Review

Schwere Jungs – leichte Kost!


Der Regisseur Marcus H. Rosenmüller scheint ja ein sehr viel beschäftigter Mann zu sein. Eben noch (sprich: letztes Jahr) landete er noch mit „Wer früher stirbt ist länger Tod" einen Überraschungserfolg, kann man im Moment bereits sein neuestes Werk „Beste Zeit" im Kino bewundern. Und dazwischen.... Zwischen diesen beiden Filmen hat er eben mal die bairische Bobfahrerkomödie „Schwere Jungs" veröffentlicht. Seit kurzem gibt es diesen Film nun auch auf DVD zu kaufen. Diese rasch aufeinander folgende Veröffentlichung von Kinofilmen mutet schon nahezu an Massenproduktion an. Da bleibt nur noch die Frage zu klären, ob dies nicht auf Kosten der Qualität (zumindest „Schwere Jungs" betreffend) geschehen ist.Wer sich nach dem überraschenden Erfolg „Wer früher stirbt ist länger Tod" mit derselben, vermutlich recht hohen Erwartungshaltung „Schwere Jungs" angesehen hat, dürfte danach ziemlich enttäuscht gewesen sein. Das soll nicht heißen, dass „Schwere Jungs" ein schlechter Film ist. Handwerklich steht er seinem Vorgänger in nichts nach. Das Manko von „Schwere Jungs" ist jedoch das Fehlen von neuen, überraschenden und originalen bzw. skurrilen Momenten. Gerade deshalb war „Wer früher stirbt..." so erfolgreich, weil es eine neue Art von Film war: bairische derbe und freche Mundart verpackt in einer originellen Story mit frischem Esprit und einzigartigen Figuren. Auch „Schwere Jungs" ist ein Film in Mundart, die beiden Handlungen sind aber sehr unterschiedlich und deshalb kaum vergleichbar. „Schwere Jungs" mangelt es meines Erachtens an Frische und neuen Ideen. Passend zum Titel kommt der Streifen eher etwas schwer und träge daher. Was der Gewissenkonflikt des elfjährigen Sebastian Schneider (die Verkuppelung des Vaters mit einer neuen Frau als vermeintliche Wiedergutmachung, da er sich für den Tod der Mutter schuldig fühlt) in „Wer früher stirbt..." ist, ist in „Schwere Jungs" die nahezu kindische Rivalität zwischen Gamser (Sebastian Bezzel) und Dorfler (Nicholas Ofczarek). Es machte schon großen Spaß Sebastian Schneider in „Wer früher stirbt..." zu zusehen, der immer mit neuen aberwitzigen Ideen und Einfällen zu überraschen wußte. Gerade diese Momente fehlen leider in „Schwere Jungs" zwar nicht vollkommen, aber sie treten nicht in der erhofften bzw. erwarteten Fülle auf. Da täuscht auch nicht ein Bastian Pastewka alias Rudolph von Hase als Running - Gag a là „Scratch" in den „Ice Age" - Filmen hinweg.

