Review

Die Underdog-Sportkomödie ist zwar seit jeher eine Domäne der Amerikaner, aber damit ist noch lange nicht gesagt, das die Deutschen das nicht auch können.
Markus Rosenmüller, aufstrebender deutscher Jungregisseur hat sich nach seinem gefeierten „Wer früher stirbt, ist länger tot“ auf diesem Gebiet versucht und ausgerechnet mit der scheinbar unpopulären Wintersportart Bob gepunktet.

„Schwere Jungs“ zeichnet, wenn auch nur inspiriert von den Originalcharakteren, den ersten deutschen Winterolympiadensieg von 1952 in Oslo nach, als der deutsche Viererbob überraschend ganz oben auf dem Treppchen landete.
Doch der sportliche Wettkampf ist eher nebensächlich, denn die wahren Rivalen, die dem Filmmotor das Benzin liefern, starten für das gleiche Team: der gefeierte Star Dorfler, ein wohlhabender Brauer und der Underdog Gamser, der in seiner Jugend einst von Dorfler bei einem Kinderschlittenrennen gedemütigt wurde, was zu einer immer noch anhaltenden Fehde sorgte.

Rosenmüller hat die Vorbilder gut studiert: sportlicher Wettkampf; die Verlierer auf dem Weg nach oben; sympathische Charaktere; ein großer Rahmen und eine Prise Komik, das sind die notwendigen Zutaten.
Wo andere daraus vermutlich etwas Chaotisch-Anbiederndes gebraut hätten, konzentriert sich Rosenmüller ganz auf die dem Stoff eigene urtümliche Knuddeligkeit. Er verzichtet auf jede Art der Schwarzmalerei und schafft es, selbst den eingebildeten Rivalen Dorfler menschlich zu zeichnen, der am Ende zugestehen muß, dass er es ohne Hilfe von Gamser nie hätte schaffen können.

Bis es soweit ist, darf man aber den Sympathen durch flotte 90 Minuten folgen, in denen das zerstrittene Team sich wieder zusammenfindet und zusammenrauft, um sich als zweiter Deutschland-Bob zu qualifizieren, es gibt private Scharmützel, kleine Raufe- und Lügereien, etwas Herzschmerz und nicht zuletzt eine keimfreie Prise laurel-und-hardyesker Homoerotik-Komik, die immer dann ins Spiel kommt, wenn die überzeichneten Funktionäre (Bastian Pastewka leistet hier aufwandfrei Dienst nach Vorschrift) auftreten.

Nichts von alledem ist wirklich überraschend, aber die Relaxtheit mit der Rosenmüller uns den bayrischen Mann in allen Lebenslagen um die Ohren haut, um ganz nebenbei charmant in Richtung Sönke Wortmann zu watschen, der eben dieses Ziel mit seinem „Wunder von Bern“ um Meilen verfehlt hat, ist einfach ansteckend, da mag man nicht mosern, nicht mal als es plötzlich um norwegische Qualitätslektüre (=Tittenhefte) zum Schmuggeln geht oder man zum Zwecke der Bob-Besetzung ein Wettfressen veranstaltet.

Mit Realismus hat das natürlich wenig zu tun – aber genau das macht es so schwerelos beschwingt, vergangenheitsbewältigt und ohne das übliche deutsche Anspruchsdenken, das einem jeden Spaß versauen kann. Gut, die „Was danach geschah“-Texttafeln am Ende hätte man sich sparen können (denn die deuten in eine andere Richtung Komik), aber insgesamt ist das ein flotter Abend von jemandem, der seine Vorbilder studiert hat und dennoch mit beiden Beinen in der Heimaterde verwurzelt bleibt – und dazu technisch einwandfrei.
Kichern, Schmunzeln und Brüllen inclusive. (7,5/10)

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