lässt. Leider dauert es echt lange, bis der reine Thriller-Part der Handlung startet, so dass man als Zuschauer da erst mal eine halbe Stunde mehr oder minder langweiliger Exposition über sich ergehen lassen muss (und das bei einer Gesamtlaufzeit von nicht mal 90 Minuten inklusive Abspann). Gänzlich indiskutabel ist dann auch das schlappe Finale, bei dem der Killer statt des erwarteten Kampfs auf Leben und Tod während eines ausgedehnten Showdowns mit der Farrow einfach nur von ihrem Boyfriend ein paar in die Schnauze gehauen kriegt und damit schon bedient ist. Auch nicht wirklich toll: Elmer Bernsteins übertriebener Score, der mit seiner pompösen Orchestrierung immer wieder die beabsichtigte Stimmung zunichte macht. So funktioniert "Stiefel, die den Tod bedeuten" für mich persönlich heutzutage leider nicht mehr ganz so gut, wie er es wohl noch zur Entstehungszeit getan hätte und schlägt damit - trotz kleinerer innovativer Spitzen und solidem Handwerk - allenfalls als mittelprächtiger Genre-Vertreter zu Buche, der leider recht schlecht gealtert ist...
5/10