“Dieser Fanatiker will den Selbstmord.“
Einer der ersten Großprojekte der Cannon Group Inc., die zuvor schon bei bspw. Invasion U.S.A. (Budget 12 Mio. USD), Death Wish III - Der Rächer von New York (Ca. 10 Mio. USD) sowie Quatermain - Auf der Suche nach dem Schatz der Könige (ungefähr 11 Mio. USD) reichlich Geld haben springen lassen, sich sonst aber strikt an einstelligen Millionenbeträge hielten und damit und anfangs auch dem Zuspruch im Kino sowie dem Videomarkt auch Gewinne verbuchen konnte. Das Aus kam erst mit sinkender Nachfrage und erhöhten Kosten, wobei Delta Force angesichts seiner Stars und dem Chef selber auf dem Regiestuhl sowie dem Aufwand mit einer Finanzierung von 9 Mio. USD (bis gemunkelt auch 12 Mio. USD) noch relativ moderat war, durch Dreharbeiten in Israel die Ausgaben gedämmt, außerdem war Co-Star Lee Marvin höchstwahrscheinlich etwas preiswerter zu haben als der angekündigte Charles Bronson – der währenddessen für HBO Verraten und verkauft (1986) drehte – und die Verantwortung für den Film blieb durch Menahem Golan selber hinter der Kamera statt dem proklamierten Joseph Zito in der 'Familie'. Wenn es an das eigene Geld geht, wird man am Meisten streng. Basierend auf einer wahren Geschichte bzw. derer zwei, was bei dem Regisseur nicht neu ist, hier noch einmal aufgerufen und aufgezogen für das entsprechende und entscheidende Publikum, begonnen als erste Szene direkt mit einer Hubschrauberexplosion, ein Chaos am Boden, ein brennendes Wrack, Angreifer von allen Seiten, eine Evakuierung, eine Zerstörung in der Wüste, eine Rettung eines Kameraden wird versucht, trotz Todesgefahr, ein schreiendes Opfer, man schreibt hier Geschichte, es ist 1980. Viele Katastrophenfilm-erprobte Darsteller hat man hier an Bord, buchstäblich, ein patriotisches Thema, stilecht von Alan Silvestri, diesmal nicht Jay Chattaway engagiert, erst ein Abschied eingereicht, dann 5 Jahre später:
Eine Gruppe palästinensischer Terroristen namens die Neue Weltrevolutionäre Organisation unter der Führung von zwei Terroristen namens Abdul Rafai [ Robert Forster ] und Mustafa [ David Menahem ] kapert den Flug 282 von American Travelways Airlines, eine Boeing 707, die von Kairo über Athen und Rom nach New York City fliegt; sie nehmen Kapitän Roger Campbell [ Bo Svenson ] sowie seine Besatzung und die Passagiere (unter anderem Martin Balsam, Shelley Winters, George Kennedy, Susan Strasberg und Kim Delaney) als Geiseln. Während der Belagerung trennen sie die jüdischen Passagiere von den Amerikanern, indem sie die widerwillige Flugbegleiterin deutscher Herkunft namens Ingrid Harding [ Hanna Schygulla ] zwingen, sie zu identifizieren. In Zusammenarbeit mit dem griechisch-orthodoxen Priester Father Nicholas [ Shaike Ophir ] bereitet der israelische Armeegeheimdienst eine Operation zur Befreiung der Geiseln vor, unterdessen werden die Delta Force im Auftrag von General Woodbridge [ Robert Vaughn ] und unter der Führung von Colonel Nick Alexander [ Lee Marvin ] und dem reaktivierten und frisch zum Major beförderten Scott McCoy [ Chuck Norris ] eingesetzt, um die Krise zu lösen.
Geratsche und Getratsche am Flughafen von Athen, Schnattereien der Frauen vor allem, hebräisch und jüdisch vereint, dazu amerikanisch, für die Terroristen das perfekte Ziel. Vorbereitung im Flughafen und im Flugzeug werden gemacht, eine erste Aufregung, die Bösewichte erkennbar schon am Aufzug und Verhaltensweisen, ein schneller Start, selbst Nonnen sind an Bord, und Kinder, außerdem Orthodoxe, das ganze Weltgeschehen. Geschwitzt wird reichlich, noch vor der Kaperung, dem Skyjacking, nach wenigen Minuten schon die Entführung, der erstbesten Stewardess die Waffe ins Gesicht gehauen, keine lange Vorrede, mit der Handgranate wird gedroht, mit der Explosion des Flugzeugs, bereit zu Sterben, die neue Weltrevolution ausgerufen, die amerikanische Botschaft informiert. In Washington glühen die Drähte, es wird durchaus Aufwand vorgetragen und vorgetäuscht, die Delta Force am Start, schließlich ein Notfall hier, der Kommandant in der Bar beim Flirten mit der Frau hinter dem Tresen gestört. Bronson hätte hier auch zu gepasst, war aber schon bei Irvin Kershners ...die keine Gnade kennen (1977), dem Raid on Entebbe, über die einwöchige Entführung eines französischen Passagierflugzeuges durch israelische Sicherheitskräfte in Uganda anbei (siehe auch dem Unternehmen Entebbe, 1976 von Marvin J. Chomsky, oder dem von Golan selber gedrehten Operation Thunderbolt, 1977), die Gemeinsamkeiten nicht zufällig, zusätzlich werden die Begebenheiten um den Trans-World-Airlines-Flug 847 hier als Grundlage für das Skript genommen, die Wahrheit mit dem Fiktiven verbunden und zu einem Konglomerat voller Konflikte und Strapazen konstruiert.