Die Auswahl der Darsteller ist durchaus gelungen. Leider können sie auf Grund des doch recht engen Handlungskorsetts ihr volles Potential nicht komplett ausschöpfen, da der Film auf einer wahren Begebenheit basiert. Im Jahr 1952 gewann Andreas Ostler mit seiner Mannschaft die Goldmedallie im Viererbob. Im Anschluss an die olympischen Winterspiele wurde erstmals ein festes Gewichtslimit im Bobsport eingeführt. Schon seit Kindestagen stand Gamser im Schatten von Dorfler. Nun im Jahr 1952 finden die olympischen Winterspiele im norwegischen Oslo statt. Erstmals nach dem zweiten Weltkrieg darf Deutschland mit zwei Teams antreten. Dorfler und seine Mannen sind als amtierende Weltmeister gesetzt. Die zweite Mannschaft qualifiziert in einem Ausscheidungsrennen in Garmisch - Partenkirchen, dem Heimatort der beiden Kontrahenten. Gamser, heute ein nahezu mittelloser Zimmermann (gut gespielt, aber zeitweise etwas hölzern wirkend von Sebastian Bezzel: „Tatort", „Und morgen Italien") rekrutiert seine alten Freunde Franzl (äußerst lustig Michael A. Grimm: „Zutaten für Träume", „Dog$hit"), Leusl Peter (alias Simon Schwarz; er bringt etwas Schwung in Runde: „Crash Test Dummies", „Silentium") und dessen „Busenfreund" Gustl (Antoine Monot Jr.; ergänzt sich prima mit Simon Schwarz: „Das Experiment", „Der Wixxer", „Lammbock") zu einer Bobmannschaft, um einmal besser als Dorfler ab zu schneiden und den lang ersehnten Ruhm in der Heimat zu erlangen. Das Unterfangen, eine konkurrenzfähige Bobmannschaft mit entsprechendem Material zu bilden, zeigt sich jedoch schwieriger als geplant. Gamser selbst muss sich eingestehen, dass er „beschissene" Bobs baut. Letztendlich gelingt, wie sollte es auch anders kommen, zur Überraschung Dorflers doch die Qualifikation für Oslo.

Für die Ehefrauen der beiden, Gamsers schwangere Gattin (Liane Forestieri) und Dorflers frisch vermählte Ehefrau (Rike Schmid) aus dem Rheinland (beide bleiben etwas blass), ist die Situation schwierig. Sie wollen den Streit zwischen den beiden schlichten und so das Dorf wieder vereinen. Aber sie haben die Rechnung die Sturheit und Verbohrtheit ihrer Ehemänner gemacht. Beide verhalten sich bis zur überraschenden Wende am Ende des Films wie zwei starrsinnige Kindsköpfe. Gerade in diesen Momenten mutet der Film eher an ein altes Bauerntheater an, da eben der junge Esprit eines Sebastian Schneiders fehlt. In Oslo geraten sich Gamser und Dorfler nicht nur immer wieder in die Haare, sondern auch in allerlei durchaus komische Situationen. Während der Trainingsläufe stellt Gamser fest, dass er zwar besser als der Dorfler ist, aber die Ergebnisse für beide äußerst unbefriedigend sind. Bis zu diesem Punkt war die Story sehr vorhersehbar, ohne verblüffende oder überraschende Wendungen. Gamser kommt schließlich die zündende Idee, als er bemerkt, daß besonders schwere Bobs in Oslo im Vorteil sind. Er geht mit seiner Idee zu Dorfler. Sie beschließen, aus zwei Teams eins zu machen. Die Fahrer werden Position gegen Position gewogen (was zu allerlei komischen Situationen führt), und die jeweils schwersten sitzen zusammen in einem Bob. Die Rechnung geht auf, und so holen sie Gold für Deutschland, und das Dorf kann sich wieder versöhnen, kann die alte Fehde begraben.

FAZIT:

Der Film ist durchaus sehenswert. Man wird sehr gut unterhalten, vorausgesetzt man steht auf diese Art von bairischen Humor. Anscheinend ist es Marcus H. Rosenmüller gelungen, eine neue Art von Heimatfilm zu erfinden. Leider konnte er aus besagten Gründen mit „Schwere Jungs" nicht an den Erfolg von „Wer früher stirbt ist länger tot" anknüpfen. Da ich „Beste Zeit" noch nicht gesehen habe, kann ich nicht sagen, ob es mit der Qualität seiner Filme noch weiter bergab gegangen ist, oder ob dieser Film wieder ein Kaliber a là „Wer früher stirbt..." ist. „Schwere Jungs" ist eher leicht Kost, welche man jederzeit in einer geselligen Runde zu sich nehmen kann. Einen derartig bleibenden Eindruck wie „Wer früher stirbt..." wird der Film aber mit Sicherheit nicht hinterlassen, eben wegen des Mangels an einer originellern Story oder der zu hohen Erwartungshaltung.

(4 / 10 Punkten)

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