Bob Clarks „Black Christmas“ war eine Art Vorläufer von „Halloween“, ohne jedoch dessen Bekanntheitsgrad zu erreichen. Für ein Remake reichte es dann dennoch.
Wie im Original dient ein Studentinnenwohnheim als Spielwiese für Mord und Totschlag, wobei man dem Gebäude hier direkt noch eine Vorgeschichte aufs Auge drückt: Vor Jahren ermordete der Psychopath Billy Lenz (Robert Mann) seine Familie am Weihnachtsabend, der gleichzeitig sein Geburtstag ist. Mittlerweile sitzt er in einer Anstalt, wie Kollege Michael Myers und was die Gesellen an den Jahrestagen ihrer Bluttaten anstellen, ist dem Horrorfan wohlbekannt.
Jedoch werden im Wohnheim bereits die ersten Mädels über den Jordan geschickt, bevor Billy dann mit Tricks ausbricht, die er von Michael Myers oder dem Stepfather gelernt haben könnte. Statt eines Killers also zwei, da stellt sich nur die Frage, ob die beiden in Konsonanz wie in „Scream“ meucheln oder ein Futterneid Marke „Freddy vs. Jason“ ausbricht.
Derweil feiert die Mädelsclique (u.a. Michelle Trachtenberg, Mary Elizabeth Winstead und Lacey Chabert) im Wohnheim den Weihnachtsabend. Doch irgendwann fällt ihnen auf, dass Leute aus dem Wohnheim verschwunden sind...
Das Begrüßenswerte zuerst: „Black Christmas“ versucht sich tatsächlich als Neuinterpretation des alten Stoffes und wagt keine plumpe Nacherzählung des bereits Bekannten. Ganz nett z.B. die Variation der bedrohlichen Anrufe, welche das Remake an die Zeiten von Handys und Caller-ID anpasst. Andere Zitate des Originals sind etwas missglückt (z.B. der Mord mit dem Einhorn aus Kristall), während man bei den Mördern weitaus konventionellere Wege beschreibt; die Unsicherheit, die das Original prägte, ist hier klaren Identitäten und Motiven gewichen.
Probleme hat „Black Christmas“ vor allem bei seiner Erzählweise: In rund 87 Minuten (recht langer Abspann inklusive) gibt es neben dem mörderischen Weihnachtsabend noch eine ausführliche Schilderung der Vorgeschichte sowie einen langen Nachklapp nach Slasherstandard zu sehen. So kommt leider jeder der Teile etwas kurz, gerade der zentrale Part um das Wohnheimgemetzel wird zu einer Anhäufung von Mordszenen, die vor allem durch den Drehbuchkniff zusammengehalten wird, dass das Wohnheim aufgrund eines Schneesturms nicht zu verlassen ist. Der Ernst der Lage ist jedoch recht schnell erkannt.
So ist „Black Christmas“ dann nur passagenweise wirklich spannend, vor allem bei den handelsüblichen, aber doch zackig inszenierten Jagden durch Flure und Gebälk des Hauses. Leider sind derlei Parts etwas dünn gesät, häufig regiert nur das Gemetzel. Das ist dann auch von deftiger Härte, im Stile des kurz zuvor entstandenen „See No Evil“ werden Augen herausgerupft, das Blut spritzt reichlich und auch sonst sind die Killer alles andere als zimperlich. Leider fehlt bei allem Gore der Wille zur Innovation, an vielen Stellen wirkt „Black Christmas“ wie ein bloßes Zitat anderer Slasherfilme. So hat jeder auch nur halbwegs aufmerksame Zuschauer die Identität des zweiten Mörders spätestens nach dem letzten Flashback erkannt, was die Motive der beiden Killer angeht, da bombardiert „Black Christmas“ den Zuschauer mit ödipalen und Freudschen Motiven der Holzhammerkategorie.
Immerhin besitzt „Black Christmas“ noch ein gewisses Maß an schwarzem Humor, was den Film aufwertet. Weihnachtsplätzchen aus Menschenhaut oder eine etwas andere Füllung für den Sack von Santa Clause sorgen für makabere Gags, die auch meist zünden, der eine oder andere Rohrkrepierer ist bei den Witzen leider auch dabei. Leider wird „Black Christmas“ mit zunehmendem Verlauf ironiefreier, gerade der Nachklappshowdown im Krankenhaus ist simple Slasherroutine.
Darstellerisch bietet „Black Christmas“ solides Mittelmaß. Gerade Mary Elizabeth Winstead und Lacey Chabert sind zwar OK, können aber deutlich besseres leisten. Man bleibt zwar von den talentfreien Zonen, die manchen 80er Jahre Slasher ausmachten, zwar verschont, aber auch in dem Bereich gab es schon wesentlich bessere Leistungen. Katie Cassidy wird zwar von Anfang an als Final Girl gekennzeichnet, kann schauspielerisch leider nicht herausragen. Robert Mann als Psychopath hat durchaus Charisma, auch wenn man von ihm meist nur die Augen oder ein Gesicht im Schatten sieht.
Eine Neuinterpretation statt reinen Neuverfilmens, ein stimmungsvolles Weihnachtsszenario und schwarzer Humor: An sich ist die Prämisse von „Black Christmas“ ziemlich gut. Leider macht das Remake daraus wenig, ein besserer Standardslasher mit erzählerischen Mankos, das macht dann leider nur solides Mittelmaß, trotz guter Ansätze.