Nach einer wahren Begebenheit: Warren Beatty spielt den Gangster Bugsy Siegel, der von New York nach Los Angeles reist, um sich um seine Geschäfte zu kümmern, wo er sich in ein Starlet, gespielt von Anette Bening verliebt. Dann beschließt er in Las Vegas ein Luxuscasino zu bauen, als sich der Bau dann jedoch immer weiter in die Länge zieht, wird sein Geldgeber, gespielt von Ben Kingsley, ungeduldig.
Die Biografie von Bugsy Siegel ist zunächst einmal recht interessant und nur ein Jahr zuvor hatte Martin Scorsese mit "Goodfellas" vorgemacht, wie man die Biografie eines Gangsters interessant auf die Leinwand bringen kann. Nur leider war es nicht Scorsese, der sich der Thematik annahm. Regie führte mit Barry Levinson im Endeffekt zwar ein durchaus talentierter Regisseur, was man dem Film auch ansieht, aber einen Fehler macht Levinson, der zuvor mit "Rain Man" und "Good Morning, Vietnam" sehr positiv in Erscheinung getreten war dann doch, ihm gelingt es nicht, den Stoff wirklich interessant und mitreißend auf die Leinwand zu bekommen.
Levinson legt viel Wert auf äußere Opulenz. Die Kulisse ist überaus stilvoll, wie es beispielsweise bei Scorseses "Casino" der Fall ist, es gibt immer mal wieder auf Hochglanz polierte Festsäle zu sehen, die Ausstattung ist ebenfalls vom Feinsten und auch die Garderobe ist mehr als gelungen. Die Filmmusik, von keinem geringeren als Ennio Morricone komponiert, ist ebenfalls geschmackvoll und perfekt auf die hervorragende Optik abgestimmt. Darüber hinaus verwendet Levinson ein langsames Erzähltempo, um das ästhetische Werk nicht zu überhasten. Trotz der aufwendigen Inszenierung bietet "Bugsy" jedoch nicht mehr als mittelmäßige Unterhaltung, da Levinson die interessante Geschichte leider höhepunktslos ohne einen wirklich spannenden oder dramatischen Aufbau in einem zäh dahinfließenden Erzähltempo auf sein Ende zulaufen lässt, womit er sehr viel Potential verspielt. Der Beziehung von Bugsy zu seinem Starlett gesteht er dabei zu viel Raum ein und erzeugt so leider einige Längen, weswegen der Film höchstens in den letzten Minuten über einen soliden Unterhaltungswert hinauskommt.
Dass Levinson seine Geschichte nicht sonderlich ansprechend serviert ist nicht nur schade um die stilvolle Machart, sondern auch um den hervorragenden Cast. Warren Beatty, der auch als Produzent fungierte, beeindruckt durch eine rundum gelungene Darstellung des Gangsters und hat sich seine Oscar-Nominierung für seine realistische und intensive Darstellung auf jeden Fall verdient. Harvey Keitel, der sich nach "Resevoir Dogs" und vor "Thelma and Louise" auf dem Höhepunkt seiner Karriere befand, macht sich ebenfalls hervorragend und hat sich seine Oscar-Nominierung damit auch redlich verdient. Der dritte Oscar-nominierte Darsteller ist Ben Kingsley, der mit kühlem Charisma und einer beängstigend guten Leistung als Gangsterboss voll und ganz überzeugt. Und auch der restliche Cast ist nahezu perfekte besetzt, wobei vor allem Anette Bening als Starlet sehr positiv auffällt.
Die Charakterkonstruktion der Hauptfigur gelingt solide, ist aber leider nicht so realistisch, wie sie es sein sollte. Bugsy wird übertrieben als Idealist dargestellt, der seinen naiven Traum von einem Luxuscasino mit Hotel mit aller unbedingt realisieren will und die ganze Zeit seinen beinahe kindischen Glauben an die Treue seiner Geliebten und die Gutmütigkeit des Gangsterbosses beibehält. Den Nebenfiguren sind ebenfalls solide konstruiert. Auch hier bleibt es leider bei der Grundschwäche des Films: Viel äußere Opulenz und nicht sonderlich viel dahinter.
Fazit:
Barry Levinson inszeniert sein Gangster-Epos nach wahrer Begebenheit rundum stilvoll und ästhetisch, vernachlässigt es dabei jedoch, die interessante Biografie seines Gangsters interessant und dramatisch zu gestalten, sodass sich "Bugsy" höhepunktslos und mit einem mittelmäßigen Unterhaltungswert auf sein Ende zubewegt. Teilweise kompensiert der hervorragende Cast diesen Fehler, ein zweites "Goodfellas" gelingt Levinson hier leider dennoch nicht.
62%