Review

Man hat wohl die freie Wahl, ob man begeistert oder empört sein soll über Glen Morgans Umgang mit dem Remake des 74’er Horrorklassikers “Black Christmas” – auf jeden Fall sollte man jedoch ein “Gore-Hound” oder Splatterfan sein, denn das ist eine unabdingbare Voraussetzung, um den Film genießen, ja auch nur goutieren zu können.

Denn Morgan hat aus dem relativ gesehen richtungsweisenden Original ein Schlachtfest ohne Netz und doppelten Boden gemacht, das sich gewaschen hat.
Da wird sich dann auch gar nicht großartig um Suspenseaufbau oder Charakterschaffung gekümmert, hier soll Blut spritzen und das reichlich.
Deswegen ist der Film noch keine fünf Minuten alt und schon gibt’s zwei separate Opfer, die gnadenlos weggehäckselt werden.

Die Story ist altbekannter Horrorstoff: eine weibliche Studentenverbindung bei der fast eingeschneiten Weihnachtsfeier + im Hause lebte mal ein Muttermörder und festlich orientierter Kannibale, der selbstverbreilich gerade aus der Anstalt entwichen ist. Doch wie uns die lineare Erzählweise es so treffend in die Fontanelle drischt, gibt es noch einen zweiten Killer.

Morgan setzt uns in seinem Drehbuch ein angenehm wohlgeformte Riege weiblichen Hollywoodnachwuchses vor Nase und dreht sie dann geradezu provokant ironiefrei durch den Fleischwolf.
Heutzutage ist man inzwischen in der Post-Scream-Ära gewohnt, das das Meucheln witzig verbrämt wird und hübsche Mädchen mit langen Beinen und dicken Titten einen suspenseintensiven Kreisch-und-Wehr-Dich-Abgang haben, damit der Zuschauer so etwas wie Mitgefühl mit dem Menschenmaterial bekommt.

Hier findet sich nichts davon, auch wenn niemand die Mädels hier auch nur im Traum von der Bettkante stupsen würde. Ob es sich nun um die genre-erprobten Mary Elizabeth Winstead (Final Destination 3), die zauberhafte Lacey Chabert (Lost in Space) oder die immer noch niedliche Michelle Trachtenberg (Buffy) handelt – jede von ihnen wird brachial und schnell in die nächste Welt befördert: Plastiktüte über den Kopf, dann mit bloßen Killerfingern die Augenrausgerissen und mundgerecht verspeist, ehe dann irgendwelche spitzen Gegenstände festlicher Couture den Damen blutspritzend den Rest geben.
Und solche Gegenstände gibt es reichlich, von der mundgerecht gelutschten Zuckerstange über gelockerte Eiszapfen bis zu spitzem Kristallschmuck wird hier alles verwendet und zwar nach Möglichkeit von Schläfenlappen zu Schläfenlappen.

Der Plot arbeitet mit einigen Rückblenden, die nebenbei noch unterstreichen, das hier keine Gefangenen gemacht werden, das Martyrium des Killers, komplett mit Gattenmord, Isolation, Inzest und dem Ausstechen von lecker Fleischplätzchen aus dem Rücken der toten Mama.

Mit einer Dreistigkeit ohnegleichen gibt sich Morgan hier als vielleicht definitiver Weihnachtshasser, der in erhöhter Geschwindigkeit die üblichen saudämlichen Dialogszenen kurz hält, sofern sie nicht dem Plot dienen und meuchelt munter drauf los, wobei der Lebenssaft in die Hektoliter geht.
Richtig Spannung kommt dabei nicht auf, dafür hat das Hauen und Stechen exzellentes Tempo und setzt auf gekonnte Geschmacklosigkeit der Marke „Hier ist gar keiner sicher!“.

So etwas kann man wirklich nur ganz abgebrühten Naturen vorsetzen und erwarten, dass dann keiner sofort „Schund“ schreit – die jedoch haben verdammt lustige 80 Minuten, während hier munter US-Horror-Tabus niedergemetzelt werden, für die es ja auch so eine Art Kodex gibt.

Auffällig ist dabei übrigens das etwas abgehackt wirkende europäische Ende des Films, das sich weniger um Killer Billy als vielmehr um den zweiten Killer dreht, während in der US-Version am Ende noch einmal mit Röstkastanie Billy gefightet werden musste.
Scheinbar ohne Versöhnlichkeit oder langsamen Ausklang werden hier noch einmal Mord- und Kampfsequenzen aufeinandergestapelt und dann ist überraschend Schluß, geradezu brüsk.

Wer sich bei seiner wöchentlichen Portion Horror wirklich mal nur auf das Wesentliche beschränken will, der ist bei diesen 80 Minuten genau richtig.
Zwar ohne wirklichen Nährwert und jenseits eines wirklich eindeutig erkennbaren Stils, aber allein die Dreistigkeit wirkt fast honorabel. (4/10)

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