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Mit der dritten Runde der „Alien“-Saga werden ein weiteres Mal neue Töne angeschlagen: Regie-Debütant David Fincher verleiht der Geschichte um einen Xenomorph, der sich an Bord der Raumkapsel geschlichen hatte, mit der die letzten Überlebenden des zweiten Teils geflohen waren, diese zum Absturz gebracht und dadurch Ellen Ripley erneut zur einzigen Überlebenden gemacht hat, eine extrem düstere Note – ein krasser Start für Hollywoods Meister der Finsternis in den 90ern, der atmosphärisch bereits deutlich auf seine direkt folgenden Kultfilme „Sieben“, „The Game“ und „Fight Club“ hinweist.

Dank Finchers Detailbesessenheit erweist sich auch „Alien 3“ als atmosphärisch und künstlerisch höchst eigenständiger Beitrag zur Science-Fiction-Horror-Reihe, der gekonnt an die bisherige Welt anknüpft – diesmal spielt sich alles auf einem Gefängnisplaneten voller gewalttätiger, religiös bekehrter Männer ab, weitab von der menschlichen Zivilisation; die Heruntergekommenheit der Zukunftstechnologie erreicht neue Maßstäbe, ebenso wie die Beengtheit, Dunkelheit und Schmutzigkeit der unwirtlichen Settings. Zugleich kann er aber auch eigene Akzente setzen – sei es durch den dissonanten, düster-pathetischen Score, der in manchen Szenen in regelrechten Donner eskaliert, oder die bildgewaltige Inszenierung, die zwischen finster-dreckigen Gängen und glühenden Schmelzöfen Bilder von ungeheurer Intensität entwickelt. Hier wird der Fokus weniger denn je auf die Technik einer weit entfernten Zukunft gelegt, sondern eher auf das Leben nach dieser Technik und ohne sie: Wie sich Menschen in einer abgeschlossenen Gemeinschaft gegen Notsituationen wehren, wird hier in besonders düsterer Variante durchgespielt.

Auch inhaltlich sucht und findet der dritte Teil neue Aspekte. Nachdem er anfangs hervorragend (trotz kleinerer inhaltlicher Lücken) die Verbindung zum Vorgänger herstellt – inklusive bedrückender Autopsieszene an einem toten Kind – entwickelt er sich schnell zum beklemmenden Albtraumtrip, der erzählerisch leichte Parallelen zum Original aufweist, etwa dadurch, dass es diesmal wieder nur ein Alien gibt, aber sehr schnell auf eigene, finstere Pfade ausweicht. So wird hier angesichts einer einzigen Frau unter zahlreichen Männern auch erstmals offen die Gefahr sexueller Gewalt thematisiert – wie auch nicht bei der Storyanlage einer Frau, die auf einem Gefängnisplaneten voll ausgehungerter Männer notlandet? Das drückt zwar diesmal die Frauenquote enorm nach unten, aber andererseits: Wer wäre besser geeignet, sich gegen eine Horde brünstiger Kerle zur Wehr zu setzen – und ganz nebenbei noch einen Xenomorph zu jagen; ja, richtig, diesmal jagt sie das Biest, nicht andersrum – als Bad-Ass-Actionheldin Sigourney Weaver? Mit diesem dritten Teil avanciert sie endgültig zur alle weiblichen Rollenklischees aufbrechenden, kahlgeschorenen, mutigen Genre-Heldin, die sogar selbstbewusst ihre eigene sexuelle Lust ausformulieren darf. Welche Hollywood-Frauenfigur durfte das schließlich in der damaligen Zeit schon wagen?

So erweist sich „Alien 3“ als überaus würdige Fortsetzung der düsteren Geschichten, wird mit blutrünstigeren Gewaltsequenzen denn je, einem noch bedrückenderen Setting, einer schon beinahe irrwitzig unsympathisch-gefährlichen Figurenkonstellation und einem ekligen Monster zum atmosphärisch brillant intensiven, teils hochspannenden Horror-Schocker und entwickelt zugleich die tolle Figur der Ellen Ripley gekonnt weiter. Dass das alles in einem höchst melodramatischen Finale à la „Terminator 2“ gipfelt, passt bei aller Pathetik hervorragend in diese Storyanlage hinein und macht den Film (theoretisch) zu einem starken Abschluss der bis dahin gekommenen Trilogie.

Einziger Wermutstropfen in diesem frühen 90er-Science-Fiction-Film sind die Handvoll peinlich schlecht getricksten Monstermomente – ein deutliches Beispiel dafür, dass technologischer Fortschritt nicht immer automatisch gut ist. Im Vergleich zu dem billigen CGI-Monster, das hier mitunter an Decken und Wänden entlanghuscht, waren die Männer in Monsterkostümen der beiden Vorgänger doch deutlich überzeugender und unheimlicher. Doch angesichts der hervorragenden Inszenierung, hochintensiven Atmosphäre und inhaltlich starken Fortschreibung der Geschichte kann man darüber schnell hinwegsehen und einen packenden, finsteren Alien-Schocker genießen – und eine fantastische Sigourney Weaver.

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