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Interessanter Interessenkonflikt

"Alien 3" genoss lange Zeit einen Ruf wie ein fauler Fisch - Fincher distanzierte sich, das Studio murkste sich etwas zusammen, Weaver wollte auch noch mitreden. Heraus kam in der Kinoversion eine klatschende Enttäuschung, selbst wenn man nicht die Messlatte der zwei meisterlichen Vorgänger ansetzt. Doch mit den Jahren gewann "Alien 3" Fans dazu und mittlerweile schätzt man seine Ansätze, seinen Mut und seine Vision. Selbst wenn man diese gründlich suchen muss. Bei wenigen Filmen in der Geschichte würde ich lieber den echten "Director's Cut" sehen, der jedoch einfach nicht existiert und dies wohl auch nie tun wird. Schade! Naja, aus Fincher wurde trotzdem ein Meister, das Alien-Franchise ist bis heute alles andere als tot und immerhin kann man über diesen Alien-Teil wunderbar philosphieren und ausführlich schreiben.

In "Alien³" wird der Cryo-Schlaf von Ripley einmal mehr gestört und sie landet auf einer düsteren Strafkolonie, nur mit Männern besetzt. Doch nicht nur der zum Glauben übergegangene Abschaum macht Ellen Ripley zu schaffen, sondern vor allem ein von ihr mitgebrachtes Ochsen(!)-Alien dezimiert die fiesen Jungs im Eiltempo und teilweise ziemlich blutig. Selbst in seiner Kinofassung ist dieser Alien ein mutiger Film. Im hier bewerteten Assembly Cut sogar ein zweifellos guter. Ich liebe an der Alien-Serie, wie der Stil jedes Regisseurs eindeutig zu erkennen ist und man immer wieder neu justieren muss - langweilig ist diese Reihe sicher nicht. Perfekt durch die fehlerbehafteten Teile 3 und 4 sicher ebenso wenig.

"Alien³" startet mit dicken Eiern (Newts und Hicks Tod) und lässt diese durchgehend immer wieder baumeln. Viele Effekte sind ärgerlich daneben, reißen einen aus dem Film heraus, dazu kann man Längen nicht leugnen und Vieles wird durch das Produktionschaos eben nur angedeutet, nicht ausproduziert. Doch insgesamt ist auch Teil 3 der Alien-Reihe ein beklemmendes Stück Sci-Fi-Horror. Die Situation auf die Ripley trifft, ist extrem spannend, sexuell aufgeladen und sehr sehr schmutzig. Dreckiger und menschlicher und maskuliner wurde Alien selten. Die Darsteller sind durch die Bank stark und der chorale Soundtrack ist ein Highlight der kompletten Serie.

Ripleys Entwicklung wird gelungen vollendet und der gesamte Film ist symbolisch und religiös sehr clever aufgeladen. Es gibt sogar Parallelen zum Stummfilmklassiker "The Passion of Joan of Ark". Weitere Highlights, die den Fincher-Alien zu etwas Besonderem machen, sind das andersartige Alien (mal nicht aus einem Menschen entstanden) und ein drastisch gesteigerter Goregrad, selbst wenn Fincher in seiner Vision sicher noch mehr rote Körperflüssigkeiten hätte fließen lassen. Ein großer Nachteil ist allerdings die öfters aufkommende Langeweile, so manch unerklärliches Verhalten Ripleys, nicht erklärte Zeitsprünge und vor allem, dass das Alien (auch durch diletantische Effekte) selten wirkliche Angst auslöst. Und gerade Letzteres ist ein No-Go für das fieseste Monster der Filmgeschichte.

Fazit: Fincher's Vision schimmert durch - was "Alien³" noch lange nicht an das Niveau der Vorgänger bringt. Trotzdem: im Assembly Cut ein faszinierender, eigener, hübscher und dreckiger Alien-Entwurf, der viel besser ist als sein miserabler Ruf!

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