Viel Stress wird hier gemacht und geboten, Norris ist eigentlich schon außen vor, kann aber nicht tatenlos zusehen, es geht an die Männerehre, ohne ihn wäre es auch ein Drama, Marvin zu alt und zu krank für die Arbeit, für die Action, da muss der wahre Star, das Zugpferd von Cannon her. Mit Tod und Terror wird gedroht, es wird viel politisiert und diskutiert, selbst der Priester angegriffen, Schygulla und Kennedy in der Kabine machen noch das Beste aus ihrer Rolle, ansonsten lässt der Militärfilm etwas auf sich warten, Abschiedsküsse verteilt, zum Widerstand aufgerufen, keiner reagiert. Viel geweint wird und Liebesschwüre verteilt, eine ausufernde Belastung, die Terroristen haben alle Menschlichkeit verloren, scheint es, zwischendurch werden Untertöne eingeworfen und eingewoben, plus Liam Neeson (sowie Kevin Dillon & Mykelti Williamson), zur Überraschung aller hier. Aufwändig die Szenen mit der Verweigerung der Landeverweigerung in Beirut, der Blockade der Startbahn, dann nach Folter und Qual die Räumung. Aufgetankt wird im Libanon, nicht bloß Benzin, sondern auch an Personal, dafür ein paar Geisel, sorgsam ausgewählt woandershin transportiert, ein Glaubenskrieg hier, eine Spannungsmanegerie, durchaus effektiv in der Anordnung, eine Studioproduktion mit Großaufgebot, viel Statisterie und Szenenwechsel, Gut gegen Böse in der Anordnung, “Diesmal geht's ums Ganze“, in der Hierarchie klar strukturiert. Als reiner Actionfilm sind die Fortsetzungen oder die umliegenden Werke von Norris eher zu goutieren, mit Ausnahme vielleicht von Missing in Action 2, es wird auch hier auf Druck und Dynamik gegangen, sich auf die Second Unit unter Don Pike und ihr Können verlassen, aber erst später, erst nach Warterei und Diplomatie.
Technisch ist die Handhabung durchaus professionell, größere Szenen geboten, die Spannung erwartet, die Ballerei verschoben, ein Rückzug im Kugelhagel, ein Tanklaster detoniert, die Operation ein Fiasko, trotzdem die potentielle Katastrophe vermieden, vertagt auf Späteres, erst noch am Üben. Es wäre interessant gewesen zu sehen, wie Zito die Handlung durchgeführt hätte, ob mit klarer Kante oder mit Diffusion und Diversifizierung, er wäre nicht persönlich involviert, er wäre auf das Spektakel aus gewesen, die religiösen Unterschiede und Gefühle ihm eher egal, dem in Palästina geborenen Golan, Sohn polnischer Immigranten eher nicht; er ist unmittelbar involviert in die Ereignisse, ein persönliches Interesse, neben der Aufgabe als Unterhaltung für den Zuschauer gedacht, das bunte und knallige Entertainment, die Einzelkämpfermission, eine schießwütige Verfolgungsjagd mit viel Blechschäden in Beirut. So im letzten Drittel dürfen die Amerikaner dann zeigen, warum sie ausgewählt wurden und die Besten sind, da hilft auch Allah nicht mehr, nun geht's ans Eingemachte, an das Kernstück des Filmes, der Einmarsch der Truppen, “Delta Zwei in Position“. Außer Steve James noch ist die Einheit eher ununterscheidbar, sie spielt in den Sequels auch keine wirkliche Rolle, dort wird auch das politische Ansinnen nur vorgeblich behandelt, hier zumindest so getan, neben der Erstürmung und der Schießerei im Hauptquartier, brennende Araber zwischen springenden Motorradfahrern, ein Gemetzel mit Raketenwerfern, ein Schuss, drei Treffer, die Stadt ein Schlachtfeld, zum Kriegsgebiet erklärt, eine Überraschungsparty geboten, die Show beginnt, eigenhändig den Spitzbuben der Garaus gemacht, auch wenn es noch so viele sind; Chuck Norris gegen die Übermacht.