Es ist das alte Lied mit den Prequels: Weil wir den Ausgang der Vorgeschichte bereits kennen oder erahnen können, schmälert das die Wirkung und Notwendigkeit eines solchen Films schon von vornherein erheblich. Jungschauspieler Gaspard Ulliel ist als sadistischer Menschenfresser im Studentenalter sogar überraschend stark, nur die simple Rachefeldzugstory, in die er gesteckt wurde, ist nicht sonderlich interessant, auch nicht aus psychologischer Sicht. Das aus der Biografie des realen Serienmörders Andrej Chikatilo entlehnte Motiv des verspeisten Geschwisterchens wurde zu banal umgesetzt. Und was soll der esoterische Subplot mit der Asiatin? Der junge Hannibal ist doch nicht Karate Kid! Das alles trägt zur Entmystifizierung des kultivierten Kannibalen bei, auch wenn es an der stilvollen Inszenierung und der Regie wenig zu bemängeln gibt.