(Kinofassung)
Der dritte Teil der Alien-Reihe ist in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert. Allein die Entstehungsgeschichte wäre ein intensivere Betrachtung wert, hierzu findet sich allerlei Material, welches für einiges Hintergrundwissen sorgt. Diverse Drehbuchent- und -verwürfe, Querelen mit den Produzenten und ein David Fincher der nach eigener Aussage diesen Film mehr verabscheut als sonst jemand. War es auch sein Regiedebüt, so kann man gut darüber streiten, wie viel „sein“ Film das Endergebnis denn ist.
In diesem wird Ellen Ripley abermals aus einer Rettungskapsel geborgen, in welche sie sich mit anderen Überlebenden am Ende von „Aliens“ (1986) begeben hatte. Außer Ripley ist allerdings niemand mehr am Leben und so sieht sie sich alleine einer Gruppe Insassen gegenüber, denn abgestürzt ist sie auf Fiorina 161, einer Arbeits- / Strafkolonie des Weyland-Yutani-Konzerns. Umringt von Mördern und Vergewaltigern ist das Warten auf Rettung nicht nur aufgrund der Umstände nicht frei von Gefahren, bald beginnt unter den Insassen eines Todesserie, die Ripley Böses ahnen lässt.
Zu einem gewissen Teil fühlt sich diese Fortsetzung wieder etwas mehr nach dem Ursprung der Reihe an. Ein Alien, eine Gruppe von Leuten in einer räumlich begrenzten Umgebung. Ansonsten geht das hier aber leicht andere Wege, was durchaus löblich ist. Allerdings verfährt man sich auf diesen auch ein paar Mal.
Die Dynamik in der Gruppe ist eine gänzlich andere, muss sich Ripley doch nicht nur mit dem Alien, sondern eben auch mit manchen Insassen herumschlagen. Dabei stehen manche von ihnen ihr immerhin nicht ganz so negativ gegenüber, andere dafür offen feindselig. Insgesamt ist der Ton bedrohlich und dem passt sich das Design auch ein Stück weit an.
Aufgrund der Lage bewegen sich die Personen zwar frei umher, es fühlt sich trotzdem nie frei an. Die finsteren Gänge, die Farbgebung und die überall herrschende Trostlosigkeit lassen eine passende Atmosphäre aufkommen und der Bau an sich ist eine interessante Kulisse. Und gibt es davon auch wenige, so sind die Außenaufnahmen von dem Komplex eine durchaus nette Ergänzung. Ein pessimistischer Ton durchzieht den Film von Anfang an und dieser hellt sich auch nicht auf. Das zieht der Film immerhin auch bis zum bitteren und gelungenen Ende durch.
Diese Bezeichnung trifft allerdings nicht auf alles zu, was einem hier vor die Linse kommt. Eine gewisse visuelle Eintönigkeit muss sich der Streifen anlasten lassen. Dazu kommen recht hässliche CG-Effekte, insbesondere das Alien betreffend. Das ruiniert manche Szene, wenn diese auch immerhin recht kurz sind. Dafür überzeugen die handgemachten FX, sowohl das Monstrum betreffend als auch beispielsweise die Interaktion mit den Resten von Bishop.
Blutig wird es ab und an auch mal, da spritzt die Suppe mal aus dem Off ins Bild. Praktische Effekte wirken immer wieder abgeschnitten, das Editing ist schon recht eigen und als Verweis auf die Fertigungsgeschichte und somit eben auch auf die Produktionsumstände zu verstehen. Eigentlich eine Schande, ist das Szenario selbst doch brauchbar und erkennt man hier und da in vorhandenen gelungenen Abschnitten das Potential.
Darstellerisch steht Sigourney Weaver erwartungsgemäß im Mittelpunkt. Die neue Situation verlangt Ripley zwar auch neue Verhaltensmuster ab, dennoch ist sie auch hier die inzwischen etablierte taffe Heldin, bleibt dabei aber nahbar. Ihr zur Seite steht hier zeitweise Charles Dance als Mediziner Clemens, sehenswert spielt auch Brian Glover als Gefängnisleiter. Der Rest besteht aus mehr oder minder eindrücklichen Insassen und religiösen Fanatikern, mit Pete Postlethwaite und Lance Henriksen bekommt man noch bekannte Gesichter serviert.
Das Skript selber, sofern das noch eines war nach all dem Hin und Her, kam aus dem Prozess nicht glimpflich davon. Mir gleitet das Ganze immer wieder mal in zu viel religiöses Gehabe ab, das Anbandeln von Ripley mit Clemens kommt irgendwie aus dem Nichts und warum sie lange nicht Tacheles redet ist nicht nachvollziehbar. So stolpert die Erzählung immer wieder mal, wirkt unrund und bietet einige Lücken. Auch ist der Spannungsbogen quasi nicht vorhanden, schmeißt man das Alien doch einfach in getakteter Regelmäßigkeit einfach in die Szenerie.
Die Drehbedingungen waren chaotisch, mitunter wurden Szenenfolgen und Drehpläne täglich umgeworfen und ans Set gefaxt. Ein Grund für das Ergebnis, mit dem man letztlich leben muss.
„This is rumor control. Here are the facts.“
Die zweite Fortsetzung mag einen etwas eigenen Weg gehen, auch wenn dieser wieder mehr in Richtung des Erstlings führt. Die Idee mit dem Gefängnis ist auf dem Papier interessant, das Design der Einrichtung schön trostlos, der Ton durchgehend pessimistisch. Und in manchen Einzelteilen ist „Alien 3“ gelungen, einzelne Parts funktionieren und lassen das Potential erahnen, welches hier schlummert. Nur hat man all dies mit den unzähligen Änderungen letztlich zerrissen. Das Teil ist ein Flickwerk, Story und Figuren überzeugen nicht immer und die Effekte schwanken zwischen gelungen und grottig. Weaver als Ripley bleibt das Herz der Reihe, ihr Einsatz und Ripleys Schicksal halten den Laden letztlich zusammen. Kommt hier auch nur wenig Spannung auf und ist dieser Teil auch der bis dahin schwächste, so ist er dennoch einen Blick wert. Auch wegen seiner Entstehungsgeschichte.