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John Carpenters "Halloween" gilt nach wie vor als der Vorreiter in Sachen Slasherhorror, doch Insider wissen, dass dies nicht ganz richtig ist. Denn schon vor "Halloween" gab es so manches Filmchen, das im ähnlichen Stil einen Massenmörder präsentierte, so Bsp. auch "Black Christmas", aus dem Jahre 1974. Unter dem deutschen Titel "Jessy - Die Treppe in den Tod " hierzulande nur mäßig erfolgreich, konnte dieser Film aber vor allem durch seine klaustrophobische Stimmung, sowie einer nicht abreißen wollenden Atmosphäre überzeugen. Im heutigen Zeitalter der ständigen Wiederholungen aus Hollywood, hat es nun auch dieses Filmchen getroffen. Und da 2006 sowieso kaum etwas anderes als Remakes im Kino liefen, stört es natürlich auch nicht, dass nun selbst kurz vor Weihnachten hiermit noch ein Weiteres die Lichtspielhäuser erblickt. Aber nun gut, wir wollen mal nicht über die heutige Hollywood-Situation mosern, sondern den aktuellen Film betrachten. Und dieser ist mal ein herrliches Beispiel dafür, wie man selbst die dümmsten Handlungen noch unterhaltsam machen kann.

Um es gleich einmal vorweg zu nehmen, mit dem Original hat diese schwarze Weihnacht nun wirklich so gut wie gar nichts mehr zu tun. Eher gibt es zwischen den beiden Streifen hier und da mal ein paar Referenzen, aber ansonsten würde man nie darauf kommen, dass nun gerade dieser Film das Remake von Jessy ist. Die Grundzüge der Story sind da noch die ähnlichsten Fakten. Denn auch hier geht es um eine Studentengemeinschaft, die eigentlich nur in Ruhe das Weihnachtsfest begehen will, dabei allerdings von einem brutalen Psychopathen gestört wird, der früher einmal in dem Haus lebte, in dem sich die Studenten eingenistet haben. Nun heißt es also wieder einmal rette sich wer kann, auch wenn es am Ende sowieso nur eine sein wird, die das Massaker überlebt... Ja, wirklich viel steckt hier nicht in der Geschichte drin, vor allem keine Innovationen. Alles was die Handlung angeht hat man wirklich schon X-Mal in allen möglichen Variationen gesehen. Wieder einmal laufen die Opfer die Treppe rauf statt herunter. Wenn jemand im Haus schreit, wollen natürlich alle dem Schrei folgen, anstatt sich zu verdünnisieren und so weiter und so fort. Ja, an Unlogik und Dummheit ist dieser Slasher dieses Mal wirklich kaum noch zu übertreffen. Es mutet mitunter sogar regelrecht schlampig an, was man hier in Sachen Drehbuch fabriziert hat. Und doch kommen vor allem Slasherfans mit dem Hang zum Trash auf ihre Kosten.

Denn trotz aller Doofheit im Skript macht das Gezeigte viel Spaß. Nicht nur das vor allem die Morde immer wieder für perverse Unterhaltung der makaberen Sorte herhalten können, sowieso ist der ganze Film getränkt mit allerhand schwarzem Humor, den man so eher von den Briten, als von Hollywood erwartet hätte. So werden die Morde natürlich vorzüglich mit allerlei weihnachtlichem Material begangen, wie z. Bsp. einer spitzen Zuckerstange oder der Lichterkette eines Christbaums, sowie auch mit Plastiksack und äußerst spitzen Fingern. Das Blut fließt in Strömen, wenn bei fast allen Opfern die Augen aus ihren Höhlen gerissen werden, wenn Köpfe von ihrem Bestimmungsort abgetrennt werden, oder wenn der ein oder andere spitze Gegenstand das Fleisch des nächsten Opfers durchbohrt. Und das auch mal ein herab fallender Eiszapfen zum tödlichen Gegenstand werden kann, wird ebenfalls genüsslich vorgeführt. Die makaberen Highlights bilden dann die neuste Kreation von Weihnachtsplätzchen für Kannibalen, sowie der geschmückte Weihnachtsbaum auf dem Dachboden, der mit allerhand bluttriefendem Material bestückt wurde, vorzüglich mit herausgerissenen Augen und einem abgetrennten Kopf als Stern von Bethlehem, auf der Spitze des Baumes. Wer sich mit richtig makaberem Humor auskennt, der wird hier jedenfalls vortrefflich bedient.

Und damit das Treiben auch noch einigermaßen spannend bleibt, hat man sich dieses Mal gedacht, die Geschichte des Mörders zwischen den Ablauf der Gegenwart zu mischen. Sprich immer wieder wird die Weihnachtsfeier der Damen unterbrochen und die skandalöse Geschichte von Psychokrüppel Billy und seiner Schwester/Tochter Agnes wird dem Zuschauer begreiflich gemacht, auch wenn diese natürlich ebenso unlogisch und blödsinnig ist, wie der ganze Rest. Doch für Unterhaltung kann auch dieser düstere Part gut sein, zumal man sich auch immer wieder wundert, warum diese ekelerregende, ja regelrecht verachtenswerte Familie dennoch immer wieder Weihnachten zu begehen scheint. Wer weiß?!

In punkto Inszenierung lässt sich das aktuelle "Black Christmas"-Filmchen dann auch nicht lumpen. So ist die Kulisse natürlich herrlich weihnachtlich ausgefallen und bietet somit wirklich den idealen Kontrast, zum blutigen Treiben. Musikuntermalung und Score können gefallen, auch wenn ich es persönlich besser gefunden hätte, wenn man bei Beginn des Abspanns noch ein "We wish you a merry Christmas" oder ähnliches hinterher geschoben hätte, denn das hätte dem makaberen Filmchen dann noch die Krone aufgesetzt (auch wenn das "Peace on Earth"-Schild am Schluss schon schön makaber anmutet). Gelungen sind zudem die Blutszenen, die alle noch auf herrliche Old-School-Art hergestellt worden und das Blut nicht aus dem Computer spritzt. Reichlich Rotes gibt es jedenfalls allemal.

Was die Darsteller angeht kann man dann auch soweit zufrieden sein. Natürlich sind Slasher-Darsteller nur selten wirklich gut, doch hier kann man sie wirklich allesamt als annehmbar bezeichnen, zumal sich auch einige bekannte Namen, wie Michelle Trachtenberg, Mary Elizabeth Winstead oder auch die große und wunderbare Andrea Martin, unter ihnen befinden. Allesamt gibt hier wirklich jeder sein Bestes, auch wenn das Genre natürlich nicht unbedingt Höchstleistungen voraussetzt. Man kann zufrieden sein.

Fazit: Saudoof, aber unterhaltsam, nichts anderes ist "Black Christmas 2006". Die Story ist innovationslos und reif für die Klapsmühle, doch die Umsetzung macht mehr Spaß, als so manch anderer moderner Slasher. Schwarzen Humor gibt es hier jedenfalls satt, blutig, makabere Morde sind keine Seltenheit und Spannung ist hier und da sogar auch vorhanden. Auch wenn das Original unerreicht bleibt, so kann man an diesem Remake durchaus seine Freude haben. Zumindest wenn man keine allzu treue Umsetzung des ersten "Black Christmas" erwartet, an blutig makaberem Humor seine Freude hat und die nicht umgehbare Trashnote des Films akzeptieren kann.

Na dann, Frohe Weihnachten!

Wertung: 6,5/10 Punkte

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