Wenn man bei der Suchmaschine Google die Tags "ähnliche Filme wie [Stirb langsam]" eingibt, rollen sich mir die Fußnägel auf, was es da scheinbar an ähnlichen Filmen gibt: "Airforce One", "Das Schweigen der Lämmer", "Sieben", "New Jack City" nur um mal einige zu nennen.
Es gibt vielleicht mehr Duplikate, aber mir kommen momentan nur drei in den Sinn: Der hervorragende "Sudden Death" mit einem überragenden Jean-Claude Van Damme, "Alarmstufe Rot" mit einem noch etwas schlankerem Steven Seagal und eben "Boy Soldiers", der ebenfalls in diese Richtung geht, aber auch eine leichte Brise von Teeny-Komödien mitbringt, obwohl er (so wie wir es aus den 90ern gewohnt sind) harte Kills mit aufplatzenden, roten Körpertreffern mit sich bringt.
Die Kumpels Joey Trotta (Wil Wheaton), Snuffy Bradberry (Keith Coogan), Ricardo Montoya ( George Perez), Hank Giles (T.E. Russel) und ihr Anführer Billy Tepper (Sean Austin) nennen sich "Rejects" (Der Abfall, bzw. die Ausgemusterten) und dies nicht ohne Grund: Sie flogen schon mehrmals von einem Internat, weil sie nur Unsinn anstellen. Mittlerweile sind sie auf dem Elite-Internat Regis School, dass von dem strengen, aber auch gerechten Dean Parker (Louis Gosset Jr.) geführt wird.
Diese Lage ändert sich jedoch, als kolumbianische Terroristen unter der Führung von Luis Cali (Andrew Divoff) die Schule stürmen, das komplette Gebäude mit Sprengstoff verschanzen und somit die Freilassung von Calis inhaftiertem Vater (Jesse Doran) erpressen wollen. Die Polizei und das FBI umstellen das Gebäude - sind jedoch machtlos wegen dem Sprengstoff, der jeden in dem Internat töten würde. So liegt es an den "Rejects", sich aus dieser Lage zu befreien...
Die guten alten Zeiten. So ganz ohne CGI.
"Boy Soldiers" beginnt erst einmal gar nicht harmlos, sondern zeigt ein Gericht, in dem Obergangster Luis Cali ein paar Geißeln erschießt und nach dem Helikopter-Abflug den Richter aus knapp 1000 Meter Höhe runterschmeißt. So weit, so schmerzhaft. Das alles wirkt schon ziemlich rau und erst danach verweichlicht sich der Film und stellt seine Charaktere vor: Die jungen Wilden, wie sie an jede Ecke Graffiti sprühen und auch nachtsüber, in der Schlafenszeit, Alkohol trinken oder sonstige Scherze spielen, die aber von Dean Parker (Gosset Jr.) unterbunden werden. Unterbrochen wird dieses ganze softe Kapitel erst durch ein Intermezzo mit der Grenzpolizei und Calis Handlangern, die, wie es sich gehört, die Ordnungshüter auf ziemlich derbe Art und Weise zerlegen. Szenenwechsel: Weichgespült geht es in der Schule weiter, bis eben die Terroristen eintreffen und ab da entsteht erst das richtige "Die Hard"-Feeling. Nicht falsch verstehen: Alles, was sich davor abspielt, kann man bedingungslos ansehen, ohne dass einem langweilig wird. Aber ab dieser Stelle, verlagert sich der Film in diese Richtung, die wir von Bruce Willis kennen und lieben.
Natürlich gibt es keine großen Shoot Outs - denn, Schülern, denen noch keine Sackhaare wachsen vs. Terroristen mit Uzis wäre auch nicht das richtige Ansatzmittel und eine utopische Lösung. Bei "Boy Soldiers" wird mehr auf das Gehirn gesetzt als auf Duelle und so kann man, bei der allseits bedrohlichen Kulisse und dem hervorragenden Score den Jungs dabei zusehen, wie sie mit der Feder das Schwert schlagen.
Das ist auch ohne großes Krawall-Kino sehr spannend geraten und erst im Schlussakt wird losgeballert, was das Zeug hält. Dies gerät natürlich wieder äußerst blutig, so dass normalerweise in damaligen Zeiten eine "FSK18" anstatt "FSK16" angebracht gewesen wäre. Okay, der Film war in ein paar Frames geschnitten, aber mittlerweile ist er auch im deutschen Ton UNCUT erhältlich.
Ein Film, den man schon einmal gesehen haben sollte. Und in meinem Fall ist "Boy Soldiers" ein Streifen, den ich alle paar Jahre wieder einmal sichte, da ich mit ihm aufgewachsen bin.
8/10