Chris Cooper gegen Ryan Phillippe - Oscarpreisträger gegen ehemaliges Teenie-Idol. Goliath gegen David im Schauspielmetier, sollte man meinen. Doch was nach einem ungleichen Kampf aussieht, entwickelt sich zu einer unvorhergesehenen Patt-Situation: „Enttarnt" lebt von seinen beidseitig intensiven Darstellerleistungen, genauso wie von einer nahezu hypnotischen Spannung, die dieses auf wahren Begebenheiten beruhendes Verschwörungsthriller-meets-Beziehungsdrama durchzieht.
Der angehende pflichtversessene FBI-Agent Eric O´Neill (Ryan Phillippe) wird als dessen neuer Assistent auf FBI-Agent Robert Hansson (Chris Cooper) angesetzt, der unter Verdacht steht, Informationen der nationalen Sicherheit der USA an Russland weitergegeben zu haben und als Doppelagent zu fungieren. Doch als sich die beiden Agenten beschnüffelt haben, entwickeln sie eine Sympathie füreinander, die sie immer wieder an ihren Prinzipien zweifeln lässt...
Im Februar 2001 wird FBI-Agent Robert Hansson der Verschwörung für schuldig befunden: Es konnte ihm nachgewiesen werden, dass er in den vergangenen 20 Jahren zahlreiche in Russland infiltrierte FBI-Agenten enttarnte und wertvolle Informationen der nationalen Sicherheit der USA nach Russland verkaufte, wofür er eine langjährige Haftstrafe absitzen muss. Soviel zur verbürgten Wahrheit. „Enttarnt" erzählt nun die mehr oder minder auf Fakten beruhende Geschichte, wie es dazu kam: O´Neill, ein idealistischer, strebsamer Jungspund, wird mit dem wohl wichtigsten Fall von interner Spionage betraut, die es in der Geschichte des FBI gab. Hansson, ein schulmeisterischer, knurriger alter Haudegen, glaubt O´Neill zu durchschauen, bevor er wegen dessen ebenfalls katholischer Konfession zusehends Sympathie für ihn hegt. O´Neill gewinnt sein Vertrauen - und liefert so lange an Kate Burroughs (Laura Linney), die mit dem Fall betraut ist, Bericht, bis die Beweise ausreichen, Hanson für Hochverrat - und am besten auf frischer Tat ertappt - verhaften zu können. Es ist dabei dem einnehmenden Schauspiel von Phillippe und Cooper als ebenbürtige, vielschichtige Gegner unter dem Deckmantel der Kooperation geschuldet, dass dieses Psychoduell auch auf dramaturgischer Ebene, welche auch Alltagskonflikte mit dem Lebenspartner oder die Themen Religion und Ideologie nicht aussparen, funktioniert. „Enttarnt" liefert Suspense auf hohem Niveau (jederzeit könnte die Observierung und Tarnung O´Neills auffliegen), ohne dass jemals das Fehlen eines Jason Bourne und von Actionsequenzen auffallen würde. Das ist zweifelsohne die Stärke des Films. Da verzeiht man das in dunkle Farben getauchte, leicht theatralisch überfrachtete Finale des Films mit der Konfrontation von Getarntem und Enttarnten im Fahrstuhl gern.
Fazit: Differenzierte Charakterstudie zweier ungleicher FBI-Agenten mit Prinzipien. „Enttarnt" erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Verschwörungsstory hoch spannend, aber ruhig und bedächtig, wodurch eine hohe Intensität erzeugt wird ohne jemals der Effekthascherei anheim zu fallen. Die Dialoglastigkeit und das etwas überladene Finale fallen bei den sehr guten Schauspielerleistungen kaum ins Gewicht.