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Vierte Teile haben mitunter manchmal die Eigenschaft, als Prequels angetanzt zu kommen, dass war bei Psycho IV so und das ist bei Hannibal Rising so. Die Notwendigkeit solcher Filme ist manchmal fragwürdig, zerschlagen sie doch die Fantasie eines jeden um die Vergangenheit kultverdächtiger Horrorfilm-Figuren zunichte und stellen eine erzwungenermaßen handfeste Behauptung in den Raum.

Hannibal Rising fällt auch in diese Nische und packt die Vorgeschichte des Hannibal Lecters in den Mantel einer simplen Rachestory ohne tieferen Sinn, Hauptsache man kann zeigen wie der Bengel zum Menschenfresser geworden ist. So lernen wir Klein-Hanni, Schwesterchen und deren Familie kennen, die leider Gottes bei einem Flugzeugangriff im zweiten Weltrkrieg draufgeht und Hanni und dessen Schwester allein in einer Hütte zurücklässt. Bis schließlich die bösen bösen deutschen Söldner in die Hütte platzen und die beiden Gören als Gefangene nehmen, eigentlich nur unter der Erklärung, dass wenn sie gerettet werden, man sagen kann, man habe zwei Kinder gerettet. Aber wie es nunmal Leningrad zweiter Weltkrieg so ist, wachsen einem doch irgendwann mal Frostbeulen und so beginnt auch die Suche nach Essen, die sich wiederrum als erfolgslos dahinstellt. Nun ist natürlich Schmalhans Küchenmeister und der Anführer der deutschen Truppe schlägt im Wahn einfach vor, die Kinder mal ne' Runde abzutasten um dann zu entscheiden, wen man denn essen kann. So fällt die Wahl auf Schwesterchen, wo man vorher diagnostisiert hat, dass sie eine Lungenentzündung hätte und eh bald sterben muss. Für Hanni trotzdem relativ unverständlich, und so wird seine Schwester (Glücklicherweise nicht vor unseren Augen, dass hätte dem Film wohl auch international nicht gut getan) eben mal getötet und verspeist. Hanni kann jedoch noch fliehen und erleidet ein Kindheitstrauma, was er durch Stummheit in einem Waisenhaus bemerkbar macht. Schließlich hat er auch von diesem Ort die Nase voll und flieht wieder, diesmal zu seiner asiatisch abstammenden Tante, in die er sich natürlich auch irgendwann verlieben muss (Keine Sorge, die Tante war nur angeheiratet!).

Als dann ein unfreundlicher Metzger der Sorte Dick-und-Hässlich auf dem Markt Hanni's Tante obzöne Beleidigungen entgegenfeuert ist Schicht im Schacht. Hanni geht auf den dicken Mann los um sich zu rächen, was letzendlich nicht so klappen will. Und dann passiert das merkwürdige: Hannibal - der sich vorher mit dem Samuraischwert erfahren gemacht hat - setzt sich in einer sinnlos aufgesetzten Szene plötzlich die Maske auf, die wir in den alten Hannibal-Filmen kennen und plötzlich wird er zum arroganten Mörder. Eine Erklärung warum Hanni plötzlich geisteskrank auf die Jagd geht? Sucht man relativ vergebens, der Umschwung kam von einer Minute zur anderen. So ist jene Szene mit der Tötung des Metzgers nahe eines Sees auch mehr oder weniger von Bedeutung. Nun findet der frisch gebackene Mörder noch raus, wo die Soldaten sich versteckt haben, die seine Schwester verspeist haben und bringt sie der Reihe nach um, jeden auf eine unappetitliche Art.

Leider ist Hannibal Rising nicht in der Lage, seinen Vorgängern auch nur an den Schuhen zu riechen. Der Film wirkt zwar nicht unbedingt einfallslos, aber ist die simple Rachestory doch schon in Teenie-Splattern oder anderen sinnfreien Horrorfilmen abgedroschen wurden und daher wirkt auch Hannibal Rising in dieser Hinsicht nicht künstlerisch kreativ. Die Schnitte sind hier und da genauso schlampig wie die Tatsache, dass der Film im Prinzip nur vorhersehbar ist. Der gute Gaspard Ulliel gibt zwar äußerlich einen recht ansehnlichen Hannibal her, doch ist auch er nicht in der Lage wegen des Drehbuchs der Figur Tiefe einzuleiben. Und wie gesagt der Wandel vom stummen Bauersjungen zum arroganten Killer wirkt viel zu aufgesetzt und hektisch, als dass er überzeugen könnte.

Doch Hannibal Rising verfügt über eine nette Spannungskurve, und so wird der Film nur selten langweilig. Die deutschen Söldner werden auch gekonnt dargestellt, auch wenn es schon komisch ist, dass jeder von denen irgendwie irgendwo böse ist. Es hätte allerdings noch ein abschließender Gag am Ende gut getan, so wie beim Ende vom roten Drachen, und auf diesem Wege vage ich zu behaupten, dass es noch einen Hannibal-Film geben wird, der zwischen Rising und Roter Drache spielen wird. Ich hoffe nur dass man dann etwas weniger hektisch und schlampig anstrengt.

Fazit

Ja, hier und da merkwürdig in Szene gesetzt mit komischen Schnitten oder sinnfreien Szenen, aber dennoch ist Hannibal Rising durchaus unterhaltsam und spannend. Der erhoffte Blockbuster ist es nicht geworden, dafür aber ein netter Freitagabend Streifen für zwischendurch.

7/10

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