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Die ultimative Screwballcomedy-Hommage, ein genialer Haufen Slapstick und Burleske und reichlich Figurenwitz, das alles ist "Is was, Doc?", vielleicht eine der meistunterschätzten Komödien überhaupt, wenngleich im Kino ein Riesenerfolg.

Vielleicht liegt es daran, daß Peter Bogdanovichs Film an sich eine Hommage war, die intelligenteste Aufarbeitung von Papas bzw. Opas Kino für die modernen 70er. Vielleicht liegt es auch daran, daß man ein gewisses Alter haben muß, um den Film richtig lustig zu finden.

Ryan O'Neil und Barbra Streisand, sie sind die Screwball-Comedy im besten Stile von Hepburn/Grant. Er der schusselige Musikprof, sie die intelligente, wenn auch ungeschickt-zerstörerische junge Frau. Sie hängt sich an ihn, wirbelt sein Leben und seine Verlobte durcheinander. Die ist natürlich ein Monstrum und er wird den halben Film brauchen, um von ihr loszukommen. Und noch einen halben, um die Richtige für sich zu erkennen.

Es wäre aber zu einfach, wenn es bei diesen persönlichen Verwicklungen bliebe. O'Neal nimmt an einem Musikwissenschaftswettbewerb teil und muß sich beim Komitee beweisen und einen Konkurrenten abwehren.
Um die Sache noch zusätzlich kompliziert zu machen, kommt auch noch der Verwechslungsfaktor hinzu. Sowohl O'Neals musikalische Steinsammlung als auch die Garderobe von Miss Streisand befindet sich in einer karrierten Reisetasche. In einer dritten befinden sich entwendete Regierungsdokumente und in einer vierten gestohlene Juwelen. In einer kaum zu beschreibenen Abfolge wechseln diese Taschen nun während einer Nacht mehrfach den oder die Besitzer, so daß jetzt und später im Film immer der Falsche die noch fälschere Tasche hat, denn zwei Personen jagen die Dokumente und die Juwelen wollen auch erst mal versteckt und wiederbeschafft sein.

Diese Handlungsstränge führt Bogdanovich zu irrwitzigen Situationen zusammen, einer köstlichen Szene an einem Dinnertisch (oder darunter), in der die Teilnehmer teils miteinander (aber dafür mehrere gleichzeitig), teils total aneinander vorbei und teilweise mit dem Publikum reden. Die Pointen und One-Liner fliegen nur so dem Publikum um die Ohren und jeder Charakter wird auf Teufel komm raus ausgespielt, augenzwinkernd, fein oder derb. Der Aufenthalt in den Hotelzimmern taugt für eine Menge Slapstick und Zerstörung in bester Laurel und Hardy-Tradition und die Preisverleihung dient zu einem apokalyptischen Höhepunkt, wenn alle Beteiligten und Taschen zusammengeführt werden.

Was dann jedoch noch folgt, ist das, was auch Kindern den meisten Spaß bereiten dürfte. Eine fast zwanzigminütige Verfolgungsjagd quer durch die bergigen Straßen San Franciscos mit einem Fahrrad, einem VW-Käfer und diversen Verfolgern in Autos. Seit "It's a mad mad mad mad World" gab es keine intensivere und detailreichere Autoverfolgungsjagd auf den leergeräumten Straßen, die an die Keystone Cops oder Chaplin gemahnt. Da wird kein Klischee ausgelassen (die Raserei durch den nassen Beton, das Fahren um eine mitten auf der Straße stehende Leiter samt Mann und zwei Typen, die eine riesige Glasscheibe tragen), ehe alles in der Bucht von San Francisco endet.

Aus dem nicht mehr zu beschreibenden Chaos macht Bogdanovich dann noch eine schreiend komische Szene vor Gericht, in der ein kurz vor dem nervösen Zusammenbruch stehender Richter versucht, aus den vierzig Beteiligten den Filminhalt logisch zu folgern.
"Is was, Doc?" endet natürlich happy, mit einem glücklichen Paar und einem genialen Schlußsatz, mit dem O'Neil seine eigene Triumpfrolle aus "Love Story" total verarscht. Der Film will auch gar nichts anderes als unterhalten und albern sein und das Schlußbild aus einem Bugs-Bunny-Elmer-Fudd-Cartoon deutet die Nähe zum Comic überdeutlich an. Es ist eine turbulente Farce voll mit tausenden von Details und kleinen witzigen Extras, die zum Nacherzählen einladen. Ein hundertprozentig intelligentes Chaos und brüllend witzig - dazu paßt Champagner. Für die Ewigkeit! (10/10)

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