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In der kleinen gesetzlosen Stadt sucht Matt Calder, der Mann ohne Vergangenheit, seinen neunjährigen Sohn Mark, der ohne ihn keine Zukunft haben wird. Die Sängerin Kay hatte Mark unter ihre Fittiche genommen und auf ihn aufgepasst, aber jetzt ist Matt ja wieder da und nimmt ihn mit. Fort von den Schießereien, dem Glücksspiel und den Prügeleien und raus aufs Land. Auch Kay kann endlich aus dieser Hölle raus, ihr Verlobter Harry Weston hat beim Glücksspiel besonders viel Glück gehabt und ist jetzt reich. Zumindest könnte er es sein, wenn er schnell ist, und seinen Anspruch auf die gewonnene Goldmine in der Bezirksstadt anmeldet. Der schnellste Weg ist der über den Fluss, mit einem Floss, doch das Flößen überschreitet das Können des Berufsspielers und bringt die schiffbrüchigen Harry und Kay direkt auf das kleine Anwesen von Matt. Matt hat ein Pferd. Matt hat ein Gewehr. Harry hat nichts davon, aber er hat jede Menge Zeitdruck. Also „leiht“ er sich Pferd und Waffe, wohlwissend, dass er Matt, Mark und Kay damit dem sicheren Untergang aussetzt. Die drei machen sich mit dem zurückgelassenen Floss auf die Reise in die Bezirksstadt, und es ist eine Reise in den sicheren Tod. Indianer, wilde Tiere, brunftige Goldgräber, und ein Fluss, der so gefährlich und unberechenbar ist wie alle anderen Gefahren zusammen.

Mal abgesehen von den Indianern könnte FLUSS OHNE WIEDERKEHR auch problemlos ein Großstadtthriller sein. Hier der harte und einsame Mann, dessen einziges Streben darin besteht, seinen Sohn anständig zu erziehen. Dort die schöne Nachtclub- bzw. Saloonsängerin mit dem Herz aus Gold, die die Schnauze voll hat vom Tingeltangel und von der Armut, und die endlich an die Fleischtöpfe will. Und zu guter Letzt der gewissenlose Betrüger, der nur auf seinen eigenen Vorteil schaut, und dem das Schicksal anderer vollkommen wurscht ist.

Eine Story, die man in den letzten 2000 Jahren schon oft gehört oder gelesen hat. Zu oft, könnte man meinen, aber was Regisseur Otto Preminger aus diesem schlichten Sujet hervorzaubert, das ist faszinierendes Kino in Reinkultur. Robert Mitchum als knarziger Ex-Knacki, der sich schlichtweg weigert, der Sängerin Marilyn Monroe den Hof zu machen, sondern lieber seine kratzige Kehrseite zeigt. Kein Wunder, dass die Holde mehr auf den schnieken Rory Calhoun steht, aber dem rauen Charme des grantelnden Tausendsassas kann halt auch die Marilyn auf Dauer nicht widerstehen. Das klingt jetzt etwas böse, aber wie gesagt ist die Story schlicht und einfach. Mitchums Widerwillen gegen alles was nicht sein Sohn ist, ist fast mit den Händen zu greifen, aber allmählich merkt der Zuschauer schon, dass diesem groben Mann sein eigenes Schicksal schnurzpiepegal ist, solange er sympathischen Menschen in Not helfen kann. Und die Monroe, die in ihrer Eröffnungsszene im grünen Scarlett O’Hara-Gedächtniskleid so nackt aussieht wie man es sich kaum vorstellen kann, und die ganz das Klischee vom männersuchenden Blondinchen zu erfüllen scheint, die Monroe merkt ebenfalls ganz allmählich, dass das Leben in der Wildnis vielleicht hart sein mag, und man auch mal in komplett durchnässter Unterwäsche da steht (lechz), aber mit einem Robert Mitchum an der Seite kann einem eigentlich kaum etwas passieren. Und dumm ist Kay nicht, überhaupt nicht. Nur ein wenig verblendet …

Das klingt jetzt alles immer noch so lächerlich, dabei ist nichts an diesem Film lächerlich (außer vielleicht den Rückpros bei der Flusspartie). Preminger setzt auf große und echte Gefühle und darauf, dass seine Schauspieler diese Gefühle auch transportieren können. Gleichzeitig stellt er den Darstellern beeindruckende Bilder an die Seite. Wie John Ford zeigt er überwältigende Landschaften, in denen die Menschen ganz klein sind, verloren in ihren dummen Händeln, im Kampf gegen die Natur und gegen sich selbst, und wie blind sie sind für die sie umgebenden Wunder. Beides, Darsteller und Bilder, erzeugen unter der Hand des alten Regieprofis Preminger einen Edelwestern, der den Zuschauer ab der ersten Minute in seinen Bann zieht. Natürlich ist von vornherein klar, dass der Westmann und die Tingeltangelmaus sich kriegen werden, und es ist natürlich auch klar, dass der kleine Mark das verbindende Element sein wird. Aber bekanntlich ist der Weg das Ziel, und der Weg ist gespickt mit Spannung und mit großen Gefühlen, und am Ende können dem Zuschauer sogar fast die Tränen kommen, so sehr geht die eigentlich ganz einfache Geschichte zu Herzen. 
Vielleicht ist das so, gerade WEIL die Geschichte so einfach ist. Und weil so viel Überzeugungskraft darin steckt. Vielleicht sind die einfachsten Geschichten ja tatsächlich die besten. Er will sie, sie will ihn, beide wissen das noch nicht, die Umstände sind gegen sie, und am Ende weinen alle(!). Großes epochales Edelkino eines längst untergegangenen Hollywoods. So richtig zum Dahinschmelzen und Träumen. So großartig, dass jemand wie ich, der mit der Monroe nie viel anfangen konnte, mit nur einem einzigen Film zum heimlichen Verehrer wird …

